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Offshore

Konstruktive Stimmung

Initiatoren von Windparks auf See hoffen auf eine bessere Zusammenarbeit mit der Netzanbindungsgesellschaft Transpower.

Konstruktive Stimmung Konstruktive Stimmung
energlobe.de, Denny Rosenthal

Die Anbindung der zukünftigen Offshore-Windparks an das deutsche Stromnetz ist eine teure Angelegenheit. Experten befürworten deshalb, zentrale Steckdosen im Meer zu installieren. Dies würde die Kosten senken und den Anreiz für den Bau von Windparks erhöhen. Bislang ist die Planungssicherheit der Großprojekte äußerst gering: Finanzierungs- und Netzanbindungszusage bedingen sich gegenseitig.

Das Verhältnis von potentiellen Offshore-Windparkbetreibern in der deutschen Nordsee und der dort zuständigen Netzanbindungsgesellschaft Transpower war in den vergangenen Jahren nicht das beste. In der Branche galt Transpower, bis Anfang 2010 zum Energieriesen Eon gehörig, als unkooperativ. Kritiker monierten, dass das Unternehmen, das gesetzlich verpflichtet ist, die Offshore-Windparks anzubinden, in den zähen Verhandlungen die Interessen seines Mutterkonzerns wahrte. Doch seit Januar gehört Transpower zum niederländischen Staatskonzern Tennet, und die mittelständischen Initiatoren von Windparkprojekten auf See atmen auf – sie hoffen nun auf konstruktivere Gespräche und kürzere Fristen bei der Netzanbindung.

„Die Signale aus der Branche sind vorsichtig positiv“, sagt Lothar Schulze, stellvertretender Vorsitzender des Wirtschaftsverbandes Windkraftwerke. Vor dem Wechsel sei der Eindruck entstanden, dass Transpower im Grunde kein Interesse habe, die Offshore Windparks schnell anzuschließen. Nun sei dies anders, wesentlich konstruktiver. Ein Grund könnte sein, dass der neue Eigner Tennet keine gegenteiligen Interessen hat, vermutet Schulze.

Blockieren die großen Konzerne die Windkraft?

Der Flensburger Energiewirtschaftler Olav Hohmeyer legt in seiner aktuellen Studie dar, dass die großen deutschen Energieversorger die Windkraft nur dort vorantrieben, wo sie ihnen nicht schadet: im Ausland. Dort könnten sie über Windkraftprojekte neue Märkte erschließen, während in Deutschland ein massiver Einstieg in die Windkraft den eigenen Kernkraft- und Kohlekraftwerken der Konzerne Konkurrenz machen und deren Rentabilität so verringern würde. Denn das Gesetz sieht vor, Strom aus Windkraft vorrangig einzuspeisen, sodass bei einem zu hohen Aufkommen an verbrauchsarmen Tagen gegebenenfalls Kraftwerksleistung gedrosselt werden muss.

Rechtsanwältin Ursula Prall, Geschäftsführerin des Offshore Forum Windenergie GbR, erklärt: „Wer auch immer Netzbetreiber ist, unterliegt dem deutschen Recht und daraus ergibt sich eine Pflicht, Offshore Windparks anzubinden.“ Dieser Pflicht sei auch Transpower in den vergangenen Jahren nachgekommen, obwohl die Verhandlungen häufig zähflüssig verlaufen seien.

Eine Sammelsteckdose im Meer

Dies liege unter anderem an der derzeitigen Gesetzgebeung, so Prall. Im Moment komme dem Netzbetreiber lediglich die unbedingte Pflicht zur Einzelanbindung zu. Eine Umlage von Kosten für Vorbereitungen zur Anbindung weiterer Offshorewindparks in einem bestimmten Abschnitt gebe es nicht. „Deswegen sind die Netzbetreiber vorsichtig, denn sie fürchten, am Ende auf den Kosten sitzenzubleiben“, sagt die Juristin.

Sinnvoller und kostengünstiger wäre es, wenn Sammelanbindungen verlegt würden und die Nord- und Ostsee somit clusterweise für die Windkraft erschlossen würden. „Das wäre ein großer Anreiz für den Bau von Offshorewindparks – denn dann wäre die Anbindung entkoppelt von der Finanzierung eines einzelnen Windparkprojektes“, erläutert Prall.

Finanzierung und Netzanbindungszusage

Ein weiterer Grund, warum bislang nur wenige Windparkprojekte in deutschen Gewässern umgesetzt wurden, seien die langen Bau- und Planungszeiten im Offshore-Bereich, sagt Schulze. Besonders problematisch sei, dass zur Finanzierung eine Netzanbindungszusage erforderlich sei und umgekehrt. „Wenn da nicht alle an einem Strang ziehen, wird es schwierig“, sagt er und fordert eine nachhaltige Änderung der Praxis.

Auch Schulze fordert, die Nord- und Ostsee abschnittsweise mit Sammelanbindungen zu erschließen. Denn eines sei klar: Die Offshorewindparks werden kommen. „Ob ein Projekt letzten Endes ein Jahr früher oder später kommt als geplant, ist unerheblich“, betont er.

Das scheinen auch Transpower und sein neuer Eigner Tennet erkannt zu haben. Im Juli erteilte das Unternehmen dem Industriekonzern ABB den Auftrag zur Anbindung von drei Windparks im Cluster DolWin 1 in der Nordsee. Insgesamt werden so potentiell 800 Megawatt Leistung aus Windkraft an das deutsche Stromnetz angebunden.

Weitere Informationen:
Studie von Olav Hohmeyer "2050. Die Zukunft der Energie." i.A. von Lichtblick

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014