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Ölpreis

Zocker im Rampenlicht

Der Ölhandel von Finanzinvestoren soll reguliert werden. Doch womöglich verfehlt dieser Aktionismus sein Ziel.

Zocker im Rampenlicht Zocker im Rampenlicht
energlobe.de, Denny Rosenthal

Es bedarf schon außergewöhnlicher Umstände, wenn sich die größten Preistreiber auf dem Ölmarkt mit staatlichen Regulierern verbünden. So geschehen Ende Februar, als sich das Kartell erdölexportierender Länder (OPEC) und die Aufsichtsbehörden für den Rohstoffmarkt in den USA und Japan zum Krisengipfel in Tokio trafen. Der Tenor dieser Konferenz: Gierige Spekulanten lassen den Preis in beide Richtungen extrem ausschlagen. Das nervt nicht nur Verbraucher, sondern auch die Opec, denn sie ist nur an steigenden Preisen interessiert. Deshalb sollen, so die Konferenzteilnehmer, die Spekulanten per Gesetz an die Leine gelegt werden.

Doch womöglich ist die ganze Aufregung umsonst. Denn der Einfluss der Zocker auf die Ölpreisbildung ist möglicherweise geringer als oft angenommen. "Spekulatives Verhalten scheint als Ursache für Ölpreisblasen ausgeschlossen werden zu können", sagt der Ökonom Marc Gronwald vom Münchner ifo-Institut.

Starökonom liefert entlastende Indizien  

Er beruft sich auf den Nobelpreisträger Paul Krugman. Der Ökonomieprofessor von der Universität Princeton schrieb bereits im Juli 2008 in seiner Kolumne für die New York Times: "Wären Spekulanten für den Rekordölpreis im Krisenjahr 2008 verantwortlich gewesen, hätten sich gleichzeitig die Öllager füllen müssen." Finanzinvestoren kaufen Öl, wenn es besonders billig ist, um es zu lagern und in Spitzenzeiten gewinnbringend zu verkaufen. Je risikofreudiger sie dabei agieren, umso mehr verstärken sie die Amplituden der Auf- und Abwärtsbewegungen. Allerdings haben sich die Lagerbestände 2008 kaum verändert, wie Krugman in einer Studie gezeigt hat.

Also, resümiert der Starökonom, "müssen Angebot und Nachfrage die Preisbewegungen ausgelöst haben". Zur Stützung dieser These führt er ein Beispiel an: Eisenerz. Der Handel mit diesem Rohstoff findet direkt zwischen Produzenten und Verbauchern statt und eignet sich kaum für Spekulationen. Und dennoch ist der Preis, den chinesische Stahlproduzenten in den vergangenen Jahren an australische Förderunternehmen gezahlt haben, um 96 Prozent gestiegen. "Das zeigt, dass die steigende Nachfrage in Entwicklungsländern für die steigenden Ölpreise verantwortlich sind", schreibt Krugman. "Die Aufregung über Ölmarktspekulation führt uns weg von den wahren Gründen." Die Rohstoffmärkte stärker zu regulieren sei zwar gar keine so schlechte Idee, meint Krugman etwas süffisant: "Es wird aber nicht viel bringen."

US-Börsenaufsicht führt Obergrenzen ein

Und dennoch: Als Folge dieser Preisturbulenzen fühlen sich Regierungen in Europa und in Übersee unisono unter Handlungsdruck. Steigende Ölpreise verursachen Zusatzkosten für die meisten Unternehmen und dämpfen das Wachstum. Aber auch übertriebene Tiefstpreise sind schädlich: Sie verhindern Investitionen zur Erschließung neuer Ölfelder.Weil Öl bei der Produktion fast aller Produkte zum Einsatz kommt, wird das gesamte Preisgefüge durcheinandergewirbelt. Unternehmer müssen sich an den verzerrten Preisen ausrichten, ihre Kalkulation wird zur Lotterie.

In den USA gibt es deshalb zögerliche Versuche, Rohstoffspekulationen einzudämmen. Die US-Terminbörsenaufsicht (CFTC) hat Obergrenzen für den Handel eingeführt. Allerdings ist das Limit so niedrig, dass nur ein paar Händler betroffen sind. Heiner Flassbeck, Entwicklungsdirektor bei den Vereinten Nationen, hatte in der Frankfurter Allgemeinen gefordert: "Rohstoffe den Spekulanten entreißen."

"Benzin könnte 14 Cent billiger sein"

Und auch im Bundestag erhitzt das Thema die Gemüter. "Ohne die Spekulanten könnte Benzin rund 14 Cent billiger sein", heißt es in einer Studie des Ölexperten Steffen Bukold im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will mit seiner französischen Kollegin Christine Lagarde im Kreis der G20-Finanzminister darauf drängen, dass auch für Warentermingeschäfte internationale Regeln verabredet werden.

Weitere Informationen:

Die Kolumne von Nobelpreisträger Paul Krugman zum Thema in der New York Times. 

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014