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Stromnetze

Konkurrenz um die Smart Grids

Mit dem intelligenten Stromnetz entstehen neue lukrative Geschäftsfelder. Davon möchten nicht nur Energieversorger profitieren.

Konkurrenz um die Smart Grids Konkurrenz um die Smart Grids
energlobe.de, Denny Rosenthal

Mit dem intelligenten Stromnetz entstehen neue lukrative Geschäftsfelder. Davon möchten nicht nur Energieversorger profitieren, sondern auch Datenexperten wie die Deutsche Telekom.

Ein Problem teilen die großen Energieversorger Eon, RWE, Vattenfall und EnBW mit großen Telekommunikationsunternehmen wie der Deutschen Telekom: Ihre klassischen Märkte sind gesättigt. Wachstum wird sich in den kommenden Jahren deshalb nur über die Erschließung neuer Geschäftsfelder generieren lassen. Das lukrative Geschäft rund um das Smart Grid, das intelligente Stromnetz, wollen die Energieversorger nur ungern teilen. Doch Telekom-Chef Rene Obermann hat den Zukunftsmarkt Energie zu einem wichtigen Teil seiner Wachstumsstrategie erklärt und will sich der direkten Konkurrenz stellen.

Smarte Zähler erhalten Einzug in deutsche Haushalte

Seit Beginn dieses Jahres ist der Einbau intelligenter Zähler, die eine der Grundvoraussetzungen für ein Smart Grid sind, in Neubauten und bei grundlegenden Sanierungen vorgeschrieben. Den Zeitplan für den Einsatz der Smart Meter gibt die EU vor: Bis 2020 sollen die Zähler flächendeckend in rund 80 Prozent aller Haushalte eingeführt sein, ob dies gelingt ist allerdings fraglich.

Mit den smarten Zählern und Haushaltsgeräten, Dienstleistungen zum Ablesen und Übertragen von Messdaten, Kommunikationsgeräten samt Software und Übertragungstechnologien, entsteht ein milliardenschwerer Markt. Laut Schätzungen der Boston Consulting Group-Studie "Smart 2020" kann allein in Deutschland mit intelligenten Netzen und Lösungen in den nächsten zehn Jahren ein Geschäftspotenzial von bis zu 84 Milliarden Euro ausgeschöpft werden. Die Studie prognostiziert, dass in fünf Jahren rund 15 Prozent der Haushalte mit einem cleveren Strommesser ausgestattet sind; bis 2020 geht sie von einer Marktdurchdringung von 20 Prozent aus.

Konkurrenz oder Kooperation?

Angesichts dieser Absatzmöglichkeiten ist es nicht verwunderlich, dass sich sowohl Energieversorger als auch Telekommunikationsanbieter auf dem Markt positionieren wollen. "Der Umgang mit Massendaten ist eine unserer Kernkompetenzen", sagt Gabriele de Riedmann Trinidad, Leiterin des neuen Geschäftsfeldes Energie bei der Deutschen Telekom. "Deshalb können wir Energieversorger, Messstellenbetreiber und die Wohnungswirtschaft beim Auslesen, Übertragen und Verarbeiten von Verbrauchsdaten unterstützen", fügt sie hinzu.

Erst im August hat der größte deutsche Telekommunikationskonzern im Auftrag der Stadtwerke Emden die Infrastruktur für 200 kluge Zähler in 100 Haushalten aufgebaut – je einen für Gas und einen für Strom. "Wir sehen uns nicht als Konkurrenten der Energieversorger, wir möchten Partner der Energiewirtschaft sein", so Riedmann de Trinidad weiter. Immerhin: die Telekom verkauft die Smart Meter zwar nicht, verfügt jedoch über ein Heer von Technikern, annähernd flächendeckende Netze und 30 Rechenzentren in Deutschland. Sie bietet bereits heute Komplettpakete mitsamt separatem Internetzugang an, mit denen Energiedaten in Haushalten ausgelesen werden.

Auch Mobilfunkanbieter wie O2 und Freenet haben den Markt für sich entdeckt. So ist O2 mit speziellen Mobilfunktarifen für die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation als Kooperationspartner in den Energiemarkt eingestiegen. "Wir können Daten aus Ampeln, LKWs zur Flottensteuerung oder auch Smart Metern auslesen und übertragen", erläutert Marcus Beckmann, Produktmanager bei O2.

Anbieter wie Freenet gehen noch weiter und nutzen ihren großen Kundenstamm, sowie ihre Vertriebsstrukturen und Shops, um ihren Kunden neben Mobilfunkverträgen auch Strom zu verkaufen. "Zwischen dem Verkauf von Mobilfunk und Strom gibt es viele Parallelen, zum Beispiel die Beratungsleistung, das Dauerschuldverhältnis und einen für den Verbraucher unübersichtlichen Markt", sagt Freenet-Chef Christoph Vilanek. Gerade der Beratungsbedarf werde sich parallel zur Entwicklung des Smart Grids noch erhöhen, prognostiziert er.

Neue Konkurrenzverhältnisse?

Auch Wolfgang Schley, Sprecher der RWE Rheinland Westfalen Netz ist überzeugt: „Es ziehen neue Konkurrenzverhältnisse auf“. RWE sei jedoch gut gewappnet um in diesem Wettbewerb zu bestehen „gerade was Abrechnungen angeht“. Schley betont, dass beim Erstellen einer Stromrechnung einige Spezifika zu berücksichtigen seien wie die Netzentgelte und die Umlagen für Strom aus erneuerbarer Energie gemäß EEG. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen hätten sich in den vergangenen Jahren häufig geändert und der Telekommunikationsbranche mangele es hier an Erfahrung.

Das stärkste Argument von Telekom und Co liegt auf der Hand: Sie verfügen über ein Leitungsnetz, mit dem sich große Datenmengen problemlos transportieren lassen. Energieversorger müssen hierfür entweder selbst die technischen Voraussetzungen schaffen oder aber einen Dienstleister mit dem Datentransport beauftragen.

Für Energieversorger gibt es drei Optionen, künftig selber Daten zu übertragen: Zum ersten das Verlegen eigener Telekommunikationskabel, zum zweiten die Nutzung des kabellosen aber vergleichsweise teuren GPRS-Systems und zum dritten die Nutzung bestehender Stromnetze zur Datenweiterleitung. Diese dritte Variante nennt sich Powerline. „Wir testen derzeit alle drei Varianten in Bezug auf Smart Meter“, sagt Schley und fügt hinzu, dass RWE schon heute ein Telekommunikationsnetz betreibe, das allerdings für eine Nutzung im Zusammenhang mit intelligenten Zählern noch ausgebaut werden müsste.

Telekommunikations- und Energienetze wachsen zusammen

Auch EWE-Manager Ludwig Kohnen kann sich vorstellen, warum Telekommunikationsunternehmen hier einsteigen wollen. „Wir nehmen die Ankündigungen der Telekom durchaus ernst“, sagt Kohnen, der bei EWE unter anderem für die sogenannte Trio Smartbox verantwortlich ist. Er gibt jedoch zu bedenken: „Für Smart Grids müssen viele Informationen exakt erfasst, zugeordnet und abgerechnet werden – zum Beispiel über das Netz, über seine aktuelle Auslastung und über die verfügbaren Möglichkeiten, es optimal zu steuern.“ Diese Aufgabe werde mit jedem neuen Teilnehmer, der Strom in die Netze einspeist oder daraus entnimmt, komplexer.

EWE hat mit EWE TEL bereits 1996 eine eigene Telekommunikationstochter gegründet und betreibt seitdem in seinem Kerngebiet im Nordwesten Deutschlands auch ein stetig wachsendes, leistungsfähiges Datenleitungsnetz. Davon kann der Energiedienstleister nun profitieren. Ab dem Herbst bietet EWE Kunden im Kerngebiet, die bereits Strom, Erdgas und Telekommunikationsdienstleistungen bei dem Unternehmens beziehen, die trio smartbox an – ein intelligentes Mess-System, mit dem Verbraucher ihren Strom- und Gasverbrauch rund um die Uhr im Blick haben können.

Hohe Investitionskosten, hohe Umsatzerwartungen

Für die Energieversorger bedeutet die Einführung von Smart Metern und der Ausbau eines intelligenten Netzes Investitionskosten in Milliardenhöhe – sie hoffen allerdings auch auf hohe Umsätze in diesem neuen Geschäftsfeld. „Alle Netzbetreiber stehen vor der Herausforderung die zunehmend dezentral erzeugte und eingespeiste Energie zu integrieren“, so Schley. Dafür würden bei RWE genauso wie in der gesamten Branche Milliardenbeträge investiert. Eines sei jedoch klar: „Das muss sich am Ende natürlich rechnen.“ Sollten die Telekom, deren Netz zur Datenübertragung bereit steht, einen zu großen Teil dieses Geschäfts abgreifen, könnte diese Rechnung möglicherweise zum Nachteil der Energieversorger ausfallen.

Weitere Informationen:

BDI-Publikation: Internet der Energie - Die Energiewirtschaft auf dem Weg ins Internetzeitalter (pdf-Dokument, 3,3 MB)

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014