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Emissionen

Shoppen statt Sparen

Nur sechs Prozent der zu Beginn am Emissionshandel beteiligten Unternehmen investierten in die CO<sub>2</sub>-Reduktion.

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energlobe.de

Der europäische Emissionshandel hat in der Anfangsphase offenbar die erhoffte Wirkung verfehlt. Das dokumentiert eine Unternehmensbefragung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der staatlichen Förderbank KfW. Das "CO2-Panel" basiert auf Aussagen von 120 deutschen Unternehmen, die bereits an der ersten Handelsphase zwischen 2005 und 2007 teilnahmen. Demnach hat der Zertifikatehandel erstaunlich wenige Teilnehmer bewogen, in klimaschonende Technologien zu investieren. "Nur sechs Prozent der Unternehmen gaben an, dass die CO2-Minderung der Hauptgrund für Investitionen war", heißt es in der Studie vom März 2010. Zwar haben 66 Firmen, mehr als die Hälfte also, ihren Treibhausgasausstoß nach eigenen Angaben gesenkt. Allerdings sahen 58 Firmen darin lediglich um einen Nebeneffekt bei der Optimierung von Produktionsprozessen.

Großemittenten sind aktive Händler

Statt in Vermeidungstechniken zu investieren decken sich die Unternehmen momentan mit den preiswerten Zertifikaten ein. Laut CO2-Barometer nutzten in Deutschland drei Viertel der Unternehmen zumindest einmal die Möglichkeit, Zertifikate zu kaufen oder zu verkaufen. Allerdings handeln nur 13 Prozent der Unternehmen öfter als einmal pro Jahr. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit weniger als 250 Mitarbeitern sind dabei weit weniger aktiv als die Großen; nur knapp 4 Prozent der KMU kaufen oder verkaufen Zertifikate mehr als einmal im Jahr. Im Gegensatz dazu handeln mehr als 10 Prozent der großen Emittenten zumindest einmal pro Woche.

KMUs im Nachteil

Kleinere Firmen mit geringeren Emissionen könnten laut Studie in dem derzeitigen System benachteiligt werden. Für sie sind die Kosten und Unsicherheiten womöglich ein Grund dem Markt fern zu bleiben und nur zum Ende der Handelsperioden 2008 und 2012 ihre Über- oder Unterausstattung auszugleichen. Größere Emittenten mit eigener Handelsabteilung hingegen können von einer aktiven Teilnahme am Markt profitieren. Ihre Kosten für die Beobachtung des Marktes und die Informationsbeschaffung machen sie laut Studie durch Handelsgewinne wett und erzielen so einen geringeren durchschnittlichen Preis. Deshalb ist ihr Anreiz zur CO2-Einsparung geringer.

Banken sollen Marktzugang erleichtern

Kleinemittenten hingegen werden laut Studie stärker belastet. Sie sind demnach im Durchschnitt mit höheren Preisen konfrontiert. Dieses Argument dürfte umso mehr in Gewicht fallen, wenn die Wirtschaft künftig einen größeren Teil ihrer Zertifikate ersteigern muss und das Preisniveau insgesamt dadurch steigt. Deshalb plädieren die Forscher von KfW und ZEW dafür, den kleineren Firmen den Marktzugang zu erleichtern. Helfen könnten ihnen Intermediäre wie Banken und spezielle Dienstleister. Wie aus der Umfrage hervorgeht, wird deren Hilfe bislang nur selten genutzt.

Zu viele Zertifikate, zu geringer Preis

Der Emissionshandel wurde 2005 eingeführt, um die Kohlendioxidemissionen zu reduzieren. Weil Unternehmen nur noch ein bestimmte Menge ausstoßen dürfen, müssen sie entweder Verschmutzungsrechte kaufen oder in Klimaschutz investieren. Der Handel leidet aber an einem Überangebot an Zertifikaten und einem zu geringen Preis, der zwischenzeitlich sogar gegen Null tendierte. Schuld daran ist eine zu großzügige Ausstattung der Industrie mit kostenlosen Emissionsrechten – ein politischer Kompromiss, um die Wirtschaft ins Boot zu holen. Hinzu kam die Wirtschaftskrise, die zu einem starken Rückgang des Kohlendioxidausstoß geführt hat. Deshalb wird in der EU derzeit diskutiert, Zertifikate vom Markt zu nehmen, einen Mindestpreis einzuführen oder Klimaschutzinvestitionen stärker zu fördern. Die Unternehmen ihrerseits wünschen sich laut CO2-Panel "klare politische Vorgaben und längere Planungszeiträume".

Weitere Informationen:

Die vollständigen Ergebnisse des CO2-Panel "Vermeiden oder kaufen – Deutsche Unternehmen im Emissionshandel": www.zew.de
Die Unternehmensbefragung wird von einer Expertenbefragung auf Quartalsbasis, dem KfW/ZEW CO2 Indikator, ergänzt. Dabei werden unter anderem Preiserwartungen für Emissionsrechte ermittelt.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014