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Klimawandel

Dem Wetter trotzen

Das Wetter wird immer unvorhersehbarer. Unternehmen können sich mit Derivaten gegen dadurch entstehende Umsatzeinbußen absichern.

Dem Wetter trotzen Dem Wetter trotzen
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Das Wetter ist immer weniger vorhersehbar. Darauf müssen sich auch Unternehmen einstellen, denn sonst drohen ihnen stark schwankende Einnahmen und Kosten – damit lassen sich weder Anleger zum Aktienkauf noch Banken zur Kreditvergabe motivieren. Neben einer klassischen Versicherung, die meist jedoch nur Schäden nach Extremwetter wie Sturm, Flut oder Erdbeben abdeckt, sind Wetterderivate eine Möglichkeit der Absicherung.

Das funktioniert so: Ein Unternehmen schließt beispielsweise mit einer Bank ein Wetterderivat ab. Dieses kann sich auf einen oder mehrere Basiswerte wie die Temperatur in einem bestimmten Zeitraum beziehen. Auch als Absicherung gegen zu geringen beziehungsweise zu starken Wind eignen sich Wetterderivate – was für Windparkbetreiber interessant ist. Genauso kann die Niederschlagsmenge, die Sonnescheindauer oder die Schneehöhe als sogenanntes Underlying, also als Basiswert, verwendet werden. Abweichungen vom Basiswert führen zu einer bestimmten vorher vereinbarten Auszahlung.

Konkret könnte dies so aussehen: Ein Landwirt fürchtet um seine Ernte, wenn die Temperatur im Monat April unter 5 Grad Celsius sinken sollte. Mit seiner Bank schließt er gegen Zahlung einer Prämie einen Vertrag ab, der ihm eine Zahlung von 2.000 Euro pro Tag garantiert, an dem eine niedrigere Temperatur herrscht. Wird es ein warmer April, streicht die Bank die Prämie ein und der Bauer blickt einer guten Ernte entgegen. Verläuft der Monat dagegen kühl, bekommt er von der Bank die vereinbarten Zahlungen, die ihm helfen den Ernteausfall zu verkraften.

Ein solches maßgeschneidertes Geschäft wird in der Branche als OTC-Lösung bezeichnet – over the counter. Das heißt es wird bilateral zwischen zwei Vertrtagsparteien vereinbart, ohne das eine Börse oder ein Clearinghaus involviert ist. Mittlerweile bieten aber auch einige Börsen wie die Chicago Mercantile Exchange (CME) oder die Eurex standardisierte Wetterderivate für diverse Regionen an.

OTC-Lösungen dominieren, auch Börsenprodukte verfügbar

Neben der Landwirtschaft ist auch die Energiewirtschaft eine der Branchen, für die sich Wetterderivate besonders eignen. Denn fällt beispielsweise ein Winter besonders mild aus, sinkt der Verbrauch von Gas und anderen Energieträgern zur Wärmeerzeugung und die Preise fallen aufgrund der mangelnden Nachfrage. Umgekehrt steigt die Stromnachfrage auch bei großer Hitze, wenn viele Klimaanlagen auf vollen Touren laufen. Auch andere Wetterfaktoren spielen für Energieversorger ein große Rolle: die Schneeschmelze bei der Erzeugung von Wasserkraft, Windstärken für On- und Offshore-Anlagen sowie Hitzewellen bei der Erzeugung von Kernkraft, die auf kühlendes Flusswasser angewiesen ist.

Bei vielen der standardisierten Produkten auf Temperaturbasis, die an der CME – der größten Börse für Wetterkontrakte – im Angebot sind, werden daher heating degree days (hdd) als Maßeinheit genutzt. Sie messen, inwieweit die Temperatur an einem Tag von 18 Grad Celsius abweicht. Diesen Wert hätten Energieversorger als Indikator festgelegt, ab wann die meisten Menschen ihre Heizungen andrehen und so mehr Energie verbrauchen, so die CME in einem Prospekt zu ihren Wetterprodukten. Sie bietet Wetterkontrakte auf Basis von Temperaturen, Schneefall, Frost und Hurricanes für mehr als 45 Städte in den USA sowie in zahlreichne weiteren Ländern weltweit an - in Deutschland beispielsweise Berlin und Essen.

Auch an der Eurex, der größten europäischen Terminbörse für Finanzderivate, sind Wetterderivate seit 2009 handelbar. Derzeit werden hier Hurricane Futures auf drei verschiedene Gebiete in den USA angeboten. Diese haben binären Charakter, zahlen also aus, wenn der aus einem Sturm resultierende Gesamtschaden vordefinierte Auslöseschwellen überschreitet. Das Angebot richte sich an Spezialfonds, Hedgefonds, Großbanken und (Rück)-Versicherer, die so Versicherungsschäden handeln oder absichern und einen Teil ihrer Risiken flexibel weitergeben, erläutert Eurex-Experte Christian Csomos. Der Markt für Wetterderivate sei in Europa verglichen mit den USA allerdings noch relativ klein und die meisten Kontrakte würden bilateral, also OTC und nicht über die Börse, abgeschlossen. „Auch in Europa ist ein gewisses Interesse da, doch das Potenzial ist geringer als in den USA“, so Csomos.

Finanzkrise könnte Börsen mehr Geschäft zutragen

Aufgrund der Erfahrungen der Finanzkrise geht der Trend zudem dahin, Finanzinstrumente aus dem OTC-Bereich an einer Börse zu handeln oder an einem Clearinghaus zu verrechnen, um mehr Transparenz und Kontrolle zu haben. „Dadurch könnte auch mehr Aktivität in den Börsenhandel mit Wetterderivaten kommen“, sagt Csomos. Nur im OTC-Bereich sei allerdings eine individuelle Ausgestaltung des Kontrakts möglich, die genau auf ein Einzelgeschäft abgestimmt ist. Börsenprodukte richteten sich an eine Gruppe von Anlegern und seien daher breiter ausgelegt, sei es bei der Eingrenzung der relevanten Region oder aber des Zeitraumes.

Je weiter der Klimawandel voranschreitet, umso mehr mehr wird das Wetter zu einem Erfolgs- beziehungsweise Risikofaktor für Unternehmen. Schon heute sei ein Drittel aller Firmen weltweit direkt von Wetterfaktoren beeinflusst, so die CME. Derivate seien ein Weg für Unternehmen Wetterrisiken abzusichern und böten Investoren, die Option auf gute Spekulationsgewinne.

Weitere Informationen:

Wetterprodukte der Eurex: www.eurexchange.com

Wetterprodukte der CME: www.cmegroup.com

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014