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Offshore

Endlich Rückenwind

Spät, aber nicht zu spät: Deutschland setzt auf kommerzielle Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee.

Endlich Rückenwind Endlich Rückenwind
energlobe.de, Denny Rosenthal

Vor den Küsten Dänemarks stehen mehr als 350 Windkraftanlagen und liefern emissionsfreien Strom ans Festland. Vor den Küsten des Nachbarlands Deutschland, das sich europaweit die ehrgeizigsten Klimaziele gesetzt hat, sind derzeit gerade einmal zwölf Anlagen mit einer Gesamtleistung von 60 Megawatt in Betrieb. Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2030 Windanlagen mit einer Nennleistung von 25.000 Megawatt in der deutschen Nord- und Ostsee zu installieren. Doch während andere europäische Länder bereits jahrelange Erfahrung mit Offshore-Windenergie haben, steht Deutschland noch am Anfang. Nachdem die Einspeisevergütung Anfang 2009 erhöht wurde, könnte 2011 jedoch der Einstieg in die kommerzielle Offshore-Windkraft endlich gelingen – 20 Jahre nachdem der weltweit erste Offshore-Windpark vor Dänemark entstand.

Politische Weichenstellung

Trotz des politischen Willens, die Offshore-Windkraft voranzubringen, waren die politischen Weichen in Deutschland lange Zeit nicht richtig gestellt: geringe Förderung bei zugleich hohen Anforderungen in Sachen Naturschutz hemmten Investoren. Zum 1. Januar 2009 wurde die Einspeisevergütung für Offshore-Windenergie in den ersten zwölf Betriebsjahren auf 15 Cent pro Kilowattstunde angehoben. Zuvor betrug der Satz lediglich 9,1 Cent pro Kilowattstunde und damit deutlich weniger als in anderen europäischen Ländern. In Frankreich und Großbritannien werden 13 Cent je Kilowattstunde vergütet, in den Niederlanden 14 bis 16 Cent.

Seit Anhebung der Einspeisevergütung sind Offshore-Windparks auch in Deutschland rentabel: Mehrere Projekte stehen kurz vor dem Beginn der Bauphase. EWE, EnBW, RWE und Vattenfall Europe beginnen in den kommenden Monaten mit dem Bau, auch Eon hat ein Projekt in der deutschen Nordsee in Planung; die endgültige Investitionsentscheidung soll in diesem Jahr fallen. Dabei sind die Rahmenbedingungen nach wie vor ungünstiger als in Dänemark oder Großbritannien. Denn hierzulande dürfen Offshore-Windparks aus Gründen des Umweltschutzes nur weit draußen auf hoher See entstehen.

Technische Herausforderung auf hoher See

Dies stellt Anlagenbauer und -betreiber vor technische und finanzielle Herausforderungen. Die meisten der bislang 29 genehmigten Offshore-Windparks sollen in Küstenentfernungen von 50 bis 100 Kilometern entstehen, deshalb müssen die Fundamente für die Turbinen in Meerestiefen von mehr als 25 Metern verankert werden. Die Windanlagen sind besonders starken physischen Belastungen durch Wind und Wellen ausgesetzt und die Installations- und Wartungsarbeiten sind sehr aufwändig. "Die Anlagen sind auf 20 Jahre ausgelegt, wie genau sie sich aber in diesem Zeitrum verhalten, wissen wir noch nicht", sagt Alpha Ventus-Projektleiter Wilfried Hube von EWE. Wenige Monate nach Inbetriebnahme müssen möglicherweise bereits sechs der zwölf Turbinen ausgetauscht werden, da sie defekt sind.

Mit Aufbau, Betrieb und Wartung von Windanlagen in Tiefwasser ab 25 Metern fehlte es bislang jedoch an jeglicher Erfahrung. Diese liefert nun jedoch das Demonstrationsprojekt Alpha Ventus, das EWE, Eon und Vattenfall mit Unterstützung der Bundesregierung gemeinsam betreiben. 45 Kilometer nördlich von Borkum drehen sich hier seit Ende 2009 zwölf Windanlagen der Fünf-Megawatt-Klasse. Es ist der weltweit erste Windpark in einer Wassertiefe von 30 Metern. "Auf Alpha Ventus schaut gerade die gesamte Branche. Alle Firmen, die bereits Genehmigungen für einen Offshore-Windpark im Tiefwasser haben, wollen sehen, ob es klappt und welche Erfahrungen Deutschland dabei macht", sagt Georg Friedrichs, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Windkraft.

Auch beim Aufbau von Alpha Ventus zeigte sich: Abläufe, die bei Windparks in Küstennähe gut funktionierten, waren auf hoher See nicht praktikabel. Der Plan lediglich zwei der drei Rotorblätter an Land vorzumontieren und das dritte auf See anzubringen, sei nicht aufgegangen, erläutert Eon-Renewables-Sprecher Christian Drepper: "Wind und Wellengang so weit draußen sind selbst bei gutem Wetter zu stark." Deswegen seien die Windturbinen schließlich komplett an Land zusammen gebaut und als Ganzes transportiert worden. "Eine wertvolle, aber teure Erfahrung", resümiert Drepper.

Logistik und Infrastruktur

Doch je größer die Teile sind, die transportiert werden müssen, desto weniger Schiffe gibt es, die sich dafür eignen. "Alle europäischen Offshore-Windparks balgen sich um drei bis vier taugliche Schiffe", sagt Drepper. Damit der Ausbau der Offshore-Windenergie in Fahrt komme, müsse sich auch die entsprechende Dienstleistungsindustrie entwickeln. "Spätestens 2012 wird die Konkurrenz um Schiffe und Fachkräfte in vollem Gang sein", bestätigt Friedrichs.

Die Bard-Gruppe mit Sitz in Emden hat bislang die Nase vorn in der deutschen Nordsee. Der Windanlagenbauer und -betreiber hat im März mit dem Bau begonnen. 90 Kilometer nordwestlich von Borkum entsteht mit Bard Offshore I der erste kommerzielle deutsche Off-shore-Windpark. Um unabhängig agieren zu können, ließ sich das Unternehmen für 60 Millionen Euro ein eigenes Montageschiff anfertigen, das nun zum Einsatz kommt.

RWE hat ebenfalls zwei Montageschiffe zum Preis von je 100 Millionen Euro bestellt. Der Energieversorger will 2011 mit dem Bau eines 300 Megawatt Windparks in der deutschen Nordsee beginnen. Anschließend soll ein zweites größeres Projekt mit rund 1.000 Megawatt Nennleistung folgen, welches ab 2015 Strom liefern soll, so die Sprecherin von RWE Innogy, Barbara Woydtke. "Wichtig ist, dass die Infrastruktur mitwächst und insbesondere die Netze ausgebaut werden, damit der Offshore-Strom in die Verbraucherzentren gelangen kann", sagt sie.

Alpha Ventus-Leiter Hube ist überzeugt: Das Ziel der Bundesregierung lässt sich durchaus noch realisieren. Allerdings nur mit ausreichend verfügbarer Logistik zur Errichtung der Off-shore-Windparks und bei vereinfachten Bedingungen für die Projektfinanzierung. "Aber grundsätzlich sind 25.000 Megawatt bis 2020 machbar", so Hube.

Weitere Informationen:

Alpha Ventus und Windenergie Report Deutschland 2009 - Offshore

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014