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Ecosummit 2011

Grün darf keine Nische sein

Am 24. und 25. März 2011 trafen sich grüne Firmengründer und Investoren zum Öko-Gipfel in Berlin.

Grün darf keine Nische sein Grün darf keine Nische sein
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Windkraft kann mittelfristig der günstigste Energieträger werden – ganz ohne Subventionen. Diese Überzeugung vertrat ein US-Investor beim Ecosummit vergangene Woche in Berlin. Das Treffen grüner Firmengründer mit Finanzinvestoren aus aller Welt zeigte vor allem eines: Langfristig werden grüne Unternehmen immer mehr Marktanteile gewinnen.

Zehn bis 20 Millionen Euro – so viel Geld braucht Pascal Klein für den Bau seiner nächsten Anlage, die aus Altreifen wieder Erdöl gewinnt. Der Ecosummit-Initiator Jan Michael Hess hatte ihn persönlich eingeladen. Hess hatte von der Firma Pyrum Innovations aus dem Saarland gehört und Klein gebeten sein Projekt vorzustellen. ENERGLOBE.DE berichtete bereits im Oktober 2010 über den grünen Pionier.

Gründer sucht Investor

Für seine Pilotanlage fand Klein bereits genügend Geldgeber. Zwei Förderanträge wurden bewilligt, einer davon mit EU-Mitteln über 1,5 Millionen Euro. Erst eine Woche vor dem Ecosummit kam EU-Energiekommissar Günther Oettinger zur Stippvisite ins Saarland. Jetzt sucht Klein Investoren für eine noch größere Recycling-Anlage. „Ob ich heute fündig werde, weiß ich noch nicht“, so Klein. Ein Investor habe ihn allerdings angerufen, um ihn bereits vor seiner Präsentation zu treffen.

27 grüne Firmengründer konkurrieren um Wagniskapital der internationalen Investoren und die Aufmerksamkeit der insgesamt 300 Teilnehmer. Sie präsentieren unter anderem effizientere Solarmodule sowie im Gebäude integrierte Solarzellen, Recyclinganlagen und innovative Ideen zur nachhaltigen Mobilität und zur Markteinführung von Elektromobilen. Tamyca aus Hamburg zum Beispiel ist ein Portal, das Carsharing zwischen Privatkunden vermittelt und absichert.

Worauf achtet ein Investor?

Beim internationalen Ökogipfel treffen Gründer auf Investoren. Und wie Geldgeber denken, verrät Michael Linse aus dem US-Bundesstaat Kalifornien. Er ist Partner beim Wagniskapitalfonds KPCB, einem der größten und weltweit etablierten Risikokapitalgeber. Bereits im Jahr 2008 legte KPCB einen Clean-Tech-Fonds über 400 Millionen Dollar auf, um grüne Technologie zu fördern. „Entscheidend für einen Investor ist, wie sich die Kostenkurve einer Technologie entwickelt“, so Linse. Als Beispiel nannte er den Preisrutsch für LED-Fernseher in den vergangenen zehn Jahren.

Diesen Technologiesprung erwarte er auch für Windenergie in den nächsten fünf Jahren, obwohl sich bei den Erzeugungskosten in der letzten Dekade kaum etwas bewegt habe. „Wind ist kurz davor die günstigste Energieart zu werden, noch billiger als fossile Stoffe und ohne Subventionen“, prognostiziert Linse. In den nächsten ein bis drei Jahren werde der Preisdruck für Turbinenhersteller enorm zunehmen, so Linse weiter. Grund sei der massive Einstieg der Chinesen in die Windenergie, innerhalb von fünf Jahren sind 70 Gigawatt installierter Windleistung geplant – technische Verbesserungen müssten daher bei allen Herstellern folgen. Er erwarte, dass Windenergie 2015 für unter fünf Dollarcent die Kilowattstunde zu haben sei. Ein ähnlich großes Potenzial für Lerneffekte sehe er auch bei Elektromobilen.

smart green economy

Über 80 Vorträge und Workshops rund um das Thema „smart green economy“ und zukunftsfähiges Stadtleben finden regen Anklang bei den Teilnehmern des Ecosummit. Zwischen den Vorträgen gibt es immer wieder Möglichkeiten zum Networking und Anbändeln mit dem Geldgeber.

„Nicht Produkte, sondern Dienstleistungen werden künftig verkauft“, sagt Eröffnungsredner Michael Braungart, Gründer und Leiter des Instituts für Internationale Umweltforschung EPEA in Hamburg. Deshalb sollten bessere Materialien verwendet und immer wieder genutzt werden. Seit fast 30 Jahren beschäftigt er sich damit, Produkte durch das sogenannte Cradle-to-Cradle-Design ökologischer herzustellen. Die Idee dahinter ist, Reststoffe wieder komplett für neue Produkte zu verwenden – in einem geschlossenen Kreislauf.

Energieökonomin Professor Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, spricht über globale Trends. Allen voran China investiere derzeit massiv in erneuerbare Technologie: Rund 35 Milliarden US-Dollar sollen in den nächsten Jahren bereitgestellt werden, doppelt so viel wie die USA plant und achtmal mehr als Deutschland.

Zukunftstrend Klimaschutz

Klimaschutz ist der Zukunftstrend in der Wirtschaft. „Die ersten vier Unternehmen auf einer globalen Liste mit führenden Firmen beim Thema Klimaschutz sind deutsch“, so Kemfert. Damit meint sie Siemens, Deutsche Post und die Chemieriesen BASF und Bayer. „Grüne Firmen werden langfristig die Gewinner sein und immer mehr Marktanteile erobern“, prophezeit die Ökonomin.

Weitere Redner werben auf dem Ecosummit für Erneuerbare Energien: Fernsehjournalist Franz Alt, der das Portal Sonnenseite betreibt, und die grüne Spitzenpolitikerin Renate Künast, die ihre Vision einer grünen Hauptstadt Berlin präsentiert. Dass die Erderwärmung immer mehr Geld kostet, weiß Peter Höppe zu berichten. Er ist Forschungsleiter für Georisiken bei der Münchener Rückversicherung. Die Naturkatastrophen seien in den letzten 30 Jahren um den Faktor 2,5 gestiegen.

Die Münchener riefen 2009 das größte Energieprojekt aller Zeiten ins Leben: Desertec. „Das Wüstenprojekt soll bis 2020 satte 20 Gigawatt installierter Leistung vorweisen, bis 2050 sogar 100 Gigawatt“, so Höppe. Damit bestätigt er das Motto des Kongresses: Entscheider sind bereit, schnell in grüne Technologien zu investieren.

Weitere Informationen:

Homepage des Ecosummit 2011: http://ecosummit.net

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014