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Erdgas

„Die Finanzkrise kam gerade recht“

Was bayerische Heizungen mit norwegischem Gas zu tun haben, weiß Arne Westeng, Geschäftsführer der Bayerngas Norge.

„Die Finanzkrise kam gerade recht“ „Die Finanzkrise kam gerade recht“
Bayerngas Norge

Herr Westeng, Sie leiten die 2006 gegründete norwegische Erdgas- und Erdölfirma Bayerngas Norge, an der die Stadtwerke München mit 61 Prozent den größten Anteil halten. Fördern Sie bereits Gas oder Öl?

Arne Westeng: Wir haben eine zehnprozentige Beteiligung an dem Feld Volve im norwegischen Teil der Nordsee. Dort wird seit 2008 Öl und Gas gefördert. Ende dieses Jahres beginnen wir mit der Förderung an zwei weiteren Feldern: Das Erdgasfeld Trym, nahe der dänischen Grenze, an dem wir mit 50 Prozent beteiligt sind, und viel weiter im Norden Vega Süd, an dem wir 25 Prozent halten. Dort wollen wir sowohl Erdgas als auch Erdöl fördern.

Hat Bayerngas Norge die Vorkommen auf diesen Feldern selbst entdeckt?

Westeng: Nein, dafür sind wir ein zu junges Unternehmen. Wir beteiligen uns aber auch an der Exploration und haben bislang an drei Bohrungen teilgenommen. Unser Ziel ist es, an mindestens fünf Bohrungen im Jahr teilzunehmen, dieses Jahr werden wir auf sechs Bohrungen in Norwegen und zwei in Dänemark kommen.

Waren die bisherigen Bohrungen erfolgreich?

Westeng: Zwei der drei Bohrungen waren ein Erfolg. Eine Bohrung haben wir gemeinsam mit der BASF-Tochter Wintershall durchgeführt, auf einem Feld in Dänemark. Dieses wird nun Schritt für Schritt weiterentwickelt.  Beim zweiten Fund kooperieren wir mit dem norwegischen Konzern StatoilHydro, die allerdings mit 70 Prozent federführend sind. Hier stockt die Entwicklung zurzeit, weil das Feld für den Statoil-Konzern nicht von oberster Priorität ist. Wir erwarten übrigens nicht, dass zwei von drei Bohrungen erfolgreich sind, sondern rechnen damit, bei jeder zehnten Bohrung einen kommerziell nutzbaren Fund zu machen.  

Wie entscheidet der norwegische Staat, wer bohren darf? Müssen Unternehmen eine Lizenz dafür erwerben?

Westeng: Die Lizenzen sind kostenlos. Der Staat teilt sie nur nach einem Kriterium zu: Kompetenz. Die Firma oder die Firmengruppe, die die überzeugendste Bewerbung einreicht, erhält den Zuschlag. Natürlich kann sich nicht jede beliebige Firma um eine Bohrlizenz bewerben, es bedarf eines gewissen technischen Know-hows und einer finanziellen Grundlage. Bayerngas Norge ist seit Mai 2007 lizenzberechtigt. Bei der letzten Vergaberunde haben wir uns um sechs Lizenzen beworben und alle sechs erhalten. Dies belegt, dass unsere Geologen und Geophysiker ihr Handwerk verstehen. Auch wenn das natürlich kein Erfolgsgarant ist: Letzten Endes wissen wir immer erst nach einer Bohrung, ob unsere Analyse der seismischen Daten richtig war.

Wie groß ist Ihr Team?

Westeng: Wir beschäftigen knapp 60 Angestellte und haben weitere 10 bis 15 feste freie Mitarbeiter. Diese Stärke haben wir unter anderem durch Übernahmen erreicht, sodass wir jetzt in Norwegen eine gute Basis haben, um künftig organisch zu  wachsen. Als Bayerngas Norge 2006 gegründet wurde, bestand die Firma nur aus mir und meinem Laptop. Wir konnten in so kurzer Zeit nur so rasant wachsen, indem wir uns in jede Stufe des Geschäfts eingekauft haben, durch Firmenübernahmen, Beteiligungen an Funden und bereits in der Entwicklung stehenden Feldern sowie Anteilen an laufender Produktion. Dabei kam uns die globale Wirtschafts- und Finanzkrise gerade recht, ohne sie hätten einige der Firmen, die wir übernommen haben, einfach an den Märkten Kapital eingesammelt und wären unabhängig geblieben.

Was ist das Ziel ihrer Geldgeber, der Bayerngas, der Stadtwerke München und den beiden anderen Anteileignern Swissgas und TIGAS-Erdgas Tirol?

Westeng: Es geht um mehr Unabhängigkeit von russischen Gaslieferungen und von den großen Ferngasgesellschaften wie E.ON. Die Stadtwerke München wollen bis 2014 alle Heizgaskunden in München und im Umland unabhängig vom russischen Gas versorgen, das heißt sie wollen durch uns so viel fördern wie sie dafür im Jahr brauchen, etwa acht Milliarden Kilowattstunden. Wir sind auf einem guten Weg, dieses Ziel zu erreichen.  

Heißt das, sie suchen nur nach Gas und nicht nach Öl?

Westeng: Für unsere Anteilseigner steht Gas im Vordergrund. Öl hat allerdings eine geringere Vorlaufzeit und kann kostengünstiger mit dem Schiff abtransportiert werden. Um Gas abzutransportieren, muss ein neues Feld an das bestehende Pipelinesystem angeschlossen werden. Das heißt, es müssen mehrere Kilometer neuer Pipeline verlegt werden. Außerdem fallen möglicherweise Durchleitungskosten an. Hinzu kommen manchmal auch Kapazitätsprobleme. Es gibt beispielsweise nur eine Pipeline aus der Norwegischen See, mittelfristig brauchen wir eine zweite, um dort oben profitabel Gas fördern zu können.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014