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Energieversorgung

Das Kraftwerk im Keller

Lichtblick entwickelt mit Volkswagen Blockheizkraftwerke und vernetzt sie zu einem virtuellen Kraftwerk.

Das Kraftwerk im Keller Das Kraftwerk im Keller
energlobe.de, Denny Rosenthal

Wie sieht in Zukunft das größte Gaskraftwerk Deutschlands aus? Gero Lücking, Vorstandsmitglied des Hamburger Ökostromanbieters Lichtblick, hat die Antwort auf diese Frage genau vor Augen: ein virtuelles Kraftwerk. Es ersetzt zwei Atomkraftwerke, verbraucht aber keinen zusätzlichen Platz, sondern verteilt sich auf die Keller von 100.000 Einfamilienhäusern. Für ihn besteht das virtuelle Kraftwerk aus vielen kleinen Blockheizkraftwerken (BHKW), die in Einfamilienhäusern Wärme erzeugen und gleichzeitig Strom in das öffentliche Netz speisen. Das ist das ambitionierte Geschäftsmodell, das Lichtblick mit dem Autokonzern Volkswagen in diesem Jahr auf den Weg bringen will.

Das Konzept

Der Ökostromanbieter will die Kellerräume von Wohnhäusern mieten und dort Blockheizkraftwerke aufstellen, die Gas, später vielleicht Biogas, verbrennen und so gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen. Die Wärme verbleibt im Gebäude und sichert dort über große Pufferspeicher die Energie für Warmwasser und Heizung. Der Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist. So ist es gängige Praxis bei einer BHKW-Aufstellung.

Das Besondere bei Lichtblick: Die Anlagen sollen dann Strom produzieren, wenn davon wenig im Netz ist – zum Beispiel wenn Windanlagen wegen einer Flaute still stehen. „Dadurch dass wir die BHKW mit einem großen Wärmespeicher ausstatten, entkoppeln wir Wärmeverbrauch und -erzeugung voneinander“, erklärt Lücking. „So erhalten wir auf der Stromseite mehr Flexibilität, um die Schwankungen der Erneuerbaren Energien auszugleichen.“

Lichtblick will in den nächsten Jahren 100.000 Anlagen installieren, miteinander vernetzen und als virtuelles Kraftwerk immer dann einsetzen, wenn der Preis für Strom an den Börsen wegen Knappheit besonders hoch ist. Darin liegt die Geschäftsidee: „Wir setzen auf den teuersten Strompreis an der Börse“, spitzt Lücking seine Strategie zu.

Anderer Ansatz bei der BHKW-Aufstellung

Lichtblick geht damit einen anderen Weg als bisherige Anbieter von BHKW. Bei der einzelnen Aufstellung eines Blockheizkraftwerks ist der Wärmeverbrauch im Haus die entscheidende Größe, nach der die Anlage ausgelegt wird. Je größer der Wärmebedarf im Gebäude, desto effizienter läuft die Anlage. Daher ist es immer noch schwierig, ein Blockheizkraftwerk in einem Einfamilienhaus mit niedrigem Wärmebedarf wirtschaftlich zu betreiben. (Vgl. energlobe-Artikel „Strom aus dem eigenen Keller“) Bei Lichtblick steht die Stromproduktion für das öffentliche Netz im Vordergrund, sodass das Blockheizkraftwerk nicht direkt auf den Wärmebedarf ausgelegt ist.

„Der Ansatz von Lichtblick ist interessant, aber es ist schwer vorstellbar, dass sich das finanziell trägt“, meint Georg Erdmann, Leiter des Instituts für Energietechnik an der Technischen Universität Berlin. Damit sich ein BHKW rechnet, sind andere Betreiber auf Volllaststunden von 5.000 bis 6.000 Stunden im Jahr angewiesen. Lichtblick setzt viel geringere Laufzeiten von 1.200 bis 1.500 Stunden an – da nur dann Strom produziert werden soll, wenn der Börsenpreis hoch ist.

Markteinführung in 2010

Bis jetzt gibt es sieben Referenzkunden in Hamburg mit Testanlagen. Im Sommer kommen die ersten Module regulär auf den dortigen Markt, im Herbst dann auch in Wolfsburg, Berlin, Braunschweig und Salzgitter. Ausgestattet werden Wohnhäuser, aber auch Industrie und Gewerbe mit einem jährlichen Wärmebedarf ab 40.000 Kilowattstunden. Laut der Deutschen Energieagentur benötigt ein Haushalt im Durchschnitt 35.000 Kilowattstunden pro Jahr. In den Fokus des Unternehmens fallen daher eher freistehende Mehrfamilienhäuser, die älter als 20 Jahre sind und ein neues Heizsystem brauchen. Für 5.000 Euro stellt Lichtblick die Anlage in den Keller, bezahlt eine Miete für die Stellfläche und vergütet den im BHKW erzeugten Strom mit 0,5 Cent je Kilowattstunde. Der Kunde zahlt für die Wärme – in Hamburg beispielsweise 5,79 Cent pro Kilowattstunde. Lichtblick verkauft den Strom an der Börse und erhält in den ersten zehn Jahren zusätzlich 5,11 Cent pro eingespeister Kilowattstunde Zuschuss.

Kooperation mit Volkswagen

Geliefert werden die Blockheizkraftwerke vom Autobauer Volkswagen, der damit neu in das BHKW-Geschäft einsteigt und Kompetenz in der Massenproduktion mitbringt. Bisher laufen BHKW bei den etablierten Anlagenherstellern wie Senertec, ecopower oder 2G eher in kleineren Stückzahlen vom Band, die Zielmarke von Lichtblick und VW sind 100.000 Anlagen.

Erweitertes Portfolio

Die KWK-Lobby begrüßt das Geschäftsmodell: „Das Lichtblick-Konzept ist ein spannendes Thema im Bereich der stromgeführten Blockheizkraftwerke“, sagt der Geschäftsführer des Branchenverbandes ASUE, Guido Bruch. TU-Dozent Erdmann ordnet die Idee in einen breiteren Zusammenhang ein: „Der Weg, den Lichtblick einschlägt, entspricht genau meinen Erwartungen.“ Das Unternehmen ist seit 1999 als reiner Stromhändler am Markt. „Betriebswirtschaftlich gesehen ist es notwendig, dass Lichtblick wie alle anderen Händler seine Bandbreite erweitert und in die Stromerzeugung investiert“, erklärt der Energieexperte. Auf lange Sicht könnten reine Händler auf dem Markt nicht bestehen bleiben – daher sei es nur konsequent, dass Lichtblick sein Ökostromportfolio ergänzt.

Weitere Informationen:

Das Geschäftsfeld Blockheizkraftwerk auf der Unternehmensseite:
http://lichtblick.de

Präsentation des Konzepts:
www.izes.de

Stefan Schultz: Vorwärts in die Schwarmstrom-Revolution. In: Der Spiegel, 01.10.2009.
www.spiegel.de

Videobeitrag: Das ZuhauseKraftwerk von LichtBlick und VW.
www.youtube.com

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014