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Investment

Gutes tun mit Gewinn

Der Markt für grüne Geldanlagen ist unübersichtlich. Anleger müssen sorgfältig recherchieren, um sicher und nachhaltig zu investieren.

Gutes tun mit Gewinn Gutes tun mit Gewinn
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Der Markt für grüne Geldanlagen ist unübersichtlich, der Begriff bislang nicht geschützt. Deshalb müssen Anleger sorgfältig recherchieren, um ihr Geld sicher und nachhaltig zu investieren. Doch letztlich haben sie alle Möglichkeiten: Festgeld, Fonds oder Aktienkauf.

Eine Spende an Unicef, Greenpeace oder Brot für die Welt ist schnell gemacht. Wer sein Geld jedoch gewinnbringend und nachhaltig anlegen will, muss mehr Zeit in die Recherche investieren. Denn nicht jedes Investment, das als nachhaltig beworben wird, entspricht auch den eigenen Ansprüchen – zumal bislang keine einheitliche Definition für nachhaltige Geldanlagen existiert. „Der Begriff ist nicht geschützt, dabei wäre es durchaus sinnvoll ihn mit klar definierten Kriterien zu belegen,“ sagt Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentralen.

Verbindliche Begriffsdefinition fehlt bislang

Eine verbindliche Definition gibt es nicht. Immerhin einigte sich 2004 ein Kreis von Experten, mit Vertretern unter anderem vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie sowie einiger Universitäten und großer Konzerne, auf die sogenannte „Darmstädter Definition nachhaltiger Geldanlagen“. Derzufolge basieren die Gewinne aus nachhaltigen Geldanlagen auf „langfristigen Produktions- und Investitionsstrategien statt in kurzfristiger Gewinnmaximierung erwirtschaftet“ zu werden. In ökologischer Hinsicht sollten Investitionen in erneuerbare Ressourcen sowie Recycling und Erhaltung der Ökosysteme im Vordergrund stehen. In sozialer und kultureller Hinsicht bestehe eine Verantwortung für Arbeits- und Ausbildungsplätze, Antidiskriminierung und die Förderung zivilgesellschaftlichen Handelns.

Nach Einschätzung von Verbraucherschützer Gottschalk gibt es viele Menschen, die ihr Geld nach solchen Kriterien anlegen wollen – und wenige, die es tatsächlich tun. Grund hierfür, sei die Unübersichtlichkeit des Marktes und möglicherweise auch, dass viele private Investoren sowohl Umwelt und Gesellschaft im Blick haben als auch die Sicherheit und Rentabilität ihrer Geldanlage. „Viele als nachhaltig beworbene Investments sind eher riskanter Natur, häufig handelt es sich um Aktienfonds oder Unternehmensbeteiligungen“, weiß Gottschalk.

Ein Negativbeispiel: Der Windkraftkonzern Prokon warb für seine Genussrechte als sicheres Investment. Tatsächlich sei „die Geldanlage jedoch hochriskant“, urteilt die Stiftung Warentest. Denn sollte das Unternehmen Pleite gehen, verlieren Anleger im schlimmsten Fall ihre gesamte Geldanlage. Prokon unterliege keiner speziellen staatlichen Aufsicht. Laut Zeichnungsschein würden die Genussrechte „nachrangig“ behandelt., das heißt Anleger wären im Falle einer Insolvenz erst dran, nachdem die Ansprüche aller anderen Gläubiger bedient sind.

Grüne Banken bieten klassische Anlageformen wie Tagesgeld und Sparbrief

Es ist aber durchaus möglich klassisch in Tagesgeld oder Sparbriefe anzulegen – und sicherzustellen, dass die Bank mit dem von ihr verwalteten Einlagen soziale und ökologische Projekte unterstützt. Auf dem deutschen Markt gibt es vier Anbieter mit einem derartigen Konzept: GLS Bank, Umweltbank, EthikBank und Triodos.

Die Größte der Vier ist die GLS Bank mit derzeit etwa 86.000 Kunden bundesweit. Sie hat eine sozial-ökologische Ausrichtung und Anleger können wählen, in welche Branchen die Bank ihr Kapital vorzugsweise investieren soll. Sie informiert regelmäßig darüber, welche Kredite sie an Unternehmen und Projekte vergeben hat. Sie finanziert derzeit rund 8.600 Unternehmen und Projekte, beispielsweise die Gründung und den Aufbau freier Schulen und Kindergärten. Die GLS Bank bietet alle banküblichen Leistungen einer Hausbank wie Giro- und Sparkonto, Investmentfonds und Sparpläne. Einlagen sind durch die Mitgliedschaft in der Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken abgesichert.

Die EthikBank, ebenfalls Mitglied im Sicherungsfonds der Volks- und Raiffeisenbanken, vergibt grundsätzlich keine Kredite und kauft keine Aktien oder Anleihen von Unternehmen, die Waffen produzieren, Atomkraftwerke betreiben oder Kinderarbeit und Tierversuche zulassen. Zudem investiert sie nicht in Staatsanleihen von Ländern, die die Menschenrechte verletzen.

Die Umweltbank ist eine Direktbank, deren Anlagepolitik auf Klima- und Umweltschutz ausgerichtet ist und ausschließlich ökologische Projekte finanziert. Knapp 50 Prozent aller Kredite sind derzeit für Solaranlagen vergeben, der Rest an ökologischen Baufinanzierungen, Wind- und Wasserkraftprojekte sowie Projekte aus den Bereichen Biomasse/Biogas und ökologische Landwirtschaft. Die Umweltbank hat gut 83.000 Anlage- und Kreditkunden, deren Einlagen bis zu einem Betrag von 50.000 Euro pro Kunde gesetzlich abgesichert sind. Die Bank selbst ist eine Aktiengesellschaft mit rund 7.000 überwiegend privaten Aktionären.

Der neueste Marktteilnehmer ist Triodos, der deutsche Ableger der gleichnamigen niederländischen Bank. Mit Niederlassungen in den Niederlanden, Belgien, Großbritannien, Spanien und Deutschland und 228.000 Konten ist Triodos Europas führende Nachhaltigkeitsbank. Ebenso wie die GLS Bank ist Triodos Mitglied der Global Alliance for Banking on Values (GABV) – ein Netzwerk aller unabhängigen Nachhaltigkeitsbanken mit einer Bilanzsumme von mindestens 50 Millionen US-Dollar.

Die Zinssätze dieser vier Banken liegen alle im „guten Mittelfeld“ des Gesamtmarktes, so Gottschalk. Es gebe durchaus klassische Anbieter mit schlechteren Zinsen, aber an den Topzins im Bereich Fest- und Tagesgeld kommen die nachhaltigen Banken nicht heran. Anleger, die sich daher entscheiden, einen Teil ihres Geld in Fonds, Aktien oder Genussscheine zu investieren, können sich von diesen vier Banken auch beraten lassen.

Bankberatung dürftig, Nachhaltigkeitsagenturen geben Orientierung

Die Beratung der klassischen Banken für Kunden, die explizit nach nachhaltigen Anlagemöglichkeiten fragen, ist nach Erfahrung der Verbraucherzentrale eher dürftig. „Häufig wird auf Branchenfonds verwiesen - beispielsweise im Bereich neuer Technologien oder Wasser“, sagt Gottschalk. Doch nach welchen Kriterien diese Fonds zusammengestellt wurden und wer diese kontrolliert, seien Fragen, die die meisten Bankberater nicht beantworten könnten.

Eine gute Möglichkeit für Verbraucher, sich selber schlau zu machen, bieten Nachhaltigkeitsagenturen wie oekom research. Die Analysten bewerten Aktien- und Rentenemittenten (Unternehmen, Länder und supranationale Einrichtungen) „und dienen Unternehmen als kritische Messlatte und gleichzeitig als Impulsgeber für die Integration ökologischer und sozialer Belange in die Unternehmensführung“, so oekom in seiner Selbstdarstellung. Jedes Jahr veröffentlicht die Agentur ein Ranking für spezifische Branchen und auch für nationale Börsenindizes wie den DAX30. 2010 hatte Henkel mit einer Bewertung von 64,7 von 100 möglichen Punkten am besten abgeschnitten – es gibt also noch Luft nach oben.

Strengere Maßstäbe legt der 1997 gegründete Natur-Aktien-Index (NAI) an, in den nur Werte aufgenommen werden, die ein unabhängiger Ausschuss auf Grundlage verbindlicher Kriterien als „erfolgreiche Öko-Vorreiter“ auswählt. Der Index kann also durchaus als Orientierung für eine grüne Geldanlage dienen. „Ich würde mir einen Index-Fonds auf den NAI wünsche, der diesen einfach nur abbildet“, sagt Verbraucherschützer Gottschalk. Bei Investitionen in die Titel einzelner Unternehmen rät er zur Vorsicht, da manche sehr starken Kursschwankungen unterliegen.

Insgesamt gelte es auch bei grünen Geldanlagen Liquidität, Rentabilität und Sicherheit im Blick zu haben, so der Experte: „Nur Gutes tun zu wollen, kann sehr riskant sein“.

Weitere Informationen:

Webauftritt der Verbraucherzentralen in Kooperation mit Umweltorganisationen, enthält viele Tipps und Checklisten für grüne Geldanlagen: www.verbraucherfuersklima.de

Der Natur-Aktien-Index: www.nai-index.de

Webauftritt der deutschen Triodos: www.triodos.de

Webautritt der GLS Bank: www.gls.de

Webauftritt der EthikBank: www.ethikbank.de

Webautritt der Umweltbank: www.umweltbank.de

Global Alliance for Banking on Values (GABV): www.gabv.org

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014