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Investoren

Der Kurzschluss

Der Netzausbau stockt - auch, weil Deutschland für internationale Investoren nicht besonders lukrativ ist.

Der Kurzschluss Der Kurzschluss
energlobe.de, Denny Rosenthal

Alle reden vom dringend notwendigen Netzausbau. Doch ob sich dafür genug Investoren finden ist fraglich: Die Netzbetreiber klagen, dass die gebotenen Renditen zu niedrig seien.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen wählt den Superlativ:  Der Ausbau der Stromnetze ist für ihn „die wichtigste Weichenstellung, die wir für die Modernisierung unserer Energieversorgung vornehmen müssen“. Um diesen Ausbau zu forcieren, stellte Röttgen im Gespräch mit energlobe.de  bereits im Februar höhere Renditen für Investoren in Aussicht - und kündigte dazu ein Tête-à-tête mit Matthias Kurth an, dem Chef der Bundesnetzagentur.

Das hat offenbar nichts gebracht, wie das energlobe-Interview mit Kurth „Höhere Rendite unnötig“ vom 14. Oktober 2010 zeigt: Pensionsfonds oder Lebensversicherungen können laut Kurth mit den in Deutschland gebotenen Renditen „ganz gut leben“.

Kurth macht nur seinen Job, und der ist ihm von der Bundesregierung vorgegeben: Netzgebühren senken, im Interesse der Stromkunden. Genau darin sehen die Betreiber das Problem: „Wenn wir mit der Regulierungsbehörde über Details der Netzgebühren verhandeln, schlüpft Kurth stets in die Rolle des Verbraucherschützers“, beobachtet Reinold Kaldewei, Finanzchef der RWE-Netztochter Amprion.

Zeitliche Verzögerung mindert Rendite

Zu diesen technischen Details gehören, wie zum Beispiel die Gewerbesteuer oder Risikozuschläge für Bankkredite beim Errechnen der Netzrendite berücksichtigt werden. Diese hat Kurth offiziell mit 9,29 Prozent vor Steuern festgelegt. Das klingt zunächst gar nicht schlecht. Doch die Netzbetreiber stöhnen, dass sie in der Praxis allenfalls sechs Prozent erreichen. Als größter Renditekiller erweist sich nach ihrer Darstellung der sogenannte „T minus zwei“-Faktor: Kosten für neue Stromnetze können nicht sofort über die Netzgebühren an Kunden weitergegeben werden – sondern frühestens nach Ablauf von zwei Jahren. Bei der Instandhaltung bestehender Netze beträgt die Frist sogar sieben Jahre. Die Verzögerung ist eine bizarre Folge der gesetzlich festgelegten Anreizregulierung: Kurths Behörde vergleicht historische Daten der rund 900 deutschen Netzbetreiber, und gibt dann jedem einzelnen Unternehmen Einsparziele vor. Damit die Daten vergleichbar bleiben, werden die individuellen Kosten des Netzausbaus erst nach Ablauf eines mehrjährigen Beobachtungszeitraums berücksichtigt. „Die verminderte Rendite ist ein Kollateralschaden der Anreizregulierung“, sagt Kaldewei.

Besserung in Sicht

Immerhin: Chefregulierer Kurth selbst kam den Unternehmen in diesem Punkt bereits entgegen. Über sogenannte Investitionsbudgets erhalten Betreiber einen Barwert-Ausgleich für die zeitliche Verzögerung – allerdings nur für einen Teil der Leitungsstrecken. Jetzt ist aus Sicht der Betreiber weitere Besserung in Sicht. Die Bundesregierung verspricht in ihrem Ende September veröffentlichten Energiekonzept, sie werde „eine unmittelbare Anrechnung der Kosten für den Netzausbau“ umfassend prüfen – und dabei generell untersuchen, „ob und inwieweit der Regulierungsrahmen für den Netzausbau modernisiert und novelliert werden muss“.

Netzausbaurenditen in EU-Staaten
energlobe.de, Denny Rosenthal

Der internationale Vergleich

Ein Blick ins Ausland ist dabei durchaus instruktiv: In anderen EU-Staaten winken Investoren beim Netzausbau nach Steuern höhere Renditen. Italien und Frankreich bieten zudem sogenannte Adder, das sind Zusatzrenditen bis zu drei Prozent für Leitungsprojekte, die von der Regierung als besonders wichtig definiert worden sind. Solche Sahnehäubchen sind nützlich im Wettbewerb um Investoren, der bereits in vollem Gange ist. Der europäische Verband der Übertragungsnetzbetreiber Entso-e schätzt, dass im kommenden Jahrzehnt in der EU rund 42000 Kilometer neue Stromleitungen benötigt werden, etwa ein Zehntel davon in der Bundesrepublik. Das Problem dabei macht die Tabelle deutlich: Deutschland ist für rein renditeorientierte Anleger nicht besonders lukrativ.

Eine Alternative existiert freilich: Strategische Investoren könnten beim deutschen Netzausbau helfen – wie der niederländische Staatskonzern Tennet, der 2009 das Übertragungsnetz des Eon-Konzerns kaufte. Er agiert als verlängerter Arm der Regierung in Den Haag, die sich gegen Versorgungsengpässe im eigenen Land wappnen will: mit Strom aus Deutschland.

Weitere Informationen:

Die Studie über internationale Renditen hat das Bremer Energie Institut im Auftrag des Netzbetreiber Amprion erstellt. Sie ist auf dessen Website abrufbar: www.amprion.net

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