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Klimawandel

Auf der Kippe

Bestimmte Klimaveränderungen sind irreversibel und haben weltweit gravierende Folgen.

Auf der Kippe Auf der Kippe
energlobe.de, Denny Rosenthal

Forscher haben neun Kippelemente für das Weltklima identifiziert, darunter den Amazonas-Regenwald und den Eisschild Grönlands. In diesen Regionen könne der an sich nur schleichend vorangehende Klimawandel noch in diesem Jahrhundert drastische Folgen für den Planeten bewirken, warnen die Forscher in einem soeben veröffentlichten Fachbeitrag. Versicherungen nehmen die Gefahr sehr ernst und treffen Vorkehrungen.

Es tropft in Grönland. Tropfen um Tropfen um Tropfen schmilzt der Eisschild, der dort seit Jahrhunderten über dem Land liegt, aufgrund des globalen Temperaturanstiegs. In Rottderdam, New York und Rio de Janeiro ist davon noch nichts zu spüren. Sollten die Temperaturen jedoch weiter steigen, könnte der Eisschild irgendwann komplett zerfallen, und das hätte gravierende Folgen weltweit. Der Meeresspiegel könnte dann um bis zu sechs Meter ansteigen, sodass zahlreiche Küstenregionen überflutet würden. Der grönländische Eisschild gilt als ein potenzielles Kipp-Element.

Bestandteile des Klimas von subkontinentaler Größe

So bezeichenen Wissenschaftler Bestandteile des Klimas von mindestens subkontinentaler Größe. "Dazu gehören Strömungsstrukturen, Eiskörper und Lebensräume, die schon durch kleine externe Störungen in einen neuen Zustand versetzt werden können", erläutert Hans-Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Bislang gehe der Klimawandel zwar schleichend voran, doch die Erwärmung könne in bestimmten Regionen der Erde noch in diesem Jahrhundert drastische und teilweise unumkehrbare Entwicklungen mit weitreichenden Folgen anstoßen. Die Umweltauswirkungen könnten die Lebensgrundlagen vieler Millionen Menschen gefährden.

Neun potenzielle Kipp-Elemente

Bereits 2008 befragten Schellnhuber und eine Forschungsteam mehr als 50 Erdsystemexperten und identifizierten neun potenzielle Kipp-Elemente, die von der internationalen Klimapolitik besonders zu berücksichtigen seien. Denn ihr Kippen könnte das Leben vieler Menschen oder aber das Klima weltweit beeinflussen. Dazu zählen sie den Grönländischen und den Westantarktischen Eisschild sowie das arktische Meereis; den Amazonas-Regenwald und die Borealwälder im Norden Kanadas und Russlands; den westafrikanischen Monsun und den indischen Sommermonsun sowie die Wasserströmungen El-Nino-Phänomen in Kombination mit der Südlichen Oszillation und die Thermohaline Atlantikzirkulation

Dieser Wasserkreislauf sei gewissermaßen "das archetypische Kippelement", sagt Schellnhuber. Der Strömungskreislauf im Atlantik wird von Meerwasser angetrieben, das in den Nordatlantik strömt, sich dort abkühlt und absinkt. Strömt dort mehr Süßwasser ein, aus Flüssen oder von abschmelzenden Gletschern, verringert sich seine Dichte. "Bei einer globalen Erwärmung von drei bis fünf Grad Celsius könnte der Süßwasserzufluss so stark werden, dass ein Kipp-Punkt überschritten wird und die Tiefenwasserbildung aussetzt", sagt der Klimaforscher. Der Nordatlantikstrom - und der damit verbundene Transport von Wärme und Nährstoffen - wäre unterbrochen und der Meeresspiegel könnte stellenweise um bis zu einem Metter steigen.

Als Bestandteile des Klimasystems sind alle Kippelemente untereinander verbunden. Wissenschaftler nehmen an, dass ausgeprägte Dürrezeiten in Westafrika mit den vergangenen Abschwächungen der Umwälzströmung zusammenhängen, so Schellnhuber. Denn eine Abkühlung des Meeres im Norden bedeute eine Erwärmung im Süden, die sich auf das Klima der Südhalbkugel auswirkt und tropische Niederschlagsgürtel verschieben könne. Wenn jedoch der indische Sommermonsun oder der Niederschlag im Südwesten Nordamerikas in manchen Jahren ganz ausbleiben und in anderen übermäßig stark ausfallen, hat dies Ernteausfälle und in ärmeren Regionen zu möglicherweise Hungersnöten zur Folge.

Versicherer befürchten immense Kosten

Dass sich auch die Versicherungsbranche mit dem Thema Kipp-Elemente befasst, legt nahe, dass die Gefährdung real ist. Einer 2009 erschienenen Studie des deutschen Finanzkonzerns Allianz SE und der Umweltstiftung des deutschen WWF zufolge, könnten noch in diesem Jahrhundert wichtige Kipp-Punkte überschritte werden, was immense Kosten verursachen würde.

Das Abschmelzen der Polkappen könnte bereits vor 2050 zu einem Anstieg des Meeresspiegels von einem halben Meter führen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass dies in 136 großen Küstenstädten der Welt mit mehr als einer Million Einwohner Vermögenswerte von 28 Billionen US-Dollar gefährdet. Besonders die Städte an der amerikanischen Ostküste wie New York, Boston und Baltimore wären in diesem Szenario betroffen.

Der Südwesten der USA, hauptsächlich Kalifornien, könnte hingegen ähnlich wie Südeuropa von extremer Trockenheit betroffen sein. Die Studie schätzt, dass sich die Schäden durch Waldbrände bis 2050 auf jährlich bis zu 2,5 Milliarden US-Dollar verzehnfachen könnten.

Weitere Informationen:

Jahrbuch Ökologie 2011: Die Klimamanipulatuere

Studie von WWF und Allianz zu Kipp-Elementen und Auswirkungen auf die Assekuranz

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014