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Umweltschutz

Bislang keine Bestnoten

Nachhaltigkeitagenturen wie oekom research kontrollieren, ob Unternehmen ökologische und soziale Aspekte ernst nehmen.

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energlobe.de, Denny Rosenthal

Auf großen Anzeigetafeln präsentiert sich die Deutsche Telekom als nachhaltiger Konzern mit einem Bewusstsein für den Umwelt- und Klimaschutz sowie fairen Produktionsbedingungen. Doch wie können Kunden, Anleger und Mitarbeiter nachvollziehen, dass hinter der Kampagne mehr steckt als nur eine Werbestrategie? „Unsere Aufgabe ist es, zu kontrollieren, ob Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit mehr machen als nur PR“, sagt Robert Haßler, Geschäftsführer von oekom research.

Neben dem in München ansässigen Unternehmen gehören Sustainalytics und SAM zu den weltweit führenden Nachhaltigkeitsagenturen, die anhand hunderter allgemeiner und branchenspezifischer Kriterien prüfen, inwiefern soziale und ökologische Aspekte in der gesamten Wertschöpfungskette eines Unternehmens berücksichtigt werden. „Unsere Analysten nutzen eine große Bandbreite an Quellen, wie etwa Unternehmensberichterstattung, Internetauftritte der Unternehmen, Medienberichte sowie Informationen von NGOs und staatlichen Stellen für ihre Recherche“, erläutert Nachhaltigkeitsanalyst Arne Klug von Sustainalytics.

Anders als die klassischen Finanz-Ratingagenturen sind Nachhaltigkeitsagenturen gänzlich unabhängig, da sie nicht von den Konzernen beauftragt werden. „Uns bezahlen nicht die Unternehmen, sondern der Kapitalmarkt, also Investoren, die beispielsweise Geld in nachhaltige Fonds einbringen wollen“, erläutert Haßler. Damit ist es den Agenturen theoretisch auch möglich, Unternehmen zu bewerten, die dies nicht wollen. Allerdings habe Nachhaltigkeit für große Aktiengesellschaften in den vergangenen Jahren konstant an Bedeutung gewonnen, so Haßler, sodass es mittlerweile kaum mehr ein gelistetes Unternehmen gebe, das nicht in dem Bereich aktiv sei.

Diese Entwicklung setzte Anfang der 1990er Jahre ein, als die ersten Unternehmen damit begannen, neben dem Geschäftsbericht auch jährlich einen Umwelt- beziehungsweise Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen. „Investoren verhalten sich zunehmend aufgeschlossen, derartige Aspekte in ihre Anlageentscheidung miteinzubeziehen“, sagt Haßler. Gerade in den USA gebe es ein Bewusstsein dafür, dass die Macht des Kapitals auch gestalterisch wirken könne. „Einige große Lehrer-Pensionskassen boykottieren schon seit Jahren bestimmte Branchen wie die Tabak- oder Waffenindustrie“. Allerdings herrsche in Europa ein ausgeprägteres Bewusstsein für die klassischen Nachhaltigkeitsthemen Klima- und Umweltschutz.

Die meisten deutschen Großunternehmen haben in den vergangenen Jahren Abteilungen für Corporate Social Responsibility (CSR) aufgebaut und veröffentlichen mittlerweile regelmäßig ausführliche Nachhaltigkeitsberichte. „Sie scheinen im Dialog insgesamt deutlich interessierter, ihre Nachhaltigkeitsleistung zu verbessern,“ sagt auch Klug. Er sieht dennoch weiterhin Nachhol- und Handlungsbedarf seitens der Unternehmen.

Gerade bei Unternehmen aus Branchen mit tendenziell größerem ökologischen Fußabdruck wie dem Energie- und Chemiesektor ist Greenwashing ein relevantes Thema. So wird die Strategie von Unternehmen bezeichnet, die in Sachen Umweltschutz viel PR machen und wenig Taten folgen lassen. BP, der durch die Ölpest im Golf von Mexiko in die Schlagzeilen gekommene Großkonzern, hatte in den vergangenen Jahren versucht, sich ein grünes Image aufzubauen – mit großen Hochglanzanzeigen und der Umbennung von British Petroleum in Beyond Petroleum. „Bei uns hat BP im Branchenvergleich der 35 großen Mineralölgesellschaften noch nie auf einem vorderen Platz abgeschnitten“, sagt Haßler.

Die Deutsche Telekom zählt im internationalen Branchenvergleich dagegen seit Jahren zur Spitzengruppe, weiß Haßler. „Best in Class heißt jedoch nicht, dass ein Unternehmen nicht noch manches verbessern könnte“, betont er. Die Deutsche Telekom wird von oekom research insgesamt mit B- bewertet. Für die Bestnote A+ - die bislang noch kein größeres Unternehmen erhalten hat - fehlt also noch einiges.

Weitere Informationen:

oekom research und Sustainalytics

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014