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Windkraft

Flaute bei Offshore-Renditen

Die Rendite für den Bau von Offshore-Windprojekten in Deutschland ist laut KPMG nicht ausreichend.

Flaute bei Offshore-Renditen Flaute bei Offshore-Renditen
energlobe.de, Denny Rosenthal

Die derzeitige Rendite für den Bau von Offshore-Windprojekten in Deutschland ist nach Einschätzung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG nicht ausreichend. Der Standort Deutschland stehe insbesondere mit Großbritannien im Wettbewerb, das attraktivere Bedingungen biete. Zudem bestehe kein Anreiz für die großen Energiekonzerne zügig in Hochsee-Projekte zu investieren: „Da gibt es einen fundamentalen Systemkonflikt“, so Ulf Gerder vom Bundesverband Windenergie (BWE).

Der Bau von Offshore-Windprojekten ist in Deutschland wenig rentabel. Für aktuelle Modellprojekte errechneten die Wirtschaftsprüfer von KPMG eine Rendite von 7,1 Prozent nach Steuern, bei vollständiger Eigenkapitalfinanzierung und nach aktuellem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG). Das Gesetz sieht derzeit eine Vergütung von 15 Cent pro Kilowattstunde für den Meereswind vor. „Angesichts der vergleichsweise anspruchsvollen Standortbedingungen deutscher Projekte und des damit verbundenen hohen Risikos erscheint eine Verbesserung der Rendite sinnvoll“, heißt es in der aktuellen KPMG-Studie.

Der Standort Deutschland stehe insbesondere mit Großbritannien im Wettbewerb, um Investoren, Banken sowie Hersteller und Zulieferer der Offshore-Branche zu gewinnen. Im europäischen Vergleich sei die Vergütung bei den Briten mit rund 18 Cent pro Kilowattstunde derzeit am attraktivsten. Aber die deutsche Rendite ließe sich verbessern: Durch eine Stauchung der EEG-Vergütung auf zwei Drittel der Zeit erhielten Projekte in der schwierigen Anfangsphase eine höhere Förderung und die Rendite stiege auf zwölf Prozent. Weiter empfehlen die Wirtschaftsprüfer „eine Erleichterung der Finanzierung durch weitergehende Risikoübernahme öffentlicher Förderinstitute“.

Die Bundesregierung will laut Energiekonzept prüfen, ob „eine kostenneutrale Option geschaffen wird, um die Investitionen zu erleichtern (erhöhte Anfangsförderung und verkürzte Laufzeit).“ Parallel zum Energiekonzept hat sie ein Zehn-Punkte-Sofortprogramm verabschiedet. Das enthält unter anderem die Einführung eines Förderfonds. Die KfW-Bank sichert die Finanzierung der ersten zehn Hochsee-Projekte mit einem Kreditvolumen in Höhe von fünf Milliarden Euro ab. Insgesamt sind die Lobbyisten der Windenergiebranche jedoch ernüchtert vom Konzept der Regierung.

Systemkonflikt bei den großen Vier

„Die Finanzierung der Offshore-Projekte ist für die vier großen Energiekonzerne, in deren Hand etwa zwei Drittel der genehmigten Windparks sind, nicht das Problem,“ sagt Ulf Gerder, Sprecher des BWE. Der zügige Ausbau des Ökostroms in Deutschland sei für Eon, RWE, EnBW und Vattenfall zurzeit betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll: „Da gibt es einen fundamentalen Systemkonflikt“. Denn je mehr erneuerbarer Strom erzeugt wird, der aufgrund der Vorrangregelung ins Netz eingespeist werden muss, desto wahrscheinlicher ist es, dass Eon und Co ihre großen Kohle- und Kernkraftwerke drosseln müssen. Und das kostet die Energiekonzerne mehr Geld, als sie über eigene Windparks einnehmen können.

Die Verlängerung der Laufzeiten zementiere diesen Systemkonflikt und werde deshalb den Ausbau der erneuerbaren Energiequellen in den kommenden Jahren bremsen, sagt Gerder. Selbst eine Erhöhung der Förderung könne daran nichts ändern. Zudem sei das Ausbaupotenzial der Windkraft im Energiekonzept - insbesondere das der Windenergie an Land - „völlig klein gerechnet worden“. Während in den Energieszenarien davon ausgegangen wird, dass die installierte Leistung im Bereich Windkraft im Jahr 2050 noch bei unter 55.000 Megawatt liegt, erwartet der Verband, dass dies bereits 2020 erreicht sein wird.

Onshore-Windkraft kleingerechnet

„Wir gehen davon aus, dass wir in zehn Jahren onshore 45.000 Megawatt installierte Leistung haben und offshore bis zu 10.000 Megawatt“, sagt Gerder. Insbesondere die Annahme in den Energieszenarien, der Ausbau der Onshore-Windkraft stoße bei 36.400 Megawatt an eine Grenze, sei falsch. Denn einerseits wiesen die norddeutschen Bundesländer nach wie vor neue Standorte aus, andererseits lasse sich die installierte Leistung auch durch den Austausch als Maschinen mit neuen stärkeren Anlagen vergrößern. Dennoch fehle im Energiekonzept ein klares Bekenntnis für die Windkraft an Land, moniert Gerder. Dabei sei ein funktionierender Heimatmarkt entscheidend, damit Deutschland seine technologische Weltmarktführerschaft verteidigen könne.

Ob die Rendite für Offshore-Windparks vor den deutschen Küsten künftig lukrativer und die Einspeisevergütung für Strom aus Windkraft erhöht wird, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Das Jahr 2011 wird von den politischen Diskussionen über die Novellierung des EEG, die zum 1.1.2012 in Kraft treten soll, beherrscht sein. Die Erwartungen des BWE sind allerdings gedämpft. Im besten Falle schaffe die Politik „stabile Rahmenbedingungen und Kontinuität bei der Förderung“, sprich den Erhalt des Status quo.

Weitere Informationen:

KPMG-Studie „Offshore Windparks in Europa 2010“

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014