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Versorgung

Kommunen können Wende schaffen

Immer mehr Kommunen erkennen den Nutzen erneuerbarer Energien und wollen ihre Potenziale heben.

Kommunen können Wende schaffen Kommunen können Wende schaffen
Dirk Ingo Franke

Immer mehr Kommunen erkennen den Nutzen Erneuerbarer Energien und wollen ihre Potenziale heben. Laut einer Studie generiert dies sogar Mehrwert für Gemeinden. Nach Expertenmeinung können auch finanziell schwache Gemeinden durch günstige Rahmenbedingungen Projekte aus dem Bereich Erneuerbare anlocken.

2010 gibt es in Deutschland etwa 200 bis 300 energieautonome Kommunen, die ihren Strom und ihre Wärme vollständig selbst erzeugen – zumeist über erneuerbare Energieträger wie Wind, Photovoltaik und Biomasse. Bis 2030 könnte sogar eine deutliche Mehrheit der knapp 12.000 deutschen Städte und Gemeinden die Stromversorgung zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien erreichen. Dies besagt eine aktuelle Umfrage der Agentur für Erneuerbare Energien und des Kompetenznetzwerks dezentraler Energietechnologien (deENet) unter mehreren hundert Bürgermeistern.

Laut einer Schätzung von deENet planen schon heute viele Kommunen auf Erneurbare umzustellen. Diese machen bereits mehr als 50 Prozent der Landesfläche aus und haben rund 35 Millionen Einwohner. „Auf regionaler Ebene hat die ökologische Energiewende bereits begonnen“, sagt deENet-Geschäftsführer Martin Hoppe-Kilpper.

Erneuerbare bieten wirtschaftliche Perspektiven

Vor allem für den ländlichen Raum bietet die Nutzung von Wind, Sonne und Biomasse auch wirtschaftliche Perspektiven. „Der dezentrale Ausbau erneuerbarer Energien bedeutet für viele Kommunen und Gemeinden die einzige Chance, neue Einnahmequellen zu erschließen,“ sagt Jörg Mayer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. Einer Studie des Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) zufolge haben Projekte im Bereich erneuerbare Energien 2009 rund 6,7 Milliarden Euro Wertschöpfung in den Kommunen generiert. Dieser Wert setzt sich zusammen aus den erzielten Gewinnen beteiligter Unternehmen, den Einkommen der beteiligten Beschäftigten und den Steuer- und Pachteinnahmen, die direkt an Städte und Gemeinden abgeführt werden.

Davon können auch Kommunen profitieren, deren Haushalt aufgrund hoher Schulden keine eigenen Investitionen zulässt. „Ein Ansatz ist, über die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen die meist mittelständischen Betreiber von erneuerbaren Projekten in die Region zu locken,“ erläutert Nils Boenigk, Projektleiter bei der Agentur für Erneuerbare Energien. Er verweist auf schlanke Genehmigungsverfahren, direkte Ansprechpartner für Projektplaner und ein klares Bekenntnis zur ökologischen Energieerzeugung. „Derart gute Bedingungen sprechen sich in der Branche schnell herum und ziehen weitere Projekte an“, fügt er hinzu.

Forschungsprojekt: Kommunen können umstellen

Ein Forschungsprojekt der Fachhochschule Frankfurt am Main hat nun am Beispiel von 75 Kommunen im Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main berechnet, ob und wie diese ihren kompletten Strombedarf mit Erneuerbaren Energien decken können. Das Ergebnis: Im Schnitt könnten die hessischen Gemeinden 100 Prozent des privaten Strombedarfs decken – durch einen intelligenten Strommix. Projektleiterin Martina Klärle und ihr Team erfassten alle Daten für eine Potentialanalyse und berücksichtigten dabei beispielsweise auch, wo Windkraftanlagen errichtet werden dürfen oder Geothermiebohrungen zulässig sind. Bis Ende des Jahres sollen die Berechnungen für alle Kommunen fertig sein. Dann kann jede Gemeinde per Knopfdruck abrufen, welche Möglichkeiten sie hat, ihren Bedarf über Erneuerbare zu decken.

 „Der Bürgermeister kann eingeben, ob er nur auf Photovoltaik und Biomasse setzen möchte oder ob auch Windkraftanlagen in die Berechnung einfließen sollen“, erläutert Klärle. So könne jede Kommune individuell ein Konzept erstellen – allerdings sei es kaum möglich ohne Windkraft eine vollständige Versorgung über Erneuerbare zu erreichen. Grundsätzlich sei es für Gemeinden im ländlichen Raum mit weniger Einwohnern einfacher, sich energieautonom zu versorgen. „Aber auch im Ballungsraum Frankfurt könnte eine Reihe von Kommunen ohne großen Aufwand eine 100-Prozent-Versorgung erreichen – wenn sie es wollen“, sagt die Expertin. Im November wird sie die Ergebnisse des Forschungsprojekts den Kommunen vorstellen und hofft, dass möglichst viele sich entschließen, mit dem Umbau ihrer Energieversorgung zu beginnen.

Ob eine Gemeinde beschließt künftig auf Erneuerbare Energieträger zu setzen, hängt nach Einschätzung des Experten von der Agentur für Erneuerbare Energien sehr stark davon ab, „ob unter den kommunalen Entscheidungsträgern jemand ist, der ein Bewusstsein für das Thema hat oder nicht“. Damit dieser Zufallsfaktor weniger Gewicht bekommt, wünscht Boenigk sich von der Politik, Kommunen stärker in die Pflicht zu nehmen, etwas für den Klimaschutz zu tun. Das Potenzial dazu sei sowohl im ländlichen Raum als auch in urbanen Regionen vorhanden.

Doch das im September vorgelegte Energiekonzept der schwarz-gelben Bundesregierung setzt weiterhin auf eine zentrale Energieerzeugung in Kraftwerken – dieses Signal wurde durch die Laufzeitverlängerung und die Förderung von effizienten Kohlekraftwerken gesetzt – auch wenn zugleich der für eine dezentrale Versorgung nötige Netzausbau vorangetrieben werden soll. „Das geht an der realen Entwicklung vorbei und berücksichtigt nicht, was gerade auf kommunaler Ebene passiert,“ kritisiert Boenigk. Auch der IÖW-Studie zufolge erkennen immer mehr Kommunen den Nutzen Erneuerbarer Energien und wollen ihre Potenziale heben. Es sei sogar ein „Trend zur Gründung so genannter 100 %-EE-Kommunen und -Regionen“ zu beobachten. Hält dieser Trend an, könnten die Kommunen die Vorreiter werden bei der Energiewende zu einer dezentralen, ökologischen Versorgung.

Weitere Informationen:

Forschungsprojekt „Erneuerbar Komm!“ an der FH Frankfurt am Main

IÖW-StudieKommunale Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien“

Informationsportal „Kommunal erneuerbar“

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014