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Energiekonzerne

Politik drückt den Kurs

Aktien der deutschen Versorger waren 2010 die DAX-Schlusslichter - trotz guter Gewinne. Die Strategien der Stromriesen überzeugen Analysten auch 2011 nicht.

Politik drückt den Kurs Politik drückt den Kurs
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Die Aktien der deutschen Versorger RWE und Eon waren 2010 die Schlusslichter im DAX - trotz guter Ergebnisse. Doch die Brennelementesteuer und absehbar steigende Kosten für CO2-Zertifikate drückten den Kurs. Die Zukunftstrategien beider Stromriesen überzeugen Finanzanalysten auch nicht: sie empfehlen eher andere europäische Versorger.

Als RWE-Chef Jürgen Großmann in der n-tv-Sendung „Chefsache“ nach seiner größten Niederlage gefragt wird, nennt er die Insolvenzanträge, die er für seinen einstigen Arbeitgeber Klöckner AG stellen musste – letztlich die Grundlage seines späteren Erfolges. Eine ehrlichere Antwort wäre möglicherweise die Einführung der Brennelementesteuer gewesen. Sie wird sich für den Manager, dessen Gesicht wie kaum ein anderes für das Ringen um die Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke steht, nur schwer ins Positive verkehren lassen.

Kein Rezept gegen Belastungen

Denn die Steuer belastet das betriebliche Ergebnis von RWE mit durchschnittlich 600 bis 700 Millionen Euro pro Jahr – bis 2016. Auch deshalb musste Großmann bei Vorlage der Jahresbilanz 2010 Ende Februar alle mittelfristigen Ziele des Konzerns massiv nach unten korrigieren und schickte damit die Aktie auf Talfahrt. Bereits in diesem Jahr rechnet RWE mit deutlich sinkenden Gewinnen, erst 2014 sollen sie wieder steigen. „Wir befinden uns auf dem Gipfel – von dort geht es in jede Richtung erst mal bergab“, sagte Großmann. Beim Aufstieg aus dem Tal der Tränen wird Großmann nicht mehr dabei sein, er führt den Essener Energieriesen laut Vertrag nur noch bis Ende September 2012.

Anders als sein Konterpart Johannes Teyssen bei Eon hat Großmann bei der Bilanzvorlage wenig Kreatives vorzubringen, um die Belastungen aus der Steuer auf Kernbrennstoffe, sinkenden Strom-Großhandelspreisen, Problemen beim Gasgeschäft und steigenden Kosten für CO2-Zertifikate abzufedern. Während Eon auf Internationalisierung setzt und sein Geschäft außerhalb Europas bis 2015 von aktuell 5 Prozent auf 25 Prozent ausbauen will, werden bei RWE „die Ärmel hochgekrempelt“. Es gilt eisern zu sparen: Von 2011 bis 2013 sollen 3 Milliarden Euro weniger als bislang geplant investiert werden, zugleich will Großmann durch den Verkauf von Unternehmensteilen etwa 8 Milliarden Euro einnehmen. Anders als Eon nimmt RWE dabei weniger Rücksicht auf die Ängste seiner Aktionäre und garantiert keine Mindestdividende für die bevorstehenden mageren Jahre.

Anleger und Finanzanalysten enttäuscht

Weder Anleger noch Finanzanalysten goutieren das Konzept: Am Tag der Verkündung sank der RWE-Aktienkurs um mehr als 5 Prozent und die meisten Bankhäuser sprachen sich dafür aus, die Aktien des Versorgers zu verkaufen. Bislang habe gerade die hohe Dividendenrendite für den Titel gesprochen, doch angesichts des erwarteten stetigen Gewinnrückgangs vom Rekordergebnis 3,75 Milliarden Euro in 2010 auf rund 2 Millliarden Euro in 2013, seien die Aussichten nicht vielversprechend, so der Tenor vieler Analysen.

Zudem weisen Finanzexperten auf den relativ alten, kohlelastigen Kraftwerkspark des deutschen Energieriesen hin. Dieser führe zu besonders hohen Kosten in der 2013 beginnenden zweiten Handelsperiode des europäischen Emissionshandels. Auch hier sieht RWE als größter CO2-Emittent in Europa besonders hohen Belastungen entgegen.

Das Verhältnis von Chancen und Risiken sei bei RWE im Vergleich zu den Aktien seiner Wettbewerber schlecht, glaubt Barclays-Analyst Peter Bisztyga. Er ziehe deshalb Eon-Aktien vor. Eine ähnliche Meinung vertritt Bernhard Jeggle von der LBBW: Eon habe eine bessere Ausgangssituation und biete mit der geplanten Internationalisierung mehr Fantasie. Allerdings sei die Strategie nicht ohne Risiken. Bislang hätten Versuche, in neue Märkte in den USA, Südeuropa oder Russland einzusteigen, die Erwartungen und Pläne teils deutlich verfehlt.

WestLB-Finanzanalyst Peter Wirtz sieht eher bei ausländischen Energieversorgern wie der italienischen Enel oder der spanischen Iberdrola Kurspotenzial, als bei RWE und Eon. Die deutschen Versorger treffe als einzige börsennotierte Unternehmen die Brennelementesteuer. Die Laufzeitverlängerung, der „vermeintliche Sieg“ Großmanns sei aufgrund der Steuer eben doch keiner, so Wirtz.

Rote Laterne im DAX

Schon im vergangenen Jahr waren Eon und RWE die schwächsten Titel im DAX – obwohl beide gute Konzernergebnisse vermelden konnten. 2011 haben sich die Aussichten verdüstert: die rote Laterne könnte wieder ins Ruhrgebiet gehen. Im Falle RWEs sind damit die kommunalen Anteilseigner, die etwa ein Viertel der Aktien halten, doppelt gestraft. Einerseits können sie geplante Investitionen in Kraftwerke nicht realisieren, weil aufgrund der Laufzeitverlängerung alte Kraftwerkskapazitäten länger im Markt bleiben. Andererseits sinken auch die Einnahmen, die sie jedes Jahr über ihre RWE-Beteiligung erhalten.

Weitere Informationen:

RWE-Pressemitteilung zum Jahresergebnis 2010 und den mittelfristigen Aussichten: www.rwe.com

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014