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Serie: Expo 2010

Türöffner für Chinas grüne Märkte

Magali Menant von der Deutschen Außenhandelskammer in Shanghai im Interview mit energlobe.de.

Türöffner für Chinas grüne Märkte Türöffner für Chinas grüne Märkte
Foto: econet china

Magali Menant leitet die Abteilung Energie, Gebäude und Umwelt der Deutschen Aulandshandelskammer in Shanghai. Die von Unternehmen wie Rehau, Siemens und Wacker initiierte Plattform versteht sich als Partner für deutsche Firmen, die auf dem chinesischen Markt Fuß fassen wollen. Im energlobe.de-Interview erklärt die Wirtschaftswissenschaftlerin, welche Chancen deutsche Unternehmen im Wirtschaftswunderland China haben.

Die deutsche Industrie ist gespalten: Einige Branchen profitieren von der boomenden chinesischen Wirtschaft, andere fürchten die Konkurrenz aus Fernost. Wie groß sind die Chancen für deutsche Unternehmen in China derzeit wirklich?

Magali Menant: Viele deutsche Unternehmen verdienen an Chinas Wachstum. Das Konjunkturprogramm fördert – direkt und indirekt – besonders den Energie- und Transportsektor. Laut einer Befragung der Auslandshandelskammer vom Anfang des Jahres unter deutschen Unternehmern, erwarten die meisten ein weiteres Wachstum und Ertragssteigerungen. Bereits 2009 zeichnete sich China als Wachstumsmarkt ab. 2010 setzte sich der Trend zwar fort, doch deutsche Firmen müssen zunehmend auf ein sorgfältiges Kostenmanagement achten, denn die Ausgaben steigen aufgrund höherer Arbeitskosten. Der Markt bleibt aber weiterhin lukrativ: Rund 60 Prozent der Befragten gaben an, ihre Investitionstätigkeiten ausgebaut zu haben.

Eine der größten Sorgen deutscher Unternehmen ist ein Anstieg des lokalen Protektionismus, der ausländischen Unternehmen in einigen Segmenten der Greentech Industrie, wie etwa der Solar- und Windindustrie, Probleme bereitet hat. Gleichzeitig erwarten die befragten Unternehmer ein Abflachen der Wachstumsrate – wahrscheinlich, weil es noch keine Strukturreform im Lande gegeben hat.

Der Bausektor entwickelt sich rasant. In den letzten Jahren wurde nicht nur viel gebaut, der Trend geht auch deutlich in Richtung energiesparendes Bauen. Welche Probleme beobachten Sie dabei?

Menant: Das größte Problem ist das Tempo in dem die neuen Gebäude entstehen. Das lässt einen Wechsel hin zu energieeffizientem Bauen nicht so schnell zu: Die Lebensdauer der Häuser hier liegt unter 30 Jahren; in den Industrieländern hält ein Haus etwa 100 Jahre. Weil nicht langfristig geplant wird, entsteht ein Gebäudebestand von geringerer Qualität, was auch zu einer enormen Verschwendung von Ressourcen führt.

Die Zentralregierung begann 2006, sich mit dem Thema Energieeffizienz in Gebäuden zu beschäftigen. Seitdem wurde viel erreicht: Von der Einführung strengerer Standards bis hin zur Entwicklung von Rating- und Zertifizierungssystemen. Das Hauptthema für einen sichtbaren Wechsel bleibt: die Einhaltung von Standards, mit der auch eine verstärkte Kontrolle und Überwachung des Sektors einhergeht. Weiterhin fehlen qualifizierte Arbeitskräfte, die sicherstellen sollen, dass Standards im Bausektor auch auf der Baustelle eingehalten werden. Dafür sind Weiterbildungen und Schulungsmaßnahmen notwendig. Die Zentralregierung ist sich dieser Herausforderungen bewusst; die Durchführung ist immer noch schwierig, besonders auf lokaler Ebene. Insgesamt fehlt es noch an Anreizen, in langlebige und energieeffiziente Gebäude zu investieren, um damit Energie und demzufolge auch Geld zu sparen.

Ein Schlüssel zu mehr Effizienz stellt auch der Gebäudebestand mit einer Fläche von über 40 Milliarden Quadratmetern dar. Für einen umfassenden Sanierungsplan wären nicht nur mehr technische und betriebswirtschaftliche Kapazitäten vonnöten, sondern auch neue Finanzierungsmodelle. Diese Themen erhitzten in China gerade die Gemüter: Wie soll eine Welle von Sanierungen angestoßen und finanziert werden? Diskutiert werden derzeit Varianten des Energiecontracting sowie Häuserfonds. Das ist besonders für den Wohnsektor entscheidend, wo meist viele Besitzer für ein einziges Haus die Entscheidungsfindung beeinträchtigen.

Welche Entwicklungen wird der kommende 12. Fünf-Jahresplan fördern?

Menant: Wir erwarten einen weiteren Schub bei den Umwelttechnologien, der Ressourcen- und Energieeffizienz. Der soziale Wohnungsbau wird eine zentrale Rolle einnehmen, gleiches gilt für die Steigerung der Ressourcen- und Energieeffizienz. Der Fokus richtet sich weiterhin auf die Automobilbranche, hier drängt China mit der Entwicklung von Elektrofahrzeugen auf die Märkte. Die Reduzierung des Stromverbrauchs war ein zentrales Ziel im 11. Fünf-Jahresplan, für den Zwölften wird ein Vorstoß bei der Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes erwartet.

70 Prozent der Elektrizität in China wird in Kohlekraftwerken hergestellt, was mit enormen Emissionen verbunden ist. Wird die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (Carbon Capture and Storage, kurz CCS) deshalb zu einem wichtigen Zukunftsmarkt anwachsen?

Menant: Die EU hat mit China gerade einen Kooperationsvertrag für CCS-Technologien unterzeichnet. Dies zeigt die Bemühungen beider Seiten, diese teure und noch nicht ausgereifte Technologie zu fördern. Sie birgt ein großes Potenzial bei der Verminderung der Treibhausgasemissionen für China. Einige Studien haben bereits die Optionen für eine geologische Speicherung untersucht. Alles wird davon abhängen, ob die Technologie schnell genug in kosteneffiziente Marktlösungen umgewandelt werden kann.

Wir erwarten auch, dass China seine Marktmechanismen verändern wird, um Emissionen einzusparen. Ein binnenstaatlicher Emissionshandel wird von der Regierung stark befürwortet. Es besteht ein großes Potenzial für Energieeffizienz, um Emissionen zu vermindern.

Wie wird sich die chinesische Wirtschaft in den kommenden fünf, zehn Jahren verändern?

Menant: Die chinesische Industrie ist gekennzeichnet von einer Taktik des „Nachfolgens“. Seit etwa der Solarmodulhersteller Suntech erfolgreich aufstieg, folgten diesem beispielhaften Geschäftsmodell 500 weitere Unternehmen. Dasselbe passiert in der Windindustrie und in vielen anderen Bereichen und funktioniert aufgrund der grundsätzlichen Förderung der Industrie durch den Staat recht gut. Doch immer wenn sich eine Wirtschaft erhitzt, steigen auch immer mehr Firmen in den Markt ein. Das zeigt sich bei den existierenden Überkapazitäten, welche die Zentralregierung beunruhigen.

Ein anderer Charakterzug bestimmt die Industrie ebenfalls: Erfolgreiche Geschäftsleute wie Wang Chuanfu vom Automobilhersteller Built Your Dreams (BYD) oder Zhang Yue, Gründer des Klimaanlagenherstellers Broad AirCo, gelten als Visionäre. Erfolgsgeschichten, wie die dieser Unternehmer, beeinflussen die Entwicklungen des Marktes auch in der Zukunft.

Betrachtet man dann weitergehend die Investitionsförderung in den Industrieparks der Städte, ist ein deutliche Verlagerung von den klassischen Industriezweigen hin zu den grünen Technologien für Solar- und Windenergie, Elektromobilität sowie innovative Zukunftsmaterialien erkennbar. Ob dies tatsächlich nachhaltig wirkt oder wiederum zu neuen Überkapazitäten führt, ist noch offen. Die aktuelle Ankündigung zum 12. Fünf-Jahresplan verstärkt jedenfalls diese Ausrichtung.

Welche Erfahrungen machen Sie derzeit mit Ihrer Plattform econet china?

Menant: Der Trend hin zur "low carbon"-Wirtschaft ist in aller Munde. Stadtplaner verfolgen diesen Trend und seine Lösungen aufmerksam. Mit econet china unterstützen wir unternehmerische Vorhaben auch in diesem Sektor. Wir stellen Kontakt zu Experten her, unterbreiten Strategien und begleiten Pilotprojekte. Seit 2006 haben wir beispielsweise vier Demonstrationsprojekte zu energieeffizientem Bauen in Shanghai initiiert; weitere drei Projekte sind derzeit in der Pipeline: Der Bau einer energieeffizienten Fabrik in Kunshan, ein Weiterbildungszentrum in Taicang sowie ein Bürokomplex in Shanghai, der erstmalig eine Zertifizierung nach dem deutschen Gütesiegel der deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen erhalten wird.

Außerdem unterstützen wir Baukonzepte nach dem Passivhausstandard. In diesem Jahr hatten wir besonders viele Nachfragen von Bauunternehmern oder direkt von Städten. Obwohl das Interesse im Moment sehr groß ist, müssen wir sehen, was in einigen Jahren auch tatsächlich erreicht wurde.

Weitere Informationen:

Die Homepage von econet china veröffentlicht tagesaktuell Wirtschaftsnachrichten aus China sowie Studien und Projekte: www.econet-china.com

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014