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Stadtwerke

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Das klassische Modell des Stadtwerkes hat ausgedient, heißt es in einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung BearingPoint.

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energlobe.de, Maud Radtke

Energie- und Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung, Verkehrs- und Bäderbetriebe unter einem Dach – das klassische Modell eines Stadtwerkes hat ausgedient, heißt es in der Studie „Transformation der Energiewirtschaft – Organisatorische Veränderungen unter den Anforderungen der Regulierung und veränderten Märkten“, die von der unabhängigen Unternehmensberatung BearingPoint Mitte Juli veröffentlicht wurde.

Regionale Energieversorger stünden angesichts eines sich schnell ändernden Marktumfeldes vor wachsenden Herausforderungen. Obwohl die lokal ansässigen Unternehmen bereits vielerorts auf die Veränderungen reagierten, bestehe Nachholbedarf, sagt Jens Raschke, Partner bei BearingPoint und Mitautor der Studie. Sein Fazit: „Versorger sollten jetzt dringend nachjustieren. Neuinvestitionen sind unvermeidbar, um sich im Wettbewerb besser zu positionieren.“

Zwischen liberalisiertem Markt und lokalem Auftrag

Kommunale Versorger befänden sich häufig in einer Sandwich-Position zwischen den Anforderungen des liberalisierten Marktes und ihrem lokalen Auftrag. „Die kommunale Einflussnahme auf die Stadtwerke kann durchaus problematisch sein, weil man damit kommunale Interessen in den Vordergrund rückt“, stellt Raschke fest – was dazu führe, dass „wirtschaftliche Interessen nicht immer zwangsläufig im Vordergrund“ stünden.

Die Autoren der Studie erwarten eine zunehmende Trennung von historisch gewachsenen Betätigungsfeldern wie Verkehrs- und Bäderbetrieben. „Das sind Organisationsstrukturen, die aus der Vergangenheit herrühren“, sagt Raschke. „Das Geschäft wird komplexer. Um sich im Wettbewerb gut aufstellen zu können, sollte man sich auf seine Hauptaufgabenbereiche fokussieren“, folgert er.

Wer für sich bleibt, hat es schwerer

Vor allem mit der Bündelung und konzernübergreifenden Nutzung von Services sowie der Kooperation bei Investitionen und neuen Geschäftsfeldern könnten Versorger sich Nischen erschließen, schlussfolgern die Autoren der Studie, die auf einer Umfrage unter rund 50 Stadtwerken und regionalen Energieversorgern basiert. „Wer für sich bleibt, wird es im Wettbewerb schwerer haben“, prophezeit Raschke. „Gerade bei Investitionen in Erneuerbare Energien wie Wind- und Biomasseanlagen oder Photovoltaik stellt sich die Frage, ob man individuelle Investitionen tätigt oder diese bündelt. Da sind Kooperationen mit Dritten oder in Stadtwerksverbünden durchaus attraktiv“, führt er aus.

Neue Geschäftsfelder erschließen

Ein Beispiel davon geben Aushängeschilder wie die Münchner Thüga, einem Verbund aus 100 Stadtwerken, sowie Trianel aus Aachen und Pfalzenergie, in der sich jeweils 47 regionale Unternehmen zusammen geschlossen haben, oder auch die Mannheimer MVV mit acht Stadtwerken. „Es können aber auch Kooperationen auf anderen Ebenen sein“, sagt Raschke.

So würden neue Geschäftsfelder häufig zusammen mit etablierten Anbietern entwickelt, die das nötige Know-how und die Erfahrung mitbrächten. Immer mehr Versorger bündelten auch unterstützende Funktionen wie zum Beispiel die Energieabrechnung und das Forderungsmanagement in Servicegesellschaften. Die Hälfte der Befragten beabsichtigt, diese Dienste künftig auch anderen Unternehmen anzubieten.

Potenziale nicht ausgeschöpft

Doch nicht in allen Bereichen schöpften die Versorger das volle Potenzial aus: Die Möglichkeit, den Einkauf beispielsweise über Plattformen oder Zweckgemeinschaften stärker zusammenzufassen, würde bislang nur eingeschränkt genutzt. Auch im Vertrieb gebe es weiterhin Defizite: Vor allem die komplexen IT-Systeme und die festen, ehemals kommunalen Strukturen seien der heutigen Tarif- und Servicevielfalt nicht gewachsen. Der starke Preiskampf fordere Verbesserungen im Portfolio- und Kundenmanagement. Dennoch plane die Mehrheit der Befragten (70 Prozent) derzeit keine nachhaltigen organisatorischen Änderungen im Vertrieb.

Im Wettbewerb hätten die Stadtwerke vor allem durch ihre Kundennähe „einen Trumpf in der Hand: Wenn sie diese Karte spielen, dann haben sie langfristig sehr gute Chancen, sich gegenüber den großen Energieversorgern zu etablieren“, sagt BearingPoint-Partner Raschke. „Dem Verbraucher ist es in der Regel egal, von wem der Strom kommt. Ich muss mir als Versorger also Gedanken darüber machen, was ich dem Kunden zum Beispiel über intelligente Services oder neue Geschäftsmodelle anbieten kann, damit er sagt: Ich möchte nicht von irgendjemandem, sondern von meinem Regionalversorger Energie erwerben“, führt er aus.

Energieversorger müssen jetzt handeln

Zunehmender Wettbewerb entsteht auch durch neue Player: Laut der Boston Consulting Group (BCG) drängten Anbieter auf den Markt, die Lösungen für intelligente Stromnetze und Nachfragesteuerungen anböten – darunter IBM, SAP, Cisco Systems und Google ebenso wie Energie-Startups. In ihrer Ende Juli publizierten Studie „Toward a Distributed-Power World“ prognostiziert die BCG die Herausbildung einer dezentralen Energielandschaft in Europa, an die sich Energieversorger durch innovative Geschäftsmodelle anpassen müssten.

„Wenn Energieversorger nicht aus dem Markt gedrängt und als reine Verteiler marginalisiert werden wollen, müssen sie jetzt handeln“, heißt es in der Studie. „Unsere Analyse zeigt: ‚Business as usual‘ ist für konventionelle Stromerzeuger keine Alternative mehr“, so das Fazit von Michal Kofluk, Geschäftsführer und Leiter der deutschen Energie-Praxisgruppe bei BCG.

Weitere Informationen:

BearingPoint-Studie „Transformation der Energiewirtschaft. Organisatorische Veränderungen unter den Anforderungen von Regulierung und veränderten Märkten.“

BCG-Studie „Toward a Distributed-Power World“

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014