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H-Mobility

Der Schattenantrieb

2015 könnte der emissionsfreie Antrieb in Großserie gehen. Doch der Wasserstoff-Motor gerät gegenüber der E-Mobility immer weiter ins Abseits.

Der Schattenantrieb Der Schattenantrieb
energlobe.de, Denny Rosenthal

In diesem Jahr sollen die ersten Wasserstoff-Autos bei Daimler in Kundenhand gehen. Aber die H-Mobility hat zwei Probleme: Erstens sind die Kosten für die Brennstoffzellen derzeit noch zu hoch und zweitens fehlt die Infrastruktur. Eine gemeinsame Initiative von Konzernen soll das Strukturproblem lösen.

Als F-Cell bezeichnet Mercedes-Benz seine Brennstoffzellenfahrzeuge. Die Abkürzung steht für die englische Bezeichnung 'fuel cell' oder zu deutsch Brennstoffzelle. Eine chemische Reaktion aus getanktem Wasserstoff und aus der Luft angesaugtem Sauerstoff treibt den Elektromotor an. Als Abgas bleibt nur Wasserdampf zurück.

Konzern-Chef Dieter Zetsche spricht von „einer bereits marktreifen Technologie“. Und der zuständige Sprecher von Daimler, Matthias Brock, bestätigt: „Ende 2010 sollen 200 Leasing-Fahrzeuge der B-Klasse in Kundenhand gehen.“ Derzeit beträgt die Reichweite des Fahrzeugs 400 Kilometer und es lässt sich in drei Minuten betanken. 2015 könnte der emissionsfreie Antrieb dann in Großserie gehen. Eine Milliarde Euro soll Daimler bis dato in die Wasserstoffforschung gesteckt haben.

E- oder H-Mobility

Seit Mitte der 1990er arbeitet Daimler bereits an Testversuchen. „Neben den Schwaben liegen Honda und Toyota am weitesten vorn bei dieser Technologie“, analysiert Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive an der FHDW in Bergisch Gladbach. Daimler benutzt gasförmigen Wasserstoff in einer Brennstoffzelle, um einen E-Motor anzutreiben. Darin sieht der Autobauer aus Stuttgart die Zukunft der Mobilität. „E-Mobility ist deshalb nur eine Ergänzung für uns“, so Brock.

Bei der Konkurrenz aus München sieht man das ein wenig anders. BMW setzt nicht nur auf eine andere Technologie: In einem nur leicht veränderten Verbrennungsmotor wird flüssiger Wasserstoff anstelle von Benzin verbraucht, sondern die Bayern gehen beim Thema Wasserstoff vom Gaspedal. Erst vor einem halben Jahr ließen die Münchener ihre Testflotte auslaufen und eine neue wird es vorerst nicht geben: „Das Thema E-Autos hat derzeit mehr Schwung“, bestätigt Unternehmenssprecher Daniel Kammerer. Im Labor wollen die Techniker weiter an der Tanktechnologie für Wasserstoff arbeiten.

Keiner investiert zuerst

Die H-Mobility hat zwei Hauptprobleme: Erstens sind die Kosten für die Brennstoffzellen derzeit noch zu hoch und zweitens fehlt die Infrastruktur. Die Brennstoffzelle benötigt mit Platin beschichtete Katalysatoren. Der Preis für das Edelmetall ist hoch: Jedes Auto benötigt etwa 60 Gramm, das entspricht 3.000 Euro. „Diese Kosten schweben wie ein Damoklesschwert über dem Hersteller, da der Preis bei anziehender Konjunktur und der steigenden Nachfrage aus China wieder in die Höhe schießen kann“, urteilt Bratzel. Derzeit sei Platin als Katalysator aber leider ohne Alternative, fügt Daimler-Sprecher Brock hinzu.

Tankstellenbetreiber und Fahrzeughersteller stehen vor einem anderen Problem: Niemand will Geld in die Hand nehmen, bevor der Investition eine sichere Nachfrage gegenübersteht. Eine gemeinsame Initiative von Konzernen, darunter Daimler, Linde, Vattenfall, EnBW und Shell, will dieses Dilemma lösen. Etwa tausend Tankstellen sind für eine flächendeckende Versorgung nötig – zum Vergleich: In Deutschland gibt es etwa 12.500 Benzintankstellen. Schätzungen zufolge kostet die neue Infrastruktur etwa zwei Milliarden Euro, das sind zwei Millionen Euro pro Tankstelle.

Wasserstoff als Klimaretter?

Derzeit wird fast der gesamte Wasserstoff industriell aus fossilen Energieträgern wie Gas oder Öl hergestellt. Deshalb ist dem Klima mit dem neuen Treibstoff wenig geholfen. Hier gilt das Gleiche wie bei der E-Mobility: Erst mit einem möglichst hohen Anteil an Erneuerbaren Energien wird es eine umweltfreundliche Technologie. Wasserstoff als regenerativer Treibstoff wird jedoch erst eine Einsatzchance haben, wenn er so kostengünstig wie andere bezogen werden kann. „Daher werden uns mehrere Technologien die nächsten Jahre begleiten – auch der fossile Antrieb“, so Autofachmann Bratzel. Auch die Bundesregierung bekennt sich in ihrem neuen Energiekonzept zur Technologie der Brennstoffzelle. „Das nationale Innovationsprogramm Wasserstoff wird fortgeführt “, heißt es in dem Dokument.

Weitere Informationen:

Homepage der Wasserstoff-Initiative "H2-Mobility"

Homepage der Nationalen Organisation Wasserstoff-
und Brennstoffzellentechnologie (NOW)

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014