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Energieträger

Mit Pflanzen weg vom Öl

In Deutschland gibt es bereits das Know-how, um eine biobasierte Wirtschaft aufzubauen – der Weg ist aber noch lang.

Mit Pflanzen weg vom Öl Mit Pflanzen weg vom Öl
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Mit der neuen Biomasse-Strategie 2030 stellt die Bundesregierung die Weichen für das Post-Ölzeitalter. In Deutschland gibt es bereits das Know-how, um eine biobasierte Wirtschaft aufzubauen – der Weg ist aber noch lang. Unklar bleibt weiter, woher die Rohstoffe überhaupt kommen sollen.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger ist voll des Lobes: Biomasse stelle eine der bedeutendsten Ressourcen für das Erreichen unserer Zielsetzungen für Erneuerbare Energien dar. „Sie trägt bereits zu mehr als der Hälfte des erneuerbaren Energieverbrauchs in der EU bei und liefert saubere, sichere und wettbewerbsfähige Energie“, betont der Kommissar. Biomasse ist ein wesentlicher Grund dafür, dass der Ökostrom-Anteil in Deutschland und ganz Europa künftig weiter ausgebaut werden kann. Im Energiekonzept der Bundesregierung, das eine Energiewende bis 2050 vorgibt, hat sie deshalb eine starke Rolle.

Flankiert wurde diese Vorgabe Ende letzten Jahres mit der „Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030“. Die Regierung lege damit die Grundlage für die Vision einer nachhaltigen biobasierten Wirtschaft bis zum Jahr 2030, deren vielfältiges Angebot die Welt ausreichend und gesund ernährt sowie mit hochwertigen Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen versorgt werde, schreibt das Bundesforschungsministerium (BMBF). „Mit der Forschungsstrategie zur Bioökonomie schlagen wir durch ganzheitliche Ansätze eine Brücke zwischen Technologie, Ökonomie und Ökologie“, betont Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF. Mit finanziellen Mitteln will die Regierung deshalb nicht geizen: 2,4 Milliarden Euro sollen insgesamt vergeben werden. Zwei Drittel stammen aus dem Budget des BMBF. 70 Prozent sollen im Rahmen von Projektförderung vergeben werden.

Weg vom Öl

Die erste konkrete Maßnahme ist eine Initiative zur industriellen oder sogenannten „weißen“ Biotechnologie, die mit 100 Millionen Euro in den nächsten fünf bis zehn Jahren vorangebracht werden soll. Sie ist ein wichtiger Impulsgeber für die Umstellung der Wirtschaft. Dabei werden herkömmliche chemische Produktionsprozesse zunehmend durch den Einsatz von Mikroorganismen oder Enzymen ersetzt. Die viertgrößte Branche in Deutschland würde dadurch vollständig umgekrempelt, da ihre Produkte zu 90 Prozent aus Erdöl bestehen.

Zum Teil können dadurch völlig neue Güter entstehen: Biopolymere als Kunststoffersatz, umweltverträgliche Chemikalien, Waschmittelenzyme und Lebensmittelergänzungsstoffe aus natürlichen Quellen gehören zu den Produkten. Bereits 2008 führte der Konsumgüterhersteller Henkel die Reinigermarke „Terra Activ“ auf Basis nachwachsender Rohstoffe ein, da ein erheblicher Kundenkreis begann, ein biologisches Bewusstsein zu entwickeln – diese Entwicklung treibt die Industrie zusätzlich.

Technisch-wissenschaftliche Basis vorhanden

Die technisch-wissenschaftliche Basis für eine Bioökonomie ist in Deutschland durchaus vorhanden. In nur zwei Jahrzehnten hat sich die Biotech-Branche mit rund 650 Unternehmen als Wirtschaftsfaktor etabliert. Daneben forschen nach Angaben der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) über 200 öffentliche Einrichtungen intensiv an neuen bio- oder gentechnischen Verfahren. „Die Politik muss nun rasch Innovationshemmnisse für die Biotechnologie entlang der gesamten Wertschöpfungsketten beseitigen“, fordert DIB-Chef Ricardo Gent. Ziel müsse es sein, international wettbewerbsfähige Vorgaben für die Bioökonomie zu schaffen. „Zudem brauchen wir Rahmenbedingungen, die ein Zusammenwirken der weißen, roten und grünen Biotechnologie ermöglichen“, so Gent. Damit meint er das Zusammenspiel in industriellen, pharmazeutischen und landwirtschaftlichen Bereichen.

Mit einer Pilotanlage in Leuna nahe der Stadt Leipzig will sich Deutschland dauerhaft an die Spitze in der Bioraffinerie-Forschung setzen. Industrieunternehmen proben hier die Umstellung vom Energieträger Öl zum nachwachsenden Rohstoff Holz. Der Forschungsverbund aus 20 Partnern will bis Ende 2011 eine 100-Tonnen-Testanlage in Betrieb nehmen. Das Projekt wurde gemeinschaftlich von Bund, Wissenschaft unter Federführung der Fraunhofer-Gesellschaft und dem Land Sachsen-Anhalt im April 2009 gestartet und arbeitet mit einem Budget von 50 Millionen Euro.

Biomasse ist universal einsetzbar

Derzeit erzeugt Biomasse 4,7 Prozent unseres Strommixes. Als Energieträger hat sie zwei unschätzbare Vorteile: Sie ist grundlastfähig und sie kann sowohl zur Strom- als auch zur Wärme- oder Kraftstoffproduktion eingesetzt werden. Dadurch kann sie den Ausbau der Erneuerbaren Energien entscheidend unterstützen, weil Wind- und Sonnenenergie nur unbeständig verfügbar sind, Strom aber rund um die Uhr verbraucht wird und sich Konsumenten nicht nach der Wetterlage richten wollen.

Durch die Steuerung mit Biomasse wird der Ökostrom zuverlässiger. „Zudem sollte sie dort eingesetzt werden, wo es keine Alternativen an erneuerbaren Energieträgern gibt“, so Daniela Thrän vom Deutschen Biomassezentrum in Leipzig. Dies sei zum Beispiel bei den Kraftstoffen der Fall, insbesondere beim Luftflugverkehr gebe es kaum andere Möglichkeiten, als Biokerosin einzusetzen, um die CO2-Emissionen zu reduzieren.

Gibt es genug Rohstoffe für die Biomasseziele?

Ungewiss sei jedoch noch immer, wo die Rohstoffe herkommen sollen und ob es global genügend Anbauflächen gebe. Das könne heute nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, da es gegenläufige Tendenzen gebe, so Thrän. „Gesicherte Potenziale gibt es in Europa, Russland sowie in Nord- und Südamerika, während die Potenziale in Asien und Afrika ungewiss sind“, so die Forscherin. Im Energiekonzept heißt es dennoch: Deutschland wird „zunehmend auf den Import von nachhaltigen Bioenergieträgern angewiesen sein“.

Weitere Informationen:

Homepage vom Bioökonomierat: www.biooekonomierat.de

Die nationale Forschungsstrategie Bioökonomie: www.bmbf.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014