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Grüne Pioniere (8)

Der Himmelssegler

Der Hamburger Stephan Wrage erfand die Skysails - Flugdrachen für große Schiffe. Sie sparen Sprit und schonen die Umwelt.

Der Himmelssegler Der Himmelssegler
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Vor wenigen Jahren wurde er für seine Idee noch ausgelacht. Heute verkauft der Hamburger Stephan Wrage mit seiner Firma Skysails Flugdrachen für große Schiffe. Sie sparen Sprit und schonen die Umwelt.

Die erste Testfahrt ging nach hinten los – mit einer alten Segel­jolle rückwärts durch das Hafenbecken. „Das war eine Lachnummer für alle, die es gesehen haben“, erinnert sich der Hamburger Unternehmer Stephan Wrage an jenes ungewöhnliche Manöver. Vor zehn Jahren wollte der heute 38-jährige Maschinenbau-Ingenieur mit einem Freund ein kleines Boot ohne Segel und Motor von einem Lenkdrachen ziehen lassen. Schon als kleines Kind hatte der leidenschaftliche Segler mit Vorliebe Drachen an den Elbufern steigen lassen. Und auch wenn bei der Jungfernfahrt nicht auf Anhieb die Richtung stimmte, war dem Tüftler doch eines klar: Die Kraft der Drachen ist so immens, dass es sich lohnt, die Idee weiterzuverfolgen.

Skysails sollen bald Standard sein 

2001 gründete er gemeinsam mit dem Schiffbau-Ingenieur Thomas Meyer die Firma Skysails. Sie ist heute der weltweit erste und einzige Hersteller automatisierter Zugdrachensysteme für Schiffe. Durch den Einsatz der Himmelssegel lassen sich der jährliche Treibstoffverbrauch und die Emissionen je nach Windverhält­nissen um zehn bis 35 Prozent senken, bei optimalen Wetterbedingungen sogar um die Hälfte. In Zeiten steigender Ölpreise und härterer Umweltschutzaufla­gen wird das Prinzip für viele Reeder immer interessanter. „In fünf bis sieben Jahren gehören Skysails zur Standardausrüstung auf großen Schiffen“, glaubt Stephan Wrage. „So selbstverständlich wie ein Rettungsboot.“

Die Schiffsbesatzung muss dafür nur wenige Handschläge tun. Die Technik funktioniert vollautomatisiert. Muss sie auch, sonst würde sich niemand dafür interessieren. Per Knopfdruck fährt am Bug des Schiffes ein Kran in 25 Meter Höhe aus, dort bläst sich das zusammengefaltete Segel mit einer Fläche von 300 Quadratmetern und mehr auf und steigt bis zu 400 Meter hoch. Je nachdem, wo der Wind am günstigsten ist. Ein Autopilot steuert das Skysail in eine Flugfigur ähnlich einer Acht. „Dadurch hat es 25 mal mehr Kraft als ein normales Segel“, erklärt der Ingenieur.

Liebling risikofreudiger Investoren  

Die Entwicklung solcher Autopiloten ist das eigentliche Knowhow der Firma. Fast 200 Patente stellen heute sicher, dass der Vorsprung gegenüber der Konkurrenz noch Jahre erhalten bleibt. Bis vor drei, vier Jahren hatte man Wrage für seine Pläne noch ausgelacht. Doch Ende 2007 verkaufte Skysails mit Sitz an den Kaimauern in Hamburg-Harburg die ersten Prototypen, inzwischen wurden insgesamt zehn Segel in alle Welt verkauft. Zu den Kunden zählen namhafte Unternehmen wie die Reederei Wessels. Zuletzt wurde auch Deutschlands größter Fischtrawler mit dem Drachen ausgestattet. Doch die flächendeckende Markteinführung gelang noch nicht. Das liegt vor allem daran, erklärt Wrage, das die Entwicklung der Himmelssegel zur Marktreife mitten in die Weltwirtschaftskrise vor knapp drei Jahren fiel. „Die Krise hat die Schifffahrt stark mitgenommen, das hat auch bei uns starke Spuren hinterlassen“, sagt Wrage, der bislang nur rote Zahlen schrieb.

Der Gründer hielt sich mit öffentlichen Fördermitteln über Wasser und dank Investoren, die er davon überzeugen konnte, mit seiner Idee am Ende erfolgreich zu sein. Im vergangenen Jahr sammelte er 15 Millionen Euro bei Risikokapitalgebern ein – soviel wie kein anderes deutsches Unternehmen im Bereich grüner Spitzentechnologie. Seit diesem Januar sei die Branche im Vergleich zur Krisenzeit „wie ausgewechselt“. Gerade wurde der größte Auftrag in der Unternehmensgeschichte eingefahren: Der Schweizer Konzern Cargill bestellte für einen Transportfrachter ein 320 Quadratmeter großes Zugsegel. Darüber hinaus rechnet man bei Skysails im Idealfall mit bis zu 20 weiteren Bestellungen. Wrage: „Wenn es so weitergeht wie in den ersten beiden Monaten, wird das ein ganz, ganz erfolgreiches Jahr.“ In zwei Jahren soll das Unternehmen mit 80 Mitarbeitern auf eigenen Füßen stehen und Gewinne erwirtschaften.

Ökomanager des Jahres 2008

Das technische Potenzial klingt gewaltig: Die Techniker bei Skysails tüfteln bereits an Segeln mit einer Fläche von 600 Quadratmetern und 70 Tonnen Zugkraft. Zum Vergleich: Die ersten Prototypen hatten lediglich rund acht Tonnen Zugkraft, was fast der Leistung eines Airbus-Triebwerkes entspricht. 2008 wurde Skysails auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos geadelt, indem es als einziges deutsches Unternehmen in den Kreis der innovativsten Firmen der Welt eingereiht wurde. Das Wirtschaftsmagazin Capital und die Umweltstiftung WWF kürten Stephan Wrage 2008 zum Ökomanager des Jahres.

„Auf die Reedereien kommen in den nächsten Jahren erhebliche Klimaschutzauflagen zu“, prognostiziert Wrage. So darf ab 2020 der Schwefelgehalt im Treibstoff nur noch 0,5 Prozent betragen, zuletzt waren es im Durchschnitt fast drei Prozent. Billiges Schweröl scheidet dann als Kraftstoff aus. Abgesehen davon werden die Ressourcen immer knapper und somit teurer. Dies alles spielt der Skysails-Technologie in die Karten. Sie hat laut einer Studie im Auftrag der Vereinten Nationen das Potenzial, pro Jahr etwa 100 Millionen Tonnen Kohlendioxid in der Erdatmosphäre einzusparen. Dies entspricht rund elf Prozent der deutschen CO2-Emissionen.

Zugdrachen für Privatyachten

Parallel hat der Pionier, zusammen mit Solarwaterworld, der Solarschiff­firma von Mitgründer Thomas Meyer, auch den Privatmarkt im Blick. Sein neuester Clou sind Lenkdrachen für Otto Normalverbraucher. „Wir planen eine komplett neue Art der Segelyacht“, so der gebürtige Hamburger. Weil sie keinen Segelmast benötigt und somit auch keinen Kiel als Gegengewicht, ist sie leichter, wendiger und liegt nicht schräg im Wasser. Solarkollektoren sollen einen Elektromotor speisen, falls Flaute herrscht. Potenzielle Interessenten dafür gebe es bereits.

Die Steuerung erfolgt natürlich wieder vollautomatisch. Damit der Wind niemanden rückwärts durch den Hafen zieht.

Weitere Informationen:

Mehr über die Firma Skysails im Internet: www.skysails.info 

Firmenportrait in der Frankfurter Alllgemeinen Zeitung, „Mit der Kraft des Drachens“: www.faz.net 

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014