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Energieversorger

Fusionsfieber steigt in den USA

Doch auch wenn es 2011 zu weiteren Zusammenschlüssen kommt, bleibt der zersplitterte US-Markt wohl auf lange Sicht fragmentiert.

Fusionsfieber steigt in den USA Fusionsfieber steigt in den USA
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Der geplante Zusammenschluss der US-Energiekonzerne Duke Energy und Progress könnte erst der Anfang sein: Sollten die Aufsichtsbehörden die Fusion der beiden im US-Bundesstaat North Carolina beheimateten Unternehmen durchwinken, entstünde der größte Versorger auf dem US-Markt. Finanzanalysten rechnen in diesem Jahr mit einer weiteren Konsolidierung des Marktes. Doch deutsche Oligopol-Verhältnisse sind mittelfristig nicht zu erwarten.

Gemeinsam haben Duke Energy und Progress gut 7 Millionen Kunden und sind in sechs Bundesstaaten aktiv. Verglichen mit großen europäischen Versorgern wäre der dann größte Player auf dem US-Markt jedoch immer noch klein. Eon versorgt beispielsweise 26 Millionen Kunden in mehr als 30 Ländern mit Strom und Gas.

Für ein einzelnes Unternehmen sei es „gar nicht möglich national zu agieren,“ so Eon Climate & Renewables-Sprecher Christian Drepper. Zum einen fehle die dafür nötige Netzinfrastruktur, zum anderen seien große Teile der Regulierung von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich. Eon war bis 2010 über seine mittlerweile verkaufte Tochter Eon US im Markt aktiv – vorwiegend im Bundesstaat Kentucky. Heute betreibt der Konzern zahlreiche Windparks in den USA.

Uneinheitliche Regulierung, schwache Infrastruktur

Der US-Markt ist stark zersplittert und regional strukturiert. „Es gibt mehr als 3.000 Stromversorger, darunter etwa 15 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von ungefähr 10 bis 20 Milliarden US-Dollar und etwa 50, die im Bereich 1 bis 10 Milliarden US-Dollar liegen,“ weiß Patrick Haischer, Energieexperte der Unternehmensberatung A.T. Kearney in New York.

Im aktuellen Bericht des Weltenergierates, einem Zusammenschluss von Energieunternehmen aus der ganzen Welt, werden „Modernisierung und Ausbau der Strominfrastruktur“ sowie „Konvergenz von bundesstaatlicher und einzelstaatlicher Politik und Regelsetzung“ als zentrale Herausforderungen für eine US-Energiepolitik in den kommenden Jahren definiert. Stromausfälle seien keine Seltenheit, der Zustand der Stromnetze in vielen Einzelstaaten ein gravierendes Problem: „Sie sind regional ausgerichtet und verfügen nur über begrenzte interregionale Übertragungskapazitäten“. Grob betrachtet existierten drei große Netzgebiete in den USA, die nur sehr eingeschränkt verknüpft seien, sagt auch Energieexperte Haischer: westlich der Rocky Mountains, Texas und der Rest des Landes. Doch auch innerhalb dieser Zonen, gebe es Übertragungsengpässe.

Zudem sind die politischen Rahmenbedingungen nicht einheitlich: Bislang haben dem Weltenergierat zufolge 15 Einzelstaaten, zumeist im Nordosten der USA, ihren Stromsektor liberalisiert, während der Markt in 27 Staaten im Süden und Mittleren Westen weiterhin stark reguliert ist. Auch an der Westküste haben acht Staaten, darunter Kalifornien, mit der Liberalisierung begonnen, diese jedoch wieder abgebrochen. „Der Spielraum, den bundesstaatliche Vorgaben für die Energiepolitik der Einzelstaaten lassen, ist groß“, heißt es in dem Bericht. Dies führe dazu, dass die Politik mitunter stark divergiere. Während einige Staaten in den vergangenen Jahren ihren hohen Grad an Autonomie nutzten, um ehrgeizige Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen, wurde in einigen anderen die heimische Kohleproduktion protektioniert.

Analysten prognostizieren Fusionen, aber keine umfassende Konsolidierung

Dennoch rechnen Analysten in diesem Jahr mit weiteren Zusammenschlüssen. Steigende Kosten, stagnierende Nachfrage, ein niedriges Zinsniveau und die Erwartungen der Kapitalmärkte hätten ein Geschäftsklima erzeugt, das weitere Übernahmen und Fusionen wahrscheinlich mache, so die Ratingagentur Fitch in einer aktuellen Marktstudie. Auch die Genehmigungsverfahren seien nicht mehr so langatmig, so Standard & Poor-Analyst Todd Shipman in einer Studie vom Januar. „Die Gangart bei Fusionen im Bereich der Stromversorger wird schneller, Anzahl und Umfang der Deals werden zunehmen und eine kleinere Gruppe größerer Versorger wird die Industrie dominieren,“ so Shipman.

Auch Duke Energy-Chef James Rogers sagt angesichts steigender Kosten eine neue Fusionswelle in der US-Energiebranche voraus. Duke Energy war seit längerem auf der Suche nach einem Partner und hatte 2010 auch Interesse am US-Geschäft Eons, das schließlich für 7,6 Milliarden US-Dollar an PPL ging. Vom Zusammenschluss mit Progress, für den Duke 13,7 Milliarden US-Dollar bietet, erhoffen sich beide Unternehmen große Kosteneinsparungen. Zudem wollen sie gemeinsam in die Nutzung Erneuerbarer Energien sowie den Bau neuer Kernkraftwerke investieren. Damit will Rogers auch die CO2-Emissionen des bislang stark kohlelastigen Kraftwerkparks beider Konzerne verringern.

A.T. Kearney-Experte Haischer erwartet allerdings keine Welle von Fusionen änhlicher Größenordnung in den kommenden Monaten. Zwar begünstigten steigende Kosten, harte Konkurrenz im unregulierten Erzeugungsmarkt sowie regulatorische Unsicherheit eine Marktkonsolidierung, doch die strukturellen Hindernisse, die Fusionen entgegenstünden, blieben weiter bestehen. „Eine gewisse Belebung bei den Versorgen mit Umsätzen im Bereich 1 bis 10 Milliarden US-Dollar ist nicht unwahrscheinlich,“ so seine Einschätzung. Doch eine umfassende Konsolidierung, wie sie in Deutschland in den 1990er Jahren statt gefunden hat, an deren Ende nur noch eine Handvoll großer Player übrig blieb, sei in den USA derzeit nicht vorstellbar.

Weitere Informationen:

Weltenergierat: Energie für Deutschland 2010 – Energiepolitik der USA: www.worldenergy.org

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014