Sie benutzen einen veralteten Browser. Bitte updaten Sie Ihren Browser oder aktivieren Sie Chrome Frame um die Darstellung zu verbessern.

Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Eine Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten, befindet sich hier.

Assekuranz

Chance und Risiko

Der Klimawandel wirbelt die Berechnungen der Versicherer durcheinander - aber bringt auch neues Geschäft.

Chance und Risiko Chance und Risiko
energlobe.de, Denny Rosenthal

Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Orkan wie Kyrill, der im Januar 2007 das öffentliche Leben in weiten Teilen Europas beeinträchtigte, künftig jeden Winter sein Unheil anrichtet? Für Versicherer ist dies eine entscheidende Frage, denn sie berechnen Wahrscheinlichkeiten. Je wahrscheinlicher ein Ereignis, desto höher die Prämie, um sich dagegen abzusichern. Doch der Klimawandel wirbelt schon jetzt viele Wahrscheinlichkeiten durcheinander, denn er führt dazu, dass extreme Wettereignisse wie Starkregen, Hochwasser und Tornados vermehrt auftreten. Darauf muss sich die Versicherungsbranche einstellen.

„Die Schwierigkeit liegt darin, zu erkennen, ob es sich bei einem Ereignis wie beispielsweise Starkregen um einen Trend handelt oder um eine natürliche Schwankung“, erläutert Oliver Hauner, Leiter Versicherungstechnik Sach beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Deswegen arbeite der GDV derzeit mit mehreren renommierten Klimaforschern zusammen und will Ende 2010 ein Papier vorlegen, dass zeigt auf welchen Annahmen künftig Berechnungen zu Sturm und Überflutung basieren können.

Je häufiger ein Ereignis, desto mehr Eigenkapitalbedarf

Für Versicherer ist dabei auch entscheidend, wie die Häufigkeit eines Ereignisses eingestuft wird. Denn sie sind verpflichtet, genügend Eigenkapital oder Rückversicherungsdeckung ein Ereignis bereitzuhalten, das erwartungsgemäß alle 200 Jahre auftritt. „Was heute jedoch noch ein Jahrhundertereignis ist, könnte künftig möglicherweise alle 25 Jahre eintreten“, erläutert Hauner. Bei den geltenden Regeln müssten Versicherer also entsprechend mehr Eigenkapital vorhalten beziehungsweise Rückversicherungsschutz einkaufen.

Zahl der Naturkatastrophen verdoppelt

Nach Angaben des weltgrößten Rückversicherers Munich Re hat sich die Zahl der Naturkatastrophen in den vergangenen 30 Jahren verdoppelt. Diese Zunahme hänge auch damit zusammen, dass heute mehr Werte existieren, deren Zerstörung Kosten verursachten, sagt Ernst Rauch, Leiter des Corporate Climate Center der Munich Re: „ Wo früher ein Wald war, trifft ein Hagelschauer jetzt vielleicht auf Häuser und wird als Naturkatastrophe registriert.“

Der Trend bei den wetterbedingten Ereignissen gehe insgesamt eindeutig nach oben. „Wir sind sehr sicher, dass dies auch mit dem Klimawandel zu tun hat“, so Rauch. Hierzulande rechnet der Dax-Konzern künftig mit mehr Extremniederschlägen und gleichzeitig auch mit mehr Hitzewellen im Sommer. Prinzipiell geht Munich Re jedoch davon aus, dass die Folgen des Klimawandels in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten beherrschbar bleiben.

Bislang keine unversicherbaren Risiken

Auch GDV-Experte Hauner schätzt ein, dass es in absehbarer Zeit keine Risiken geben wird, die aufgrund des Klimawandels unversicherbar werden. Sollte sich die Erderwärmung jedoch ungebremst fortsetzen oder bestimmte „tipping points“ überschritten werden, beispielsweise das Abschmelzen des Eises in Grönland, müsse diese Einschätzung überdacht werden.

Neue Geschäftsbereiche dank des Klimawandels

Derzeit entstehen durch den fortschreitenden Klimawandel auch neue Geschäftsbereiche für Versicherer. Während der Markt für Hausrat- und Gebäudeversicherung in Deutschland gesättigt ist, liegt die Versicherungsdichte für die Elementarschadenversicherung nach Angaben des GDV derzeit erst bei 26 Prozent – Tendenz steigend. Hier sei gerade ein Bewusstseinswandel in Gang, sagt Hauner.

In Deutschland werden Naturgefahren wie Hochwasser, Starkregen oder Erdrutsche in der Regel nicht von der Gebäudeversicherung gedeckt, sondern von Elementarschadenversicherung. In letzter Zeit wird die Absicherung gegen diese Naturgefahren aber zunehmend direkt in die klassische Gebäudeversicherungspolice integriert. Durch die Winterstürme Xynthia und Daisy sowie das Oderhochwasser, sei das ThemaNaturgefahren zunehmend in der Öffentlichkeit präsent, so Hauner.

Versicherung Erneuerbarer Energien

Auch der Ausbau der Erneuerbaren Energien, die CO2-neutral und somit klimaschonend Strom erzeugen, hat Versicherern ein neues Feld eröffnet. So bietet Munich Re beispielsweise Komplettdeckungen gegen verschiedene Risiken bei Offshore-Windanlagen an, etwa auch gegen das Risiko von zu viel oder zu wenig Wind. Auch Hauner vom GDV betont: „Mittlerweile ist es so, dass Hersteller und Versicherer gerade bei komplexen Risiken schon von Anfang an zusammenarbeiten.“ Die Übernahme gewisser Risiken durch die Versicherer sei in vielen Fällen Grundvoraussetzung für die Realisierung von Projekten im Bereich Erneuerbare Energien.

Weitere Informationen:

Munich Re und GDV

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014