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Energieversorger

Herkulesaufgabe für Eon und RWE

Die goldenen Jahre sind vorbei: Deutschen Energiekonzernen stehen schwierige Zeiten bevor, sie müssen umbauen.

Herkulesaufgabe für Eon und RWE Herkulesaufgabe für Eon und RWE
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Energieversorger sind Gelddruckmaschinen – dieses Image haben Eon und Co spätestens seit der Aufregung um die sogenannten Windfall Profits. Nach der Einführung des Emissionshandels 2005 hatten sie keine Hemmungen, fiktive Kosten für kostenlos zugeteilte Emissionszertifikate an ihre Kunden weiterzugeben und diese Extra-Gewinne einzustreichen. Viele Verbraucher sehen die Energiekonzerne auch als große Profiteure der Laufzeitverlängerung. Der Aktienkursverfall der Platzhirsche Eon und RWE in diesem Jahr zeichnet jedoch ein anderes Bild.

Während der DAX in den vergangenen zwölf Monaten um gut 15 Prozent zulegte, verlor die Eon-Aktie mehr als 16 Prozent, bei RWE beträgt das Minus sogar über 20 Prozent. Denn Anleger und Finanzanalysten erwarten in den kommenden Jahren Umsatz- und Gewinnrückgänge und somit auch geringere Dividenden. Das Marktumfeld hat sich verändert und die Energiekonzerne müssen sich neu erfinden.

Laufzeitverlängerung rentiert sich erst in sechs Jahren

„Hungerjahre“ sagt die Citigroup der deutschen Stromindustrie in einer Analyse voraus. Insbesondere die von der Bundesregierung beschlossene Steuer auf Kernbrennstoffe, die steigenden Kosten für die Beschaffung von CO2-Zertifikaten, die niedrigen Preise im Gasgeschäft und die sinkenden Großhandelsmargen beim Strom werden die Ergebnisse der Energieriesen belasten.

Besonders die überraschend von der Politik beschlossene Steuer auf Brennelemente hat die Konzerne auf dem falschen Fuß erwischt. Sie führt dazu, dass sich die Laufzeitverlängerung erst in etwa sechs Jahren positiv auf das Ergebnis von Eon und RWE auswirkt – falls sie bis dahin nicht von einer neuen Bundesregierung gekippt wird.

Skeptische Märkte

„Die Märkte sind sehr skeptisch in Bezug auf unsere weitere Entwicklung“, sagt RWE-Strategievorstand Leonhard Birnbaum gegenüber ENERGLOBE.DE. Er fügt hinzu, dass sich die hervorragenden Ergebnisse der vergangenen Jahre aufgrund der veränderten politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht mehr wiederholen ließen.

RWE hat seine mittelfristigen Ziele – unter anderem eine mindestens stabile Dividende bis 2013 und ein Gewinnplus von 5 Prozent im Jahr – im August auf den Prüfstand gestellt und will bei der Jahreskonferenz im Februar 2011 bekannt geben, ob und inwiefern sie angepasst werden. Die Unklarheit belastet, zahlreiche Analysten raten daher zum Verkauf der Aktie und erwarten sinkede Gewinne und Dividenden in den Jahren 2011 bis 2013.

Anleger und Analysten goutieren neue Eon-Strategie

Branchenprimus Eon hat schneller reagiert und sucht sein Heil in der Globalisierung. Das Unternehmen will sich in den kommenden Jahren von weiteren milliardenschweren Beteiligungen trennen sowie das Geschäft außerhalb Europas bis 2015 von derzeit 5 Prozent auf 25 Prozent ausbauen. Neben Nordamerika und Russland sollen zwei weitere Regionen ins Visier genommen werden – welche wollte Vorstandschef Johannes Teyssen Mitte November noch nicht verkünden. Analysten vermuten, dass es sich um Brasilien, China oder Indien handeln könnte.

Um die Ängste am Markt vor einem drastischen Dividendenrückgang während der Umbauphase zu zerstreuen, garantiert Eon für 2011 und 2012 eine Mindestdividende von 1,30 Euro. In den Jahren 2009 und 2010 zahlt der Konzern Anlegern jeweils 1,50 pro Aktie. 2013 soll wieder das diesjährige Ergebnisniveau von mehr als 13 Milliarden Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erzielt werden. Anleger goutierten das Konzept: Am Tag der Verkündung der neuen Strategie stieg der Aktienkurs um mehr als 3 Prozent.

Der radikale Umbau wird von Analysten begrüßt – auch wenn diese deutliche Risiken sehen. So schreibt Adam Dickens von HSBC in einer Studie, der Strategiewechsel sei mutig und ein willkommener Schritt. Er beurteilt jedoch insbesondere die Entwicklung des Gasgeschäfts skeptisch. MerckFinck-Analyst Theo Kitz ist überzeugt, dass der Markt Eons aggressive Expansionspläne honorieren wird. „Die Strategie ist umfassend und schlüssig“, sagt auch Bernhard Jeggle, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Es sei allerdings nicht so einfach, sie umzusetzen, zumal auch noch Fragen offen bleiben: „Das geht schon in Richtung Herkules-Aufgabe.“

Weitere Informationen:

Eon-Zwischenbericht zum dritten Quartal 2010. www.eon.com

RWE-Zwischenbericht zum dritten Quartal 2010. www.rwe.com

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014