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Stimmungsbarometer

DEX – der neue Energiewendeindex

Mit Anspielung auf den DAX präsentiert die dena jetzt den DEX, den deutschen Energiewendeindex, eine halbjährliche Stimmungsbeschreibung der Wirtschaft.

DEX – der neue Energiewendeindex DEX – der neue Energiewendeindex

Neben dem DAX jetzt den DEX, den deutschen Energiewende-Index. Am Namen erkennbar sehr ambitioniert - wie ist der Plan und warum jetzt?

Kohler: Wir halten einen solchen Index gerade jetzt für sinnvoll, weil wir damit die Stimmung insbesondere in der Wirtschaft und ihren einzelnen Branchen abfragen können. Deutschland ist ein Industrieland und zusammen mit der Politik betonen wir immer wieder, das auch bleiben zu wollen. Wir fragen nicht nur ab, wie die heutige Situation eingeschätzt wird, sondern auch wie die Erwartungen in zwölf Monaten aussehen. Damit ergibt sich ein Stimmungsbarometer, das Signale sendet, auf die gegebenenfalls reagiert werden kann oder muss.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse der ersten Befragung?

Die deutsche Industrie betrachtet die Versorgungssicherheit und die Preisentwicklung mit großer Sorge. Sie vermisst außerdem Rahmenbedingungen mit denen die Risiken für Investitionen in die Energiewende berechenbar werden, Stichwort Kraftwerke und Netzausbau. Wenn man das Zieldreieck der Energiepolitik betrachtet, also Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit, dann hat sich in den Augen der deutschen Wirtschaft dieses Zieldreieck einseitig in Richtung Umwelt verschoben.

Welche Schlussfolgerungen lassen sich schon jetzt aus den Ergebnissen des ersten DEX ableiten?

Um die Ziele der Energiewende in der veranschlagten Zeit erreichen zu können, brauchen wir die richtigen Rahmenbedingungen für Investitionen, besonders für den Netzausbau - sowohl Offshore als auch Onshore. Für die Offshore Windanlagen und ihre Anbindung muss schnellstens die Frage der Haftungsrisiken gelöst werden. Danach kann man - falls immer noch notwendig - weiter über neue Strukturen für die Netzgesellschaften nachdenken.
Zweitens benötigen wir Rahmenbedingungen für die Schaffung sogenannter "Kapazitätsmärkte", ohne die es keine Investitionen in neue Kraftwerke gibt, die die Volatilität der erneuerbaren Energien auffangen. Dem Süden unseres Landes drohen ansonsten 2020 mit dem Abschalten der Kernkraftwerke immense Versorgungslücken.
Die dritte Schlussfolgerung betrifft das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Dieses Gesetz muss mit neuen energiewirtschaftlichen Steuerungselementen ausgestattet werden. Der ungesteuerte Ausbau der erneuerbaren Energien war bis zu einem Anteil von 20 Prozent noch relativ problemlos. Diese Situation ändert sich aber dramatisch bei einem Anteil in Richtung 40 Prozent und mehr. Deshalb brauchen wir eine Novellierung des EEG.

Welche Zeiträume sehen Sie ausgehend von der gegenwärtigen Debatte für die Verwirklichung der von Ihnen genannten Schlussfolgerungen aus dem DEX?

Die Frage der Haftungsrisiken für die Wind-Offshore-Anlagen sollte bis zum Sommer geklärt sein, also in wenigen Wochen und die der Kapazitätsmärkte bis Ende des Jahres.

Nicht erst, wie einige Stimmen fordern, mit mehr Zeit, um in Ruhe abwägen zu können, weil der zeitliche Druck überhaupt nicht so groß sei?

Nein, bis Ende des Jahres, denn wir müssen davon ausgehen, dass die Einführung solcher Kapazitätsmärkte ein bis zwei Jahre und die Planung und Realisation der Kraftwerke sechs bis sieben Jahre dauern. Damit sind wir schon im Jahr 2020 und zu diesem Zeitpunkt werden diese Kraftwerke schon gebraucht. Da ist einfach keine Zeit mehr zu verlieren.

Ihre Erwartung für die Novellierung des EEG?

Meine Erfahrung stimmt mich nicht sonderlich optimistisch. Vor der Bundestagswahl im nächsten Jahr wird niemand das EEG in der von mir skizzierten Weise anfassen, auch wenn ich das für dringend erforderlich halte.
Die dena hat schon 2003 in ihrer ersten Netzstudie deutlich darauf hingewiesen, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien dringend mit dem Ausbau der Netze einhergehen muss. Damals wurde der dena und auch mir persönlich der Vorwurf gemacht, mit dieser Aussage nur den Ausbau der Windenergie aufhalten zu wollen. Jetzt endlich - nach neun Jahren - hat diese Erkenntnis den ihr entsprechenden politischen Stellenwert erreicht.
Deshalb ist es wichtig, die Notwendigkeit einer Novellierung des EEG jetzt auf die Tagesordnung zu setzen, auch wenn diese Reform nicht sofort realisierbar erscheint.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014