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Kommunen

Comeback fürs Stadtwerk

Die große Privatisierungswelle der Energieversorger ist vorbei. Vielerorts wollen Kommunen wieder mehr Einfluss.

Comeback fürs Stadtwerk Comeback fürs Stadtwerk
energlobe.de, Denny Rosenthal

Die große Privatisierungswelle in der Energieversorgung, die in den 90er-Jahren über Deutschland schwappte, ist längst abgeebbt. Jetzt stehen die Zeichen auf Rekommunalisierung. Viele Städte und Gemeinden wollen wieder Einfluss haben, und die Entwicklung hin zu einer dezentralen Energieversorgung ermöglicht ihnen den Wiedereinstieg.

Beispiel Trianel

Der Einsatz umweltfreundlicher dezentraler Technologien wie Mikro-KWK, Solar- und Windstromanlagen rentiere sich zunehmend, erläutert Christoph Burger, Energieexperte und Fakultätsmitglied an der ESMT European School of Management and Technology in Berlin. Dies liege einerseits an einer Weiterentwicklung dieser Technologien und andererseits an der Einpreisung des emittierten Kohlendioxids in der Energieerzeugung. „Für die großen Player ist dezentrale Erzeugung neu, ungewohnt – sie haben nur wenig Erfahrung in dem Bereich“, sagt Burger. Das eröffne den Stadtwerken Chancen. Zudem ließen sich auch durch Kooperationen oder Zusammenschlüsse Kosten sparen. Ein Beispiel für einen erfolgreichen Stadtwerkeverbund ist die Aachener Kooperationsgesellschaft Trianel, in der mehr als 40 kommunale Versorger organisiert sind.

Gegen die Economies of Scale

Derzeit funktioniere das Prinzip der Economies of Scale: je größer die Produktions- beziehungsweise der Vertriebseinheiten, desto größer die Kostenersparnis und somit die Marge. Doch der Trend gehe auch in eine andere Richtung, glaubt Burger. Dabei könnten Stadtwerke von ihrer regionalen Verankerung und ihrer engen Kundenbindung profitieren. Sie hätten zudem die Chance, auch andere Bereiche wie die kommunale Müllentsorgung und regionale Mobilität sinnvoll in ihr Energiekonzept mit einzubeziehen.

„Dezentralisierung führt dazu, dass auch Kommunen autark werden können und somit unabhängig von Energieimporten“, so Burger. Im Kleinen ist dies bereits gelungen – so beispielsweise in Jühnde im Landkreis Göttingen in Niedersachsen. Jühnde erzeugt Strom und Wärme in einer Biogasanlage und einem Biomasse-Heizwerk. Ein Nahwärmenetz bringt die Energie zu den Haushalten, von denen mehr als 70 Prozent angeschlossen wurden.

Hamburg will Selbstversorger werden

Energieautarke Städte sind wegen der hohen Bevölkerungsdichte und den geringeren Freiflächen schwieriger zu realisieren. Seit vergangenem Jahr gibt es dennoch in Hamburg wieder einen städtischen Energieversorger, der sich zum Ziel gesetzt hat langfristig 50 Prozent der benötigten Energie in der Region eigenständig zu erzeugen. Die Hansestadt möchte wieder mehr Einfluss auf die Energieversorgung haben und scheint den Verkauf der Hamburgischen Electricitätswerke (HEW) und des Gasversorgers Heingas heute zu bereuen.

Hamburg Energie, eine Tochter der städtischen Hamburg Wasser GmbH, ist im September 2009 angetreten, um sich mittelfristig als Nummer zwei der Stadt zu etablieren. Derzeit hat der Versorger nach eigenen Angaben rund 11.000 Kunden. Um den derzeit zweiten im Markt, Lichtblick, zu überholen, müssten in den kommenden vier bis fünf Jahren knapp 60.000 weitere Kunden hinzugewonnen werden. Klarer Marktführer mit etwa 80 Prozent Marktanteil in der Hansestadt ist Vattenfall, an den die HEW einst verkauft wurde. Heingas ging an den Eon-Konzern und wurde zu Eon Hanse.

Strom ohne Kohle und Atom

Hamburg Energie will seine Kunden einerseits über ihre regionale Bindung locken und andererseits über ihr Umweltbewusstsein. "Wir bieten Strom zu einem fairen Preis an und übernehmen lokale Verantwortung: Das Geld unserer Kunden bleibt in der Region", sagt Geschäftsführer Michael Beckereit. So sei ausschließlich Strom im Angebot, der ohne Kohle- und Kernkraft erzeugt wurde. Bislang seien Investitionsentscheidungen von etwa 40 Millionen Euro getroffen worden, unter anderem für den Bau von Wind- und Photovoltaikanlagen in der Region Hamburg.

Auch Berlin will wieder ein Stadtwerk

Diese notwendigen Anfangsinvestitionen allerdings könnten verhindern, dass die Energieversorgung auch in anderen deutschen Großstädten wieder in kommunale Hände übergeht.

Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) will ein neues Energiekonzept für die Hauptstadt entwickeln und plant die Gründung eines neuen landeseigenen Energieversorgers, der vor allem auf erneuerbare Quellen setzen soll. Er forderte in einem Thesenpapier mehr ökologische Verantwortung, mehr Effizienz, weniger Einfluss privater Großunternehmen und höheren Nutzen für Region und Kunden. Ob sich Wolfs Pläne angesichts der hohen Verschuldung der Hauptstadt realisieren lassen, ist fraglich.

Dass sich über ein integriertes Energiekonzept, das etwa Energieversorgung mit der Müllentsorgung verknüpft, Synergien gewinnen lassen, zeigt ein Ansatz der nach wie vor kommunalen Berliner Stadtreinigung (BSR): In drei BSR-Deponien wird Deponiegas erfasst und mithilfe von Blockheizkraftwerken in Strom und Wärme umgewandelt. Durch die energetische Weiterverwertung des Abfalls können so mehrere zehntausend Wohnungen in Berlin beheizt werden.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014