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Grüne Pioniere (5)

Raumantrieb für Jedermann

Manfred Stefener baut seit fünf Jahren als einziger Hersteller weltweit kommerzielle Brennstoffzellen für den Privatgebrauch.

Raumantrieb für Jedermann Raumantrieb für Jedermann
Elcomax

Strom aus chemischen Reaktionen gilt vielen als Zukunftsmusik – nicht für Manfred Stefener. Der Münchner baut seit fünf Jahren als einziger Hersteller weltweit kommerzielle Brennstoffzellen für den Privatgebrauch. Jetzt will er den Automobilmarkt aufmischen.

Die Glühbirne im Kühlschrank seiner Studenten-WG empfand Manfred Stefener seinerzeit als überflüssig und schraubte sie heraus. Den Rest der Wohnung bestückte der 1,96-Meter-Hühne mit Energiesparlampen – für 34,99 Mark das Stück. Daran erinnert sich der 40-Jährige genau, ebenso an die Mitbewohner, die ihn ein wenig ob seines Sparsinns belächelten.

Auch die Finanzindustrie nahm Stefener zunächst nicht Ernst. Es war die Zeit des Internetbooms zum Ende des alten Jahrtausends. Risikofreudige Geldanleger schossen wie Pilze aus dem Boden; rund um die IT-Branche baute sich eine gewaltige Spekulationsblase auf. Energieunternehmen galten damals als „old economy“, erzählt der Unternehmer. Im Businessplan-Wettbewerb an der Uni München wurde er für seine Idee ausgelacht.

Die Vision: Brennstoffzelle als handliches Hightech-Gerät

Der junge Mann träumte von der Brennstoffzelle für Jedermann. Ein kleines, handliches Hightech-Gerät für unterwegs, in dem durch chemische Reaktionen Strom erzeugt wird. Bis dato gab es nur größere, teure Prototypen der Zukunftstechnologie, die selten zum Einsatz kamen, etwa im Apollo-Space-Shuttle oder als U-Boot-Antrieb.

Während große Autofirmen damals großspurig ankündigen, binnen fünf Jahren hunderttausende Fahrzeuge mit den ökologischen Stromantrieben auf die Straßen zu bringen, baut Stefener still und heimlich die Kraftwerke im Mini-Format, tausendfach kleiner, vor allem für den Freizeitbereich. Er fand finanzielle Unterstützer – und hatte schließlich Erfolg. Aus der Vision wurde ein florierendes Geschäft.

Startup war 280 Millionen Euro wert   

Im Jahr 2000 gründete Stefener die Firma SFC und verkaufte nach fünf Jahren Forschung und Entwicklung die erste Brennstoffzelle für den Privatgebrauch. Während die Welt weiter auf den Wasserstoffantrieb in Autos wartet, deckt Stefeners Erfindung seit fünf Jahren den Strombedarf in Wohnmobilen, Segelbooten, Wetterstationen oder Funkgeräten des Militärs – von der Antarktis bis nach Japan. Mehr als 20.000 Stück liefert der Weltmarktführer pro Jahr, deutlich mehr als die Prototypen aller anderen Hersteller zusammen. Stolz ist er vor allem darauf, bisher ohne staatliche Subventionen ausgekommen zu sein, abgesehen von Fördermitteln für die Forschung.

Auf dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos erhielt er 2005 als einziger deutscher Unternehmer den Titel „Technology Pioneer“ im Bereich Energie. Das US-Magazin „Red Harring“ kürte ihn als einzigen Deutschen zu einem der 100 innovativsten Unternehmern. Im Mai 2007 ging SFC an die Börse. In Spitzenwerten war das Startup 280 Millionen Euro wert. Heute hat Stefener 96 Prozent seiner Anteile verkauft und ein neues Unternehmen gegründet.

Das Prinzip: Flüssigkeit raus, Strom rein

Brennstoffzellen sind theoretisch ein alter Hut. Das Prinzip wurde vor 150 Jahren erfunden: Sie verwandeln die gespeicherte Energie eines Brennstoff durch einen chemischen Prozess direkt in Elektrizität. Eine Verbrennung, notwendiger Zwischenschritt in fossilen Kraftwerken und Motoren, ist nicht mehr nötig. Dadurch hat die Brennstoffzelle als solche einen hohen Wirkungsgrad von über 50 Prozent. Zum Vergleich: Kohlekraftwerke sind mit rund 35 Prozent deutlich ineffizienter.

Das Problem: Der eingesetzte Rohstoff – heute wird aus technischen Gründen meist Wasserstoff verwendet – muss erst einmal produziert, gespeichert und transportiert werden. Dadurch geht ein Großteil der positiven Energiebilanz verloren, die Technik wird aufwendig und teuer. Für kleinere, preiswerte Anwendungen im privaten Bereich scheidet er praktisch aus. Der Clou der Geräte von Stefener: Sie verwenden statt Wasserstoff Methanol, also flüssigen Alkohol, der in kleinen Kanistern zu speichern und so einfach zu handhaben ist. „Flüssigkeit rein, Strom raus, so einfach ist das“, erklärt der Erfinder.

Seit 18 Jahren beschäftigt sich der Maschinenbau- und Chemieingenieur, einst deutscher Meister im Rudern, nun schon mit Brennstoffzellen. Nach einer Studienarbeit ließ ihn das Thema nicht mehr los, auch nicht in der Promotion. Damit war er zur damaligen Zeit ziemlich allein, denn einen Lehrstuhl, der sich mit Brennstoffzellen beschäftigte, gab es noch nicht. Er baute ihn an der Uni München mit auf. Eine erfolgreiche Karriere als Unternehmer war nie Stefeners Plan, der kam erst mit der Idee, sagt der Sohn eines Beamten und einer Angestellten. „Rückblickend war das ein sehr glücklicher Weg.“

Neuanfang mit Elcomax

Als im Jahr 2005 abzusehen war, dass SFC mit inzwischen 45 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 25 Millionen Euro auf einem guten Weg ist, sah er den Zeitpunkt gekommen, die Leitung abzugeben. Einst Vorstandschef, dann Aufsichtsrat, ist Stefener heute ein einfacher Shareholder mit einer Beteiligung von vier Prozent. Stefener wagte einen Neuanfang. Sein Ziel ist nichts geringeres als der Brennstoffzelle auch auf dem Massenmarkt zum Durchbruch zu verhelfen. Sie sollen einen relevanten Beitrag zur Energieversorgung liefern.

Dazu gründete er im Jahr 2007 Elcomax. Die Firma im Münchner Stadtteil Perlach konzentriert sich darauf, die Kosten für das Herzstück der Brennstoffzelle, einen Katalysator aus Platin, deutlich zu drücken. Pionier Stefener entwickelt ein Verfahren, bei dem die chemischen Elemente in dem Metall stärker aktiviert werden. So benötigt man weniger Platin. „Wir wollen die Kosten auf ein Zehntel bis Zwanzigstel reduzieren, dann wird es für die Massenanwendung interessant“, frohlockt der Manager. Er steht bereits im engen Kontakt mit Automobilfirmen, welche das sind, will er aber noch nicht verraten.

Fortschritte erhofft er sich auch bei der Produktion geeigneter Brennstoffe. Irgendwann soll es möglich sein, unter anderem Kohle und Gas zu 70 Prozent in Wasserstoff umzuwandeln. Der verbleibende Rest besteht aus CO2, Kohlenmonoxid und Wasser. Außerdem könnte der Wirkungsgrad der Brennstoffzelle noch deutlich verbessert werden, indem die Abwärme bei der Stromerzeugung nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) zum Heizen genutzt wird. Dadurch steigt der Wirkungsgrad auf 100 Prozent.

Brennstoffzellen für den Automarkt 

In drei Jahren soll die KWK-Technik marktreif sein, schätzt Stefener. Der Einsatz in Autos werde noch etwas länger dauern, weil der Kostendruck der Hersteller ungleich größer ist. Stefener wagt eine Prognose: „Ich glaube fest daran, dass Brennstoffzellen in acht Jahren mit Verbrennungsmotoren konkurrieren können.“

Weitere Informationen:

Homepage der Firma Elcomax: www.elcomax.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014