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Stromspeicher

Ökostrom aus Kohlezechen

Ausgerechnet alte Kohlegruben unterstützen die Energiewende in Nordrhein-Westfalen.

Ökostrom aus Kohlezechen Ökostrom aus Kohlezechen
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Auf der Suche nach einem Speicher für Ökostrom sind auch alte Kohlegruben nicht mehr sicher. Doch während Forscher unschlüssig sind, ob sich das Verfahren rentiert, ist der Energieriese RWE optimistisch: Der Speicherstrom werde marktfähig sein.

Vier Professoren planen Recycling in großem Stil: Alte Kohlegruben und -schächte sollen künftig als Pumpspeicher fungieren und Windstrom konservieren. „Neben unterirdischen Steinkohlegruben untersuchen wir auch offene Tagebaulöcher vom Braunkohleabbau, die sogar besser als Pumpspeicher geeignet sind“, so Hermann-Josef Wagner, Professor für Energiesysteme und -wirtschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Zusammen mit drei Kollegen von der Universität Duisburg-Essen ist er auf der Suche nach regionalen Ökostromspeichern. Eine geplante Studie des interdisziplinären Professoren-Quartetts soll die Wirtschaftlichkeit ihrer Pläne detaillierter prüfen. Die spätere Umsetzung der Anlagen gelinge aber nur zusammen mit der Industrie, betont Wagner.

Fast zeitgleich beginnen RWE und der Bergbaukonzern RAG diese Idee selbst zu prüfen. „Wir brauchen dringend intelligente Konzepte, um die natürlichen Schwankungen der Windenergie auszugleichen“, so Fritz Vahrenholt, Chef von RWE-Innogy, der Konzerntochter für Erneuerbare Energien. Derzeit liegt der Ökostromanteil bei gut 16 Prozent an der Stromerzeugung – Tendenz steigend. Damit wird der massenhafte Einsatz von Speichern immer dringlicher.

Nah am Verbraucher

Ein Pumpspeicherwerk ist ein kurzfristiger Puffer, der selbst keinen Strom produziert. Wenn bei starkem Wind die Turbinen viel Strom erzeugen, kann der Überschuss zeitlich versetzt bei hoher Nachfrage abgerufen werden, um sogenannte Lastspitzen zu glätten. Der Wirkungsgrad von Pumpspeichern liegt zwischen 70 und 85 Prozent; damit sind sie die effizienteste Lösung, um elektrische Energie aufzubewahren. Aufgrund von geologischen Bedingungen befinden sich die meisten deutschen Anlagen in der Alpenregion, weit weg von den Verbrauchern. Der Standort im Ruhrpott wäre demnach ideal, weil sich Transportwege verkürzen.

RWE plant deshalb Ökostrom und Speicher direkt zu kombinieren: Das erste Kombikraftwerk aus Pumpspeicher und Windkraft könnte auf der Halde Sundern nahe der westfälischen Stadt Hamm entstehen. Überschüssiger Strom aus Windenergie pumpt das Wasser von einem tiefliegenden See in ein Becken, das auf einer 50 Meter hohen Abraumhalde liegt. Wenn die Stromnachfrage steigt, fließt das Wasser wieder zurück in den See, durch Turbinen, die Strom erzeugen. 600.000 Kubikmeter fasst das Becken, das entspricht einer Leistung von 15 bis 20 Megawatt – eine Kleinstadt mit 8.000 Haushalten ist damit acht Stunden versorgt. Im Ruhrgebiet taugen nach RWE-Plänen insgesamt vier bis acht Halden, um darauf Kombikraftwerke zu bauen.

Speicher für Börsenstrom

Während die Unternehmen Windkraft und Wasserspeicher kombinieren wollen, prüfen die Wissenschaftler auch die Option eines reinen Speichers. Der nimmt an der Energiebörse Leipzig gehandelten Strom auf, wenn er besonders billig ist; und gibt ihn bei hoher Nachfrage wieder in den Markt zurück. Im Laufe der nächsten Woche wollen sich die Unternehmen RWE und RAG mit den Professoren treffen, um eine mögliche Zusammenarbeit auszuloten.

„Ob sich das Ganze rechnet, ist noch fraglich“, wendet Wagner ein, denn es handle sich um sehr kapitalintensive Projekte. Die Wirtschaftlichkeit hängt entscheidend davon ab, wie oft der Speicher am Tag geleert und wieder gefüllt wird. Kommerzielle Pumpspeicher werden heute zwei bis drei Mal täglich umgeschlagen, dadurch rentieren sie sich. Es gebe jedoch weitere Möglichkeiten, die Wirtschaftlichkeit zu steigern: In der Bohrtiefe von 1.000 Metern sind Temperaturen von rund 40 Grad Celsius, die das hinunter geleitete Wasser bei entsprechender Dauer erwärmen. Über Wärmetauscher ließe sich die Geothermie als weitere Energiequelle nutzen.

Marktfähig ohne Einspeisevergütung

Vahrenholt gibt sich bereits bei der Projektvorstellung zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, dass dieser Strom marktfähig sein wird.“ Dabei helfen auch die Pläne der Bundesregierung, Pumpspeicherstrom künftig nicht mehr mit einer Abgabe für die Netznutzung zu belegen, so der Chef von RWE-Innogy. Der Strom solle darüber hinaus direkt an die Kunden vertrieben werden – eine Einspeisevergütung sei nicht nötig.

Die neuen Pumpspeicher bieten eine „hoch interessante Option“, um Ökostrom besser zu integrieren, kommentiert Professor Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts, gegenüber ENERGLOBE.DE. Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen will das einstige Land der Kohlekumpel in ein Mekka der Erneuerbaren Energien verwandeln. Ausgerechnet Steinkohlezechen und Braunkohlehalden unterstützen diese Energiewende. Fischedick betont: „Dieses Unterfangen hat eine hohe Symbolik.“

Weitere Informationen:

Ideen-Skizze der vier Professoren für regionale Ökostromspeicher:
www.uni-due.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014