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Stromnetze

Die Deutsche Netz AG ist passé

Investoren aus den EU-Nachbarstaaten steigen in die deutschen Höchstspannungsnetze ein. Was bedeutet das?

Die Deutsche Netz AG ist passé Die Deutsche Netz AG ist passé
energlobe.de, Denny Rosenthal

Ein zentrales Ziel im Koalitionsvertrag vom Oktober 2009 ist bereits so gut wie gescheitert: Die schwarz-gelbe Bundesregierung kündigte damals eine Deutsche Netz AG an. Unter diesem Dach sollten die vier Höchstspannungsnetze mit knapp 35.000 Kilometern Länge in einer Gesellschaft gebündelt werden. Doch nach dem Verkauf des Eon-Netzes an den staatlichen Netzbetreiber Tennet aus Holland und der beschlossenen Abgabe des Vattenfall-Netzes an den belgischen Staatskonzern Elia ist das nur noch eine Illusion. „Ich bin nicht der Meinung, dass es eine Deutsche Netz AG geben wird“, kommentiert RWE-Chef Jürgen Großmann.

Im deutschen Stromnetz gibt es vier Regelzonen, in denen der jeweilige Netzbetreiber für die Sicherung der Stromversorgung verantwortlich ist. Diese vier Zonen, die nach der Liberalisierung des Marktes 1998 aus vielen kleinen Regelgebieten entstanden sind, gehören jeweils einem der vier großen Energiekonzerne – Eon, RWE, EnBW und Vattenfall.

Interessen ausländischer Investoren

Künftig sollen auch die Regelzonen besser kooperieren, um unnötige Kosten zu vermeiden. Die Bonner Bundesnetzagentur hat deshalb die Einführung eines Netzregelverbunds spätestens zum 1. Juni 2010 angeordnet. Die Regelkosten entstehen, weil jede Zone zu jeder Zeit einen Ausgleich zwischen Stromangebot und -nachfrage herstellen muss. Laut Gutachten der Berliner Beratungsgesellschaft LBD verhindert diese Praxis die Öffnung des Marktes für kurzfristigen Energiehandel. Durch den erzwungenen Verbund können laut LBD die gesamten Regelkosten um immerhin 80 Prozent auf rund 100 Millionen Euro gesenkt werden.

Der Netzverkauf bringt Geld in die Kassen von Eon und Vattenfall; gleichzeitig müssen sie nicht weiter in die Erweiterung der Stromnetze an Nord- und Ostsee investieren – um damit den geplanten Ausbau von Windkraft auf hoher See voranzutreiben. Diese Herausforderung liegt jetzt bei den Netzbetreibern Tennet und Elia.

Kommt jetzt eine europäische Netz AG?

In ihrem eigenen Land haben Netzbetreiber keine Möglichkeit zu wachsen. Durch den Zukauf deutscher Netze können sie Synergieeffekte erzielen: Tennet hat jetzt eine gemeinsame physische Grenze mit ihrem Netz in Holland. „Der Erweiterung der eigenen Regelzone bietet Tennet Vorteile, da sie den Strom innerhalb ihres Gebietes besser ausgleichen können“, erläutert Gero Lücking, Vorstand beim Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick.

Was für Deutschland scheinbar nicht klappt, hat auf EU-Ebene gute Chancen auf Verwirklichung: Die Gründung einer europäischen Netz AG. Eine entsprechende EU-Regulierungsbehörde mit Sitz in Ljubljana ist bereits in Gründung: Die Agency for the Cooperation of Energy Regulators (ACER). „Durch dieses Gremium werden Kooperationen zwischen den nationalen Behörden und der EU-Kommission erheblich erleichtert und intensiviert“, frohlockt Johannes Kindler, Vize-Präsident der Bundesnetzagentur.

Weitere Informationen:

Erklärungen zur Regelzone auf Academic Dictionaries

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014