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Dekarbonisierung

Algen schuften im Kohlekraftwerk

Die Energiekonzerne testen Algen als Kohlendioxid-Speicher in Kohlekraftwerken.

Algen schuften im Kohlekraftwerk Algen schuften im Kohlekraftwerk
energlobe.de, Denny Rosenthal

Im Sommerloch war es ein Riesenthema für die Medien: Ein Algenteppich so groß wie die Bundesrepublik treibt auf der Ostsee und schadet Mensch wie Umwelt. Genau genommen handelt es sich bei Blaualgen um ein Cyanobakterium, das nicht mit der Algenpflanze zu verwechseln ist. Eben diese Pflanzen stehen derzeit bei Energiekonzernen hoch im Kurs. Seit Juli 2010 testet der schwedische Staatskonzern Vattenfall Grünalgen im Braunkohlekraftwerk Senftenberg – und ahmen nach, was andere bereits lange machen.

Eon und RWE investieren seit Jahren Millionenbeträge in die Grundlagenforschung mit den kleinen Klimarettern. Die märchenhaften Arbeitsbedingungen seiner grünen „Angestellten“ beschreibt RWE-Chef Jürgen Großmann folgendermaßen: „Viel fressen, ganz schnell groß werden und dabei CO2 in Biomasse umwandeln.“ Die Algenbelegschaft arbeitet nach dem Prinzip der Photosynthese: Sie nimmt Kohlendioxid auf und vermehrt sich bei ausreichend Licht, sodass Biomasse entsteht. Diese wird später unter anderem zu Bio-Diesel umgewandelt.

Biologischer CO2-Speicher

Algen nehmen zehn Mal schneller Kohlendioxid auf als Landpflanzen und vertilgen dementsprechend mehr. In der Industrie sollen dadurch die Emissionen eines Kraftwerks verringert werden. Das Kohlendioxid wird in einen Tank mit Grünalgen geleitet und stellt somit die biologische Alternative zur technischen Speicherung von Kohlendioxid dar. Allerdings kann die Algenplantage nur einen kleinen Bruchteil der Emissionen aufnehmen. Ein modernes Steinkohlekraftwerk mit 1.100 Megawatt Leistung stößt 5,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr aus; die Eon-Anlage speichert 45 Tonnen CO2 und der RWE-Algenreaktor gar nur zwölf Tonnen pro Jahr.

US-Forscher sind dennoch optimistisch und gehen von einer möglichen Einsparung von fünf bis sieben Prozent der Kraftwerksemissionen aus. „Das wäre schon ein sehr gutes Ergebnis“, kommentiert Professor Laurenz Thomsen von der Jakobs Universität, der das Algenprojekt von RWE in der ersten Phase wissenschaftlich betreute. Man müsse das Verfahren in der richtigen Größenordnung sehen: „Für ein kleines Kraftwerk mit einer Leistung von 100 Megawatt wäre eine Algenanlage von zwei Quadratkilometern nötig.“ Und dies sei durchaus realistisch. „Um schwarze Zahlen durch Größeneffekte zu generieren sind aber drei bis fünf Hektar nötig“, so Claudia Thomsen, Geschäftsführerin von Phytolutions, die als Partnerunternehmen beim RWE-Projekt beteiligt sind. Die Gewinnschwelle könnte für das Start-Up in zwei bis drei Jahren erreicht werden.

Technologie zur CO2-Reduktion hat Zukunft

„Uns ist durchaus bewusst, dass für die Algenzüchtung klimatisch bessere Standorte als Deutschland existieren“, räumt RWE-Sprecher Manfred Lang ein. Dennoch betreiben drei Konzerne unabhängig von einander Grundlagenforschung ohne Gewinnaussichten. „Die Kraftwerksbetreiber sehen das als Wettbewerb und jeder möchte den Vorteil für sich“, vermutet Professor Laurenz Thomsen. Dabei wäre eine Zentralisierung der Forschung durchaus sinnvoll. Die Bundesregierung lege Thomsen zufolge bei diesem Thema jedoch einfach die Hände in den Schoß. Denn die Förderung ist föderal strukturiert: Die Stadt Hamburg zum Beispiel finanziert beim Eon-Projekt die Hälfte der Kosten in Höhe von einer Million Euro, ebenso wie das Land Brandenburg bei der Vattenfall-Anlage eine von zwei Millionen Euro trägt.

Um die Marktreife bald zu erreichen, muss der Wirkungsgrad der Photosynthese noch erhöht werden. Bei Algen liegt er derzeit zwischen sechs und zehn Prozent, während er bei Solarzellen bereits über 20 Prozent erreicht. Am Ende stehen jedoch unterschiedlichen Endprodukte: einerseits Biomasse und andererseits Strom, die nicht direkt miteinander zu vergleichen sind. Forscher rechnen aber damit, dass sich die Ausbeute der Algen künftig über zehn Prozent steigern lässt.

Weitere Informationen:

RWE-Innovationszentrum Kohle

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014