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Solarmarkt

China setzt auf Sonne

Der Ausbau der Solarenergie im Reich der Mitte birgt für Deutschlands Wirtschaft Chancen, aber auch und Risiken.

China setzt auf Sonne China setzt auf Sonne
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Die Volksrepublik setzt weiterhin stark auf regenerative Energien. Der Ausbau der Solarenergie soll besonders im Binnenmarkt boomen. Ob deutsche Unternehmen davon profitieren können, ist unklar.

Chinas Erneuerbare Energien sind im Aufschwung. Im zwölften Fünfjahresplan des Landes sind die Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes von 2011 bis 2015 festgeschrieben. Klar ist, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde muss angesichts ihres rasanten Bevölkerungswachstums die Versorgung sichern. Und gleichzeitig CO2-Emissionen mindern. Denn schon jetzt hat China mit massiven Umweltproblemen zu kämpfen.

Deshalb soll auch der Anteil der Erneuerbaren am Primärenergieverbrauch steigen – auf bis zu zwölf Prozent bis 2015. Umwelttechnologien könnten laut einer Studie des internationalen Klimaschutznetzwerkes The Climate Group eine „saubere industrielle Revolution“ in China vorantreiben. Corinne Abele, Marktbeobachterin für Germany Trade & Invest, sieht das ähnlich: „Aufgrund der steigenden Nachfrage auf dem Binnenmarkt, baut China eine eigenständige, grüne Industrie auf“, erklärt die Chinaexpertin bei der Gesellschaft der Bundesregierung für Außenwirtschaft und Standortmarketing in Peking.

Solarbranche „aus dem Nichts“ entwickelt

So hat sich beispielsweise die chinesische Photovoltaikbranche in den vergangenen zehn Jahren „aus dem Nichts“ zu den weltweit wichtigsten Herstellern entwickelt, sagt Abele. Und es geschafft, die damaligen Marktführer zu überholen. Denn noch 2005 stammten acht der zehn weltweit führenden Modulhersteller sowie der Großteil der Solarzellenunternehmen aus Europa und Japan.

Doch chinesische Unternehmen wie Yingli Green Energy, Suntech Power und Trina Solar produzieren mithilfe staatlicher Subventionen, großzügiger Forschungszuschüsse und Exporthilfen deutlich billiger. Gleichzeitig investierten die Unternehmen in modernste Produktionsanlagen. Bei Preisunterschieden von bis zu 40 Prozent können deutsche Hersteller den Angeboten der Konkurrenz aus Fernost nichts mehr entgegenhalten. 2009 stieg China mit einem Weltmarktanteil von 38 Prozent zur Nummer eins auf.

China übernimmt Weltmarkt

Damit fielen lange Schatten auf die deutsche Solarindustrie. Obwohl Deutschland selbst nicht von der Sonne verwöhnt ist, erlebte die Solartechnologie Made in Germany noch vor fünf Jahren einen regelrechten Hype. Als Reaktion auf die chinesische Subventionspolitik verlangte die deutsche Branche nach Schutzzöllen und einer Bevorzugung ihrer Produkte auf dem heimischen Markt etwa mit Buy-German-Klauseln. Doch dazu kam es nicht. Denn die Marktlage wurde nicht nur durch niedrige Preise aus Asien erschwert, sondern auch durch ein Überangebot an billigen Solarzellen und –modulen auf dem ganzen Weltmarkt.

2010 beherrscht China bereits die Hälfte des Weltmarktes mit rund 13 Gigawatt installierter Leistung. Mittlerweile existieren in China über 300 Solarmodul- und über 50 Solarzellenhersteller. Im globalen Ranking der erfolgreichsten Firmen landen insgesamt sechs chinesische Unternehmen auf den ersten zehn Plätzen: Suntech Power zum Beispiel ist der weltweite größte Hersteller von kristallinen PV-Modulen und drittgrößter Hersteller von kristallinen Solarzellen. Die Plätze drei, vier und sechs belegen ebenfalls chinesische Firmen: JA Solar aus Shanghai, Trina Solar und Yingli.

Peking verordnet eine sonnige Industriepolitik

Und die Solarindustrie im Reich der Mitte boomt weiter. Das größte Wachstum will China mit der inländischen Solarindustrie erzielen. Formuliert wurden diese Ziele bereits früh im „National Mid and Long Term Science and Technology Development Program (2006-2020)“ sowie im „National Mid and Long Term Renewable Energy Development Program (2006-2020)“. Daneben fördert die Zentralregierung die Nutzung von Solarstrom mit verschiedenen Subventionsprogrammen, wie etwa mit einer Vergütung des Stroms bei gebäudeintegrierter Photovoltaik. Darüber hinaus läuft seit 2009 das „Golden Sun Program“, mit dem eine Subventionierung der Investitionskosten bei Pilotprojekten von bis zu 70 Prozent vorgesehen ist. „Der Binnenmarkt wird jedoch ohne einen Einspeisetarif für Solarstrom auf absehbare Zeit bescheiden bleiben“, prognostiziert Abele.

Zukunftsmarkt China birgt Chancen

Für deutsche Unternehmen bleibt es auf den internationalen Märkten schwierig. Zum einen schwächelt der Heimatmarkt aufgrund der sinkenden Einspeisevergütung zunehmend. Zum anderen werden die deutschen Hersteller ihre Preise nicht ausreichend senken können, um konkurrenzfähig zu bleiben. „Eine Konsolidierungswelle ist wohl unvermeidlich und wird ein sehr schmerzhafter Prozess“, sagt Heiko Stohlmeyer, Teamleiter Erneuerbare Energien beim Beratungsunternehmen PriceWaterhouseCooper.

Doch die ehrgeizigen Wachstumsziele Chinas könnten auch eine Chance für deutsche Unternehmen bergen: Innerhalb von fünf Jahren sollen Umweltschutztechnologien schon acht Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitragen; 2015 sollen es schon 15 Prozent sein. Bereits jetzt verdient die Volksrepublik laut einer aktuellen Studie des WWF mit grünen Technologien mehr als jedes andere Land der Welt. Eine Erhebung des Weltklimarates IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) prognostiziert sogar aktuell, dass bis 2050 die Kraftwerkskapazitäten aus Sonne, Wind, Geothermie, Wasser- und Wellenkraft um das zwanzigfache ansteigen werden. Das globale Rennen um Marktanteile in den grünen Zukunftsmärkten ist also schon in vollem Gange.

Wechselseitiger Technologietransfer als Türöffner

Deutsche Unternehmen können zwar auf ihre Vorreiterrolle in diesem Bereich verweisen – für die chinesische Entwicklung dieser Zukunftsmärkte sind sie jedoch entbehrlich. Auch weil damit zu rechnen ist, dass chinesische Unternehmen rasch aufschließen können, um alle heimischen Märkte sowie die internationalen selbst zu bedienen. „Eine Strategie für deutsche Unternehmen könnte sein, zunächst ihre eigenen Märkte zu bedienen“, so Shin Wei Ng, Chinaexpertin bei E3G, einem Nachhaltigkeits-ThinkTank in London. Die Weichen hierfür könnte die Politik stellen, indem sie höhere CO2-Ziele definiert. Weiterhin schlägt Wei Ng strategische Partnerschaften der EU mit China zum Ausbau einer kohlenstoffarmen Wirtschaft vor. „Sonst droht ein Protektionismus – und dieser könnte beiden Wirtschaften schaden.“

Weitere Informationen:

Bericht 182 des Worldwatch Institutes zu Chinas Ausbau von Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz: www.reeep.org

Corinne Abele, Germany Trade & Invest: „Erneuerbare Energien in China auf dem Vormarsch“, Februar 2011. www.gtai.de

Studie der Boston Consulting Group Sunrise in the East. China's Advance in Solar PV and the Competitive Implications for the Industry“; Dezember 2010. www.bostonconsulting.com

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014