Sie benutzen einen veralteten Browser. Bitte updaten Sie Ihren Browser oder aktivieren Sie Chrome Frame um die Darstellung zu verbessern.

Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Eine Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten, befindet sich hier.

Exploration

Uranabbau brummt

Die weltweite Uranproduktion ist 2009 um rund ein Sechstel gestiegen, die Reserven legten um 42 Prozent zu. Ein Engpass ist nicht abzusehen.

Uranabbau brummt Uranabbau brummt
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Die weltweite Uranproduktion ist 2009 wegen anhaltend hoher Preise um rund ein Sechstel gestiegen, heißt es in einer aktuellen Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Wichtige Förderländer berechneten ihre Reserven neu, prompt legten die globalen Vorräte um 42 Prozent zu. Der von den Gegnern der Kernenergie prognostizierte Versorgungsengpass sei trotz steigender Nachfrage auf lange Sicht nicht abzusehen.

In der Kernkraftbranche schrillten vor einem halben Jahr die Alarmglocken. „Der Atombrennstoff Uran wird sich in den kommenden Jahren rasant verknappen und verteuern“, zitierte die Berliner Zeitung aus dem Jahresbericht 2009 der Euratom Supply Agency (ESA), einer Kontrollbehörde der Europäischen Union. Spätestens ab 2020 werde das Uran aus den erschlossenen Minen nicht mehr ausreichen, um den Bedarf zu decken. Bislang kann die Lücke noch aus Lagerbeständen und abgerüsteten Atomwaffen geschlossen werden, doch auch diese Quelle versiegt. Die Debatte um die Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken könne sich somit erübrigen.

Wichtige Förderländer berechnen Reserven neu

Doch Experten von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe kommen in einer aktuellen Studie, die bislang keine öffentliche Resonanz fand, zu einem anderen Ergebnis: In absehbarer Zeit sei kein Engpass abzusehen. Wegen der hohen Preise und Preiserwartungen sei die Weltproduktion im Jahr 2009 gegenüber dem Vorjahr um 15,5 Prozent gestiegen. Wichtige Förderländer wie Australien, Namibia, Niger und Russland berechneten zudem ihre Vorratsstatistiken neu: Als Reserve gilt demnach Uran, welches zu Preisen von maximal 80 Dollar je Kilogramm gefördert werden kann. Die Grenze lag zuvor bei 40 Dollar. Durch die Neuberechnung erhöhen sich die globalen Reservenangaben der BGR von 1766 Kilotonnen für 2008 auf 2516 Kilotonnen im Jahr 2009, was einem Zuwachs von 42 Prozent entspricht. Geht man nach den neu berechneten Daten, so die BGR, „steht auch bei einem steigenden Bedarf für die nächsten Jahrzehnte ein ausreichendes Potenzial zur Verfügung.“ Die Produktion erfolge überwiegend aus politisch stabilen Förderländern.

Kernbrennstoffe für mindestens 200 Jahre

Das atomare Wettrüsten während des kalten Kriegs habe zu einem enormem Überangebot beim Uran geführt, erklärt Kernenergie-Experte Ulrich Schwarz-Schampera von der BGR. Der Rohstoff wurde praktisch nicht verbraucht, sondern in Waffen eingelagert. Diese Bestände würden nun abgebaut. Dies sei aber kein Zeichen für einen Engpass bei der Förderung. Angesichts knapper werdender Ressourcen und steigender Preise rentiert sich der Abbau aus Lagerstätten, die bisher als unwirtschaftlich galten. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage werde kleiner. „Fakt ist, dass es aus geologischer Sicht auf absehbare Zeit keine Verknappung bei Kernbrennstoffen geben wird“, so Schwarz-Schampera. Die Reichweite heutiger Ressourcen betrage „mindestens 200 Jahre“. Vieles spreche gegen die Kernkraft, so der Experte, etwa die hohen Kosten des Kraftwerksbaus und vor allem die ungelöste Endlagerfrage. „Der Rohstoffmangel ist aber ein schlechtes Argument.“

Uranpreis spielt für Strompreis keine Rolle

Weltweit ist ein wachsendes Interesse am Ausbau der Kernenergie zu erkennen. Damit soll der steigende Energiebedarf gedeckt und das Klimaproblem gelöst werden. Ende 2009 befanden sich 55 Kernkraftanlagen in 14 Ländern im Bau, darunter China, Russland, Südkorea, Indien, Japan und Finnland. Uran wird dadurch tendentiell teuer. Der mittlere Preis für langfristige Lieferverträge, die in der Europäischen Union rund 95 Prozent des Handels ausmachen, lag 2009 bei 78 Dollar je Kilo – eine Steigerung um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Uranpreis hat an den Stromerzeugungskosten aber nur einen geringen Anteil. Laut World Nuclear Association führt eine Verdoppelung des Uranpreises von 65 auf 130 Dollar zu einem Anstieg der Brennstoffkosten von 0,50 auf 0,62 Cent je Kilowattstunde Strom. Schwarz-Schampera spitzt zu: „Der Uranpreis ist für den Strompreis ohne Bedeutung.“

Uran aus dem Meerwasser der Ozeane

Irgendwann könnten sich sogar die skurrilsten Fördermethoden rentieren. In Kasachstan wird Uran bereits aus versteinerten Dinosaurierknochen unterhalb des Meeres gewonnen. Japan hat es auf Uran aus dem Salzwasser der Ozeane abgesehen. Forschungsarbeiten an entsprechenden Techniken wurden 2006 wieder aufgenommen. Wissenschaftler konnten unter natürlichen Bedingungen binnen 30 Tagen etwa 1,5 Gramm Uran anreichern. Sollte der Preis irgendwann auf 700 Dollar gestiegen sein, könnten die Japaner jährlich etwa 1.200 Tonnen wirtschaftlich gewinnen. Insgesamt lagern in den Weltmeeren 4,5 Milliarden Tonnen. Das ist beinahe so viel, wie die heutzutage als verfügbar eingestuften Reserven. Beim Uran besteht also noch viel Luft nach oben.

Weitere Informationen:

Euractiv, 9. August 2010: Uran wird knapp“

Aktuelle Kurzstudie „Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit von Energierohstoffen“ der BGR: www.bgr.bund.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014