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Alpha Ventus

Panne auf See

Mindestens zwei der zwölf Anlagen im Offshore-Windpark müssen ausgetauscht werden. Das Problem ist unabhängig vom Standort auf hoher See.

Panne auf See Panne auf See
energlobe.de, Maud Radtke

Prototyp 1 läuft und läuft und läuft – und zeigt auch nach fünf Jahren keinerlei Mängel, wie sich bei einem Test zeigte. Doch ausgerechnet bei den Prototypen 5 bis 10 der Windkraftanalge M5000, die Hersteller Areva-Multibrid im Offshore-Windpark Alpha Ventus installiert hat, gibt es bereits nach wenigen Monaten Probleme. Nun sollen zwei der sechs Anlagengondeln ausgetauscht werden, auch die übrigen vier müssen möglicherweise ersetzt werden.

Fehlerquelle Gleitlager

Grund hierfür: Die Gleitlager hatten eine andere Legierung als der Prototyp. Diese dehnte sich bei Hitze zu stark aus, sodass das elektronische Frühwarnsystem in zwei der Anlagen Alarm schlug und diese abgestellt werden mussten, um Folgeschäden an den Getrieben zu vermeiden. Die übrigen vier Multibrid-Anlagen im ersten deutschen Offshore Testfeld Alpha Ventus, das erst im April 2010 von Umweltminister Röttgen im Beisein zahlreicher Medienverstreter offiziell eingeweiht wurde, sind weiterhin in Betrieb. Sie haben allerdings die gleiche Legierung wie die zwei schadhaften. Langfristig gingen die Betreiber von Alpha Ventus deshalb davon aus, dass die Gondeln in allen sechs Anlagen ausgetauscht würden, so eine Sprecherin des Windparks.

Nach Angaben des Herstellers Areva-Multibrid würden ab August zunächst die zwei stillgelegten Gondeln ausgetauscht, es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass die vier restlichen folgen. Prinzipiell ist es zwar auch möglich, lediglich die Gleitlager auszutauschen, doch aufgrund des kompakten Aufbaus der M5000-Anlagen und den erschwerten Bedingungen auf See kommt dies für Alpha Ventus nicht in Frage.

Problem unabhängig vom Hochsee-Standort

Auf dem Testfeld in der Nordsee sammeln EWE, Vattenfall und Eon mit Unterstützung der Bundesregierung gemeinsam Erfahrungen mit Windanlagen in großer Entfernung zur Küste. Neben den sechs Multibrid-Anlagen sind dort auch sechs Maschinen von Repower im Einsatz, die bislang problemlos laufen. Anders als in Dänemark oder Großbritannien, wo bereits zahlreiche Offshore-Windparks in Küstennähe in Betrieb sind, darf in deutschen Gewässern aus Gründen des Umweltschutzes erst ab einer Entfernung von etwa 50 Kilometern gebaut werden. Die Windkraftanlagen müssen daher in Wassertiefen von 25 Metern und mehr verankert werden und sind besonders starken Belastungen durch Wind und Wellen ausgesetzt.

Das nun aufgetretene Problem an den Gleitlagern sei allerdings völlig unabhängig vom Standort, so die Sprecherin von Areva-Multibrid. Die M5000 ist speziell für den Einsatz auf See entwickelt worden. Bislang sind erst zehn Anlagen dieses Typs am Netz, doch 40 weitere sollen ab dem kommenden Jahr im neu entstehenden Offshore-Windpark Borkum West II zum Einsatz kommen. Der Betreiber, die Aachener Stadtwerke-Kooperationsgesellschaft Trianel, bestätigte, dass die Bestellung trotz der Panne aufrecht erhalten werde.

Kosten in Millionhöhe

Verantwortlich für die Legierung der Gleitlager ist nicht der Bremerhavener Hersteller Multibrid, der seit 2007 zum französischen Areva-Konzern gehört, sondern der mehrheitlich zu MAN gehörende Zulieferer Renk AG. Eine schlüssige Erklärung, warum Renk diese Getriebe mit anderen Lagern ausgestattet habe, gebe es derzeit noch nicht, so Tobias Eifert, Leiter des Projektmanagment bei Multibrid. Nun werde wieder der ursprüngliche Gleitlagerwerkstoff verwendet. Ein Renk-Mitarbeiter erläuterte, dass Tests mit der neuen Legierung gute Ergebnisse aufwiesen, dass aber ein Fehler bei der Berechnung des Spiels gemacht worden sei. Als Spiel wird der Platz bezeichnet, den eine Komponente innerhalb der Konstruktion hat, um sich auszudehnen.

Wie hoch die Kosten für den Austausch der Gondeln sind, beziffert Multibrid nicht konkret, es handelt sich jedoch um einen „größeren Millionenschaden“, so Eifert. Eine Sprecherin betonte, dass auch Wind und Wetter einen Einfluss auf die Höhe des Schadens haben, denn je schwieriger die Wetterlage, desto länger wird der Austausch auf See dauern und desto höher die Charterkosten für die dafür nötigen Schiffe. Sie fügte hinzu, dass die Zusammenarbeit mit Renk weiterhin fortgesetzt werde.

Weitere Informationen:

Alpha Ventus

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014