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Interview

Kernkraft ist unverzichtbar

Hans-Joachim Herrmann, Chef des VKU Sachsen-Anhalt und der Stadtwerke Wittenberg, über große und kleine Player sowie den richtigen Energiemix.

Kernkraft ist unverzichtbar Kernkraft ist unverzichtbar
energlobe.de, Sabeth Stickforth

Auch die Kernenergie gehört in den Energiemix, sagt Hans-Joachim Herrmann, Vorsitzender des VKU-Landesverbandes Sachsen-Anhalt – und relativiert damit deutlich die Position des VKU-Bundesvorsitzenden. Im Interview auf energlobe.de spricht Herrmann über den richtigen Mix – nicht nur bei den Energieträgern sondern auch im Wettbewerb zwischen großen und kleinen Playern.

In wenigen Wochen stellt die Bundesregierung ihr lang erwartetes Energiekonzept vor. Welche Erwartungen haben Sie daran?

Herrmann: Dazu eine Bemerkung vorab: Jemand, der sich nicht täglich mit Energiepolitik beschäftigt, mag glauben, das Energiekonzept der Bundesregierung bestehe hauptsächlich aus der Frage der Laufzeitenverlängerung deutscher Kernkraftwerke. Aber das ist ja nun bei weitem nicht der einzige Aspekt. Erneuerbare Energien gehören genauso dazu, Smart Grids, Smart Homes, Kohlekraftwerke, CO2-Speicher und viele weitere Aspekte.

Mein Eindruck ist, dass in der Diskussion zu viel ideologisiert wird. Ich bin nach wie vor dafür, dass wir auf einen Energieträgermix setzen sollten, in dem auch die Kernenergie eine Rolle spielt. Gerade weil sie CO2-neutral ist und zudem einen stabilisierenden Faktor für die Energiepreise darstellt. Als negativ empfinde ich den immer wieder vermittelten Eindruck, die Erneuerbaren wären zum Nulltarif zu bekommen. Fakt hingegen ist: Mit der notwendigen Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien entstehen enorme Kosten. Diese Aufgabe müssen wir klug lösen, nicht verschweigen.

Wenn Sie die Gründungsjahre der Stadtwerke Lutherstadt Wittenberg nach 1991 mit der heutigen Zeit vergleichen – woran denken Sie dann?

Herrmann: In der Rückschau würde ich sagen: Die ersten zehn Jahre waren ein großer Aufbauprozess. Wir hatten uns so gut aufgestellt, dass wir in den nächsten zehn Jahren mitreden konnten. Als ein Kommunalunternehmen war das bundesweit keine Selbstverständlichkeit. Zumal sich die Stimmen mit Behauptungen geradezu überschlugen, in einem liberalisierten Energiemarkt hätten Stadtwerke keinerlei Existenzberechtigung. Stadtwerke seien zu klein, hätten kein Know-how im Vertrieb und im Energieeinkauf. Großkonzerne und Zentralisierung hieß das vermeintliche Gebot der Stunde, gegen das wir mit unseren dezentralen Strukturen antraten – sehr erfolgreich, wie wir heute wissen.

Inzwischen reden alle von einer Rekommunalisierung.

Herrmann: Die Totgesagten sind für die Aufgaben der in Zukunft zu bewältigenden Energiewende sehr gut aufgestellt. Nicht nur „big is beautiful“, sondern auch „small“, kommunal und dezentral. Eine Strategie, die wir als Stadtwerke immer verfolgt haben, trotz aller Hürden auf dem Weg. Wir glauben an unsere Vorzüge, egal ob das nun unsere regionale Präsenz, die Nähe zum Kunden oder unsere umweltfreundliche Energieerzeugung vor Ort sind, um nur einige Beispiele zu nennen. Nach meiner Meinung sollte gegenwärtig aber darauf geachtet werden, dass die Rekommunalisierungsdebatte nicht über ihre Ziele hinaus schießt.

Sie meinen die oft zugespitzte Gegenüberstellung großer Energiekonzerne und kommunaler Unternehmen?

Herrmann: Natürlich gibt es Interessenunterschiede zwischen Groß und Klein. Und es stimmt, dass wir unterschiedliche Geschäftsmodelle verfolgen. Andererseits arbeiten wir mit vielen Unternehmen gut zusammen, sowohl mit großen als auch kleinen Energieversorgern. Ich bin der Meinung, dass es der Mix aus unterschiedlichen Unternehmensformen und Größen ist, der die Stärke der Energieversorgung in Deutschland ausmacht. Hatten in den Neunzigerjahren die großen privaten Energieversorger die Nase vorn, so gibt es derzeit eine Rekommunalisierungswelle. Mit den Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte wird sich das wieder ändern – dabei ist die Richtung offen. Ich habe es schon vor gut zehn Jahren in einem Interview gesagt und diese Meinung vertrete ich nach wie vor: Um ihre Potenziale voll ausschöpfen zu können, sollte die deutsche Energiewirtschaft auf unterschiedliche Unternehmensformen und -größen setzen.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014