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Biokraftstoffe

Der neue Sonnensprit

Warum die zweite Generation des Biosprits als Hoffnung für einen CO<sub>2</sub>-armen Verkehrssektor gilt.

Der neue Sonnensprit Der neue Sonnensprit
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Biokraftstoffe sind Mittel für einen emissionsärmeren Verkehrssektor - und eine Brücke auf dem Weg zur E-Mobilität, die auf Erneuerbaren Energien basiert. Aufgrund der Nutzungskonkurrenz zu Nahrungsmitteln sind Biokraftstoffe jedoch stark in die Kritik geraten. Im Fokus stehen deshalb neue Sonnenkraftstoffe, die auch unverdünnt mit der heutigen Motorentechnik kompatibel sind.

Wettbewerb belebt bekanntlich das Geschäft. Das soll auch für Biokraftstoffe gelten. „Mit dem Ziel, Technologien zur Produktion von Biokraftstoffen der sogenannten zweiten Generation früher marktreif zu machen, wird die Bundesregierung eine Förderinitiative für vielversprechende Entwicklungs- und Demonstrationsvorhaben starten“, heißt es im Energiekonzept der Bundesregierung. Julia Klöckner, parlamentarische Staatssekretärin beim Bundeslandwirtschaftsministerium, erwartet „ein dynamisches Wachstum des Biokraftstoffmarktes“ und betont insbesondere das Zukunftspotential flüssiger Kraftstoffe aus Biomasse, auf Neudeutsch „Biomass to Liquid“ oder kurz BtL genannt.

BtL steht auch auf der europäischen Agenda zur Energieforschung ganz oben. Bruno Schmitz, zuständig für Erneuerbare Energien bei der EU-Generaldirektion Forschung, verweist auf den momentanen „Flaschenhals bei Biosprit“: Dessen Energiegehalt sei zu gering und die Logistikkosten noch viel zu hoch.

Konkurrenz unter den Biokraftstoffen stärken

Bei der ersten Generation sind die USA und Brasilien weiterhin Vorreiter. Bei der Erforschung der zweiten Generation von Biokraftstoffen gehört Deutschland zur Spitze. Lange stand die Bundesrepublik sogar allein auf weiter Flur. Aber diese Spitzenstellung der BtL-Forschung ist gefährdet, warnt Andreas Schütte von der Fachagentur nachwachsende Rohstoffe (FNR): „Gerade Schweden und Finnland haben in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht.“

Diese Konkurrenz hat laut Schütte jedoch auch Vorteile. „Verschiedene Ansätze der zweiten Generation werden zeitgleich entwickelt“. Dennoch werde bei der geforderten Steigerung des Biospritanteils am Energieverbrauch vorrangig auf die erste Generation gesetzt: „Es existiert bereits eine gute Infrastruktur“, erläutert der FNR-Experte. Für die Entwicklung der zweiten Generation sei dagegen „Ausdauer gefordert“, denn „die chemischen Prozesse sind äußerst komplex“. In der Tat: Allein die Umsetzung der ersten Forschungsphase für das BtL-Verfahren, der sogenannten Pyrolyse, dauerte am Karlsruher Institut für Technologie acht Jahre.

Tank oder Teller

Obwohl viele Forscher und Politiker große Hoffnungen auf die Biokraftstoffe setzen, stehen diese seit geraumer Zeit im Kreuzfeuer der Kritik. „Der Beitrag von Biokraftstoffen zur Vermeidung von Treibhausgasen ist unter den gegenwärtigen EU-Regeln möglicherweise negativ“, resümiert beispielsweise das Kieler Institut für Weltwirtschaft in einer aktuellen Studie. Aber nicht nur die CO2-Bilanz, sondern auch die Konkurrenz zwischen „Tank und Teller“ bei der Verwertung der Energiepflanzen wird vielfach kritisch betrachtet: Die Produktion von Biomasse auf bereits bestehenden Ackerflächen könne den Nahrungsmittelanbau verdrängen, heißt es im Kieler Papier weiter. Eine Studie des Londoner Instituts für europäische Umweltpolitik (IEEP) kommt zu ähnlichen Ergebnissen.

BtL als Brücke

Allen berechtigten Einwänden zum Trotz wird die Entwicklung von Biokraftstoffen voranschreiten. Für Joachim Schommers, Energieexperte beim Autokonzern Daimler, ist das eine Folge „schierer wirtschaftliche Vernunft“: CO2-Emissionen kommen die Verursacher zunehmend teuer zu stehen. Außerdem sei BtL auch in Reinform mit der derzeitigen Motorentechnik kompatibel. „Die Technologie ist eine Brücke oder Zwischenlösung, bis die E-Mobilität kommt, so Schommers. Auch der Volkswagen-Konzern betont die gute Integrationsfähigkeit des neuen Sonnensprits. Die Autobauer, so scheint es, wollen den derzeitigen Status quo bei Verbrennungsmotoren möglichst lange verteidigen – und BtL kommt ihnen dabei entgegen.

Aber nicht nur Autobauern, sondern auch Flugzeugbetreibern ist daran gelegen, ihre Emissionen durch Biosprit zu verringern. So kündigte Lufthansa bereits an, ab kommenden April auf einer Probestrecke zwischen Hamburg und Frankfurt Biosprit einzusetzen. Biokraftstoff der ersten Generation wird dem Kerosin dann anteilig beigemischt werden. Vorerst zwar nur für sechs Monate, aber immerhin. Noch ist das Thema häufig der Versuch, die eigene Außendarstellung zu verbessern, dennoch sind Biokraftstoffe eine der wenigen Optionen, um die hohen CO2-Emissionen des Verkehrssektors spürbar zu senken. Die Konkurrenz um die Treibstoffe wird sich deshalb weiter erhöhen. Auf die Frage, woher die vielen Rohstoffe künftig kommen sollen, antworten die Experten meist spontan - mit einem Achselzucken.

Weitere Informationen:

Homepage der Fachagentur nachwachsende Rohstoffe: www.nachwachsenderohstoffe.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014