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Serie: Expo 2010

China unter Strom

Mit einer beispiellosen Subventionsoffensive fördert China die Elektrifizierung seines Verkehrs.

China unter Strom China unter Strom
energlobe.de, Denny Rosenthal

Mit über 13 Millionen verkauften Autos im vergangenen Jahr ist der chinesische Automarkt der größte der Welt. Da China einem beispiellosen Bevölkerungszuwachs entgegensieht und der Bedarf an Fahrzeugen drastisch steigen wird, forciert Peking den Ausbau der Elektromobilität. Bis 2030 will das Land Weltmarktführer für alternative Antriebe werden und sich einen Marktanteil von 80 Prozent sichern.

Auf Shanghais Straßen sollte man sich nicht allein auf das Gehör verlassen: Hier sind viele lautlose Verkehrsteilnehmer unterwegs. Etwa die mobilen Lieblinge der Shanghaier, die E-Bikes – eine Kombination aus Fahrrad und Motorroller. Betrieben werden sie von einer handelsüblichen Autobatterie mit Blausäure. Mit ihnen flitzen die Großstädter, oft zu zweit oder zu dritt, inklusive Gepäck vom lebenden Huhn bis zur Handtasche, geräuschlos durch die 19-Millionen-Metropole.

An den leisen Scootern lässt sich der Weg Chinas in eine moderne Mobilität gut nachzeichnen. Während sich noch vor wenigen Jahrzehnten der Großteil der Bevölkerung auf Drahteseln fortbewegte, sind es jetzt die rund 140 Millionen Elektroräder, mit denen viele ihre täglichen Wege zurücklegen. Wie bei den klassischen Fahrrädern braucht man für die Elektrobikes weder Führerschein noch eine Anmeldung. Die E-Bikes sollen diese nach und nach ersetzen. Mopeds und Motorräder wurden wegen ihrer Abgasbelastung in vielen Städten von der Zentralregierung ohnehin verboten.

Elektrische Mobilität als neuer Wachstumsmarkt

Auch auf dem Expo-Gelände fährt die Mobilität der Zukunft vor. Die Weltausstellung in Shanghai ist die erste, bei der nur elektrisch betriebene Fahrzeuge im Einsatz sind. Die Besuchermassen werden in Elektrobussen zu den Pavillons gebracht; für kurze Strecken stehen Golfbuggies bereit, die mit Strom statt Sprit fahren. Das Gelände entlang des Huangpu-Flusses erreichen die meisten mit der U-Bahn, die ebenfalls elektrisch betrieben wird.

In der elektrischen Mobilität sieht das Riesenreich einen lukrativen Wachstumsmarkt: Er könnte den Wirtschaftsboom langfristig absichern und die heimische Industrie zum Weltmarktführer in einer vielversprechenden Branche machen – den alternativen Antrieben. Die Weichen hat die Zentralregierung bereits früh gestellt. Sie weiß, der Nachholbedarf im Land ist groß.

Heute besitzen erst zwei von 100 Chinesen ein Auto; in den westlichen Industrieländern kommen 50 Autos auf 100 Menschen. Dies wird sich in den kommenden Jahrzehnten dramatisch verändern. So prognostizierte die chinesische Passagierfahrzeugvereinigung für 2010 einen Absatz von 17 Millionen Fahrzeugen. Bis 2020 könnten es sogar 20 Millionen neu zugelassene Pkw werden – mit absehbaren Folgen für die Umwelt. Schon jetzt stellt die Luftverschmutzung ein drängendes Problem dar. Den zu erwartenden Bedarf an Öl für Kraftstoffe kann das Land auch nicht decken. Die zunehmend kaufkräftigen Chinesen sollen deshalb mit Elektro-Autos mobil gemacht werden.

Weltmarktführer dank üppiger Förderprogramme und Subventionen

Um die Stromer mit Elektrizität versorgen zu können, investiert China massiv in den Ausbau Erneuerbarer Energien und baut Atomkraftwerke – mehr als jedes andere Land weltweit. Jede Woche geht in China ein neues Kraftwerk ans Netz, um den steigenden Energiehunger des Landes zu stillen. Um die Abgasbelastung in den Städten langfristig zu senken, erscheinen Elektroautos und -zweiräder als sinnvolle Alternative. Die Elektrovehikel fahren zwar ohne Abgase zu verursachen, doch ihr Betrieb mit elektrischer Energie erzeugt schädliche Emissionen – nur eben an einer anderen Stelle. Rund 70 Prozent des Stroms stammen derzeit aus Kohlekraftwerken. Um das Problem der Emissionen zu lösen und nicht zu verlagern, wird China neben der Erschließung umweltschonender Energiequellen auf die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (Carbon Capture and Storage, kurz CCS) setzen müssen.

Um die Nummer 1 auf dem elektrifizierten Automobilmarkt zu werden, unterstützt die Zentralregierung die Industrie mit üppig ausgestatteten Förderprogrammen und Forschungsinitiativen. „Die chinesische Strategie besteht nach wie vor darin, von den Technologien und Standards anderer Unternehmen zu lernen, um letztlich die eigenen Marken zu stärken“, erklärt Martin Lockström, Autor einer Studie zu E-Mobility des Centers for Automotive Research an der China Europe International Business School (CEIBS) in Shanghai.

Knapp zwölf Milliarden Euro hat Peking im Rahmen des 11. Fünf-Jahres-Plans (2006-2010) in die Entwicklung elektrischer Antriebstechnologien investiert. Bereits im kommenden Jahr sollen eine halbe Million Elektroautos in China produziert werden. Darüber hinaus erhält jeder Käufer eines E-Autos eine staatliche Prämie von umgerechnet 7.000 Euro. „Wir erwarten bereits im Jahr 2015 den kommerziellen Durchbruch für Elektroautos auf dem chinesischen Markt“, so Lockström. Und auch im neuen, 12. Fünf-Jahres-Plan, soll den Berichten chinesischer Zeitungen zufolge die massive Förderung von Elektrofahrzeugen fortgesetzt werden.

Deutsche Autokonzerne hoffen auf gute Geschäfte

Ferdinand Dudenhöffer, der aufgrund seiner langjährigen Expertise als Autopapst bezeichnet wird, sieht auf dem chinesischen Markt gute Chancen für deutsche Automobilhersteller. Besonders dann, „wenn die deutschen Marken weiterhin begehrt bleiben“. Immerhin könnten von den Förderungen und Steuererleichterungen auch deutsche Firmen profitieren, etwa mit Joint Ventures.

So startete Daimler 2008 eine Zusammenarbeit mit dem Auto- und Batteriehersteller BYD. Die Unternehmen entwickeln gemeinsam ein Elektroauto für den chinesischen Markt. BMW kooperiert mit dem Konzern Brilliance, um bis 2013 einen Plug-in Hybrid zu entwickeln. „Deutsche Automobilhersteller und -zulieferer haben die besten Marktchancen, wenn sie sich an die chinesische Marktstrategie anpassen und Fahrzeuge entwickeln, die den hiesigen Bedürfnissen entsprechen“, fügt China-Experte Wolfgang Bernhart von der Unternehmensberatung Roland Berger hinzu.

Deshalb ist China nicht nur an Joint Ventures mit ausländischen Firmen interessiert, das Riesenreich wagt sich auch an etablierte Märkte. Das zeigt beispielsweise die Übernahme des schwedischen Volvo-Konzerns durch Geely. „Das größte Defizit der Chinesen ist, dass sie noch keine eigenen starken Automarken haben“, sagt Bernhart, der den chinesischen Automarkt viele Jahre kennt. Trotz des hohen Innovationstempos habe China die westlichen Anbieter aber noch nicht ganz überholt: „Das wird sich aber bald ändern – zumindest in speziellen Branchen“, glaubt er.

Wettbewerbsvorteile mit Spezialtechnologien und seltenen Rohstoffen

Förderlich für die Einführung von Stromern sei die große Akzeptanz der Chinesen: „Weil ein Großteil der künftigen chinesischen Autofahrer noch nie ein anderes Auto hatte, werden sie mit einem Batterieantrieb gut klarkommen“, erklärt Dudenhöffer. Aufschluss über Nutzungsverhalten und Anforderungen an Elektrofahrzeuge sollen die Pilotprojekte des Programms „Ten Cities – One Thousand Cars“ liefern, die bis 2012 laufen. Nach anfänglich zehn, testen mittlerweile 20 Städte im ganzen Land Elektrofahrzeuge verschiedener Hersteller.

Währenddessen läuft auch die Forschung und Entwicklung auf Hochtouren. Laut der chinesisch-deutschen Wirtschaftsplattform Econet China arbeiten aktuell mehr als 100 Unternehmen allein an der Entwicklung von E-Autos, rund 2.000 Unternehmen produzieren Batterien. Dabei konzentriert sich die Volksrepublik China auf Lithium-Ionen-Batterien – immerhin verfügt China über Rohstoffreserven der Seltenen Erde Lithium. Auch die Zulieferer für die Magnet-Permanenttechnik, eine weitere alternative Antriebsart, können mit Wettbewerbsvorteilen rechnen, da China über 80 Prozent der Seltenen Erde Neodymium verfügt. Dieses Material wird für die Herstellung der Permanentmagneten benötigt.

Experten rechnen damit, dass von dem Wirtschaftsboom in Chinas Automobilsektor viele Hersteller noch lange profitieren können. So könnten deutsche Unternehmen in einigen Entwicklungsbereichen ihren Vorsprung gegenüber China sogar ausbauen. Beispielsweise beim effizienten Batteriemanagement: „Hier sind die Chinesen schwach aufgestellt und deutsche Firmen wie Bosch, Continental und Siemens führend“, stellt Bernhart fest. Auch bei der Entwicklung des Antriebs könne China mit westlichen Industrieländern nicht Schritt halten. „China verfügt hier zwar über die notwendigen Rohstoffe, nicht aber über das technische Know-how.“

Weitere Informationen:

Die Studie „China's ambition to become market leader in E-Vehicles“ der Unternehmensberatung Roland Berger über den Wachtsumsmarkt Elektromobilität in China vom April 2009 lesen sie hier.

Die Septemberausgabe des Econet China Monitors beleuchtet die Entwicklung des chinesischen Marktes für alternativ betriebene Fahrzeuge sowie die Perspektiven für deutsche Automobilhersteller. Download hier.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014