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Pipeline

RWE steht weiter zu Nabucco

RWE räumt dem Pipeline-Projekt immer noch Priorität ein. Zusagen der Zuliefer-Länder sind nun entscheidend.

RWE steht weiter zu Nabucco RWE steht weiter zu Nabucco
energlobe.de, Maud Radtke

Auch wenn RWE immer noch keine endgültige Investitionsentscheidung für die Gas-Pipeline Nabucco getroffen hat, setzt der Essener Versorger weiter auf den Bau der Leitung. Das Angebot der russischen Gazprom an RWE, sich am Konkurrenzprojekt South Stream zu beteiligen, ist wohl vom Tisch. „Wir treiben Nabucco weiter voran“, sagt Vorstandschef Jürgen Großmann. Er betont jedoch: „Auch dieses Projekt muss sich rechnen.“

Nabucco vs. South Stream

Den Bau beider Pipelines hält Heinz Kramer von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) für extrem unwahrscheinlich. Beide sollen dieselben Gasquellen im kaspischen Raum erschließen. Es sei „Wunschdenken“, dass Banken Milliarden Euro für beide Projekte bereitstellen, „erst recht wenn es keine verlässlichen Angebotsgarantien und Abnahmeverpflichtungen der Nachfrageländer gibt“, so Kramer. Welches Projekt allerdings realisiert wird, ist bis jetzt noch nicht raus. Bis auf RWE sind alle an Nabucco beteiligten Unternehmen auch bei South Stream involviert. Auch der österreichische Energieversorger OMV. Damit sei OMV abgesichert und profitiere vom kaspischen Gas, egal welche Pipeline letztendlich gebaut wird, sagt Finanzanalyst Philipp Chladek von der österreichischen Raiffeisen Centrobank.

Unabhängigkeit von Russland

Nabucco soll die Abhängigkeit des europäischen Gasmarktes von Russland verringern. Über die Pipeline soll ab 2014 Gas aus dem Kaspischen Raum nach Westeuropa strömen. Nabucco sei dafür „die günstigste Art“, so Großmann. RWE kalkuliert mit Kosten von acht Milliarden Euro für den Bau der Pipeline, die über die Türkei, Bulgarien, Rumänien, Ungarn nach Österreich verlaufen soll. Unternehmen aus allen Transitländern an dem acht Milliarden Euro teurenVorhaben beteiligt. Ab 2014 sollen acht Milliarden Kubikmeter Gas geliefert werden, ab 2020 dann jährlich 31 Milliarden Kubikmeter.

Die Lieferländer

Bis jetzt gibt es noch keine Vereinbarung mit einem der drei potenziellen Lieferländer: Aserbaidschan, Turkmenistan oder dem Irak. RWE sei derzeit „in konstruktiven Gesprächen“ mit Vertretern aller drei Länder, so der Konzernchef.

Aserbaidschan am Westufer des Kaspischen Meeres besitzt 0,8 Prozent der Weltvorräte und will ab 2015 etwa 35 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr exportieren.

Turkmenistan hat sogar doppelt so viel Gas und könnte im Idealfall ab 2015 jährlich bis zu 80 Milliarden Kubikmeter exportieren. Bis jetzt hat das Land Lieferverträge mit China und Russland abgeschlossen. Russland ist nicht daran interessiert, dass Nabucco gebaut wird. Würde sich Turkmenistan zu diesem Projekt bekennen, könnte das die bestehenden Handelsbeziehungen mit den Russen verschlechtern. Ob die Turkmenen dieses Risiko eingehen, bleibt abzuwarten.

Russland hat noch eine andere Möglichkeit, die turkmenischen Lieferungen über Nabucco zu verhindern. Turkmenistan liegt östlich des Kaspischen Meeres – um das Gas nach Europa zu leiten, müsste es entweder unter dem Meer oder über Land durch den Iran transportiert werden. Während eine Pipeline durch den Iran aus politischen Gründen nicht denkbar ist, wird Russland alles daran setzen, die Unterwasserleitung zu verhindern. Derzeit herrscht Rechtsunsicherheit, ob es für den Bau der Zustimmung aller Anrainerstaaten, also auch Russlands, bedarf.

Selbst wenn der Weg zum turkmenischen Gas versperrt bliebe, wäre dies laut RWE-Chef Großmann nicht das Aus für Nabucco. Wichtig sei, dass man mit einem verlässlichen Lieferland einen Vertrag abschließen kann. „Sowohl für North Stream als auch für South Stream soll das Gas nur aus einem Land kommen“, sagt Großmann. Diese Option sehe er auch für Nabucco.

Europas Gashunger wächst

Europa ist der größte zusammenhängende Nachfragemarkt der Welt und verbraucht zurzeit jährlich rund 526 Milliarden Kubikmeter Gas. Tendenz steigend. Vor allem die vermehrte Stromproduktion aus Erdgas wird die Nachfrage in den nächsten Jahren anheizen. Geschätzt wird, dass die EU im Jahr 2020 rund 640 Milliarden Kubikmeter Gas benötigen wird. Die Produktion aus den europäischen Erdgasquellen in der Nordsee ist jedoch stark rückläufig. „Die Schere zwischen Nachfrage und eigener Produktion wird in Zukunft immer größer werden,“ sagt Analyst Chladek: „Neue, verlässliche Quellen sind daher notwendig.“ Einen Teil des wachsenden Bedarfes könnte künftig über Flüssiggas-Lieferungen aus dem arabischen Raum abgedeckt werden. Diese gingen bis vor kurzem größtenteils in die USA, doch seitdem neue Techniken die Förderung von Schiefergas wirtschaftlich gemacht haben, importieren die Vereinigten Staaten erheblich weniger Gas.

Gazprom will Vormachtstellung nicht aufgeben

Schon jetzt werden etwa 25 Prozent der Nachfrage mit russischem Gas gedeckt. Ein lukrativer Absatzmarkt, den Russland nicht teilen will, auch wenn es die prognostizierte Nachfragesteigerung wohl nicht aus eigenen Quellen speisen kann. Denn auch für Russland gilt: Der eigene Bedarf wächst, während die Gasproduktion nach Einschätzung des SWP-Experten Kramer im Land selbst bald stagnieren wird. Gazprom ist daher bestrebt, sich die Gaslieferungen aus dem Kaspischen Raum zu sichern, um sie nach Europa zu verkaufen. So der Plan für South Stream. Ein weiterer Grund für diese südliche Pipeline-Variante: Russland will den Einfluss der nördlichen Transitländer Weißrussland und Ukraine reduzieren.

Welches Projekt schließlich verwirklicht wird, ist noch nicht abzusehen. Klar ist aber: „Irgendwie muss Gas nach Europa kommen“, so Chladek. Sind die Schätzungen für 2020 richtig, benötigt Europa jährlich zusätzlich 120 Milliarden Kubikmeter Gas. Das geplante Transportvolumen von Nabucco von 31 Milliarden könnte diesen Bedarf nur zum Teil decken. Für die Entwicklung des Gaspreises in Europa wäre es dennoch von Vorteil, wenn Erdgas aus mehreren Erzeugerländern importiert würde.

Weitere Informationen:

Homepage der Nabucco Gas Pipeline International GmbH: www.nabucco-pipeline.com

Reuters-Interview mit Reinhard Mitschek, Geschäftsführer von Nabucco Gas Pipeline International GmbH (NIC) vom 26.05.2010: http://insider.thomsonreuters.com

SWP-Studie „Die Türkei als Energiedrehscheibe“

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014