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Stromversorgung

Wäschewaschen im Mondschein

Mit Hilfe zusätzlicher Stromtarife und intelligenter Zähler sollen Kunden ab 2011 deutlich sparen können

Wäschewaschen im Mondschein Wäschewaschen im Mondschein
energlobe.de, Denny Rosenthal

Liebhaber von Frauenromanen kennen den „Mondscheintarif “ bereits. Der gleichnamige Bestseller der Autorin Ildikó von Kürthy erzählt die Geschichte der liebeskranken Cora, die nachts stundenlang zum Sparpreis telefoniert. Genug Zeit, nebenbei zwei 60-Grad-Maschinen laufen zu lassen oder ein Menü zu kochen. Wird solch ungewöhnliches nächtliches Treibenbald bald zum Volkssport?

Neue Stromtarife ab 2011

Der Bunderegierung wäre das jedenfalls recht. Sie hat die Stromversorger angewiesen, ab dem 1. Januar 2011 mindestens einen günstigeren Zusatztarif anzubieten, der auf eine bestimmte Tageszeit beschränkt ist und so zur Verlagerung des Stromverbrauchs animiert. In Zukunft soll es sich finanziell lohnen, beispielsweise in der Nacht Staub zu saugen oder am PC zu arbeiten. So führen die Stadtwerke Friedrichshafen einen Abendtarif zwischen 19 und 24 Uhr und einen Wochenendtarif von Freitag 15 Uhr bis Montag 8 Uhr ein. Beide sind jeweils 20 Prozent günstiger.

Durch die neuen Tarife soll ein Problem der Energieversorgung behoben werden. Bislang ist die Stromnachfrage zu bestimmten Tageszeiten besonders hoch, im Sommer vor allem um die Mittagszeit und im Winter um 18 Uhr. Das strapaziert die Stromnetze und führt zu steigenden Kosten und Preisen. Weil Strom derzeit kaum speicherbar ist, muss sich das Angebot nach dem Verbrauch richten. Das wird aber nicht mehr funktionieren, wenn immer mehr Ökoenergie ins Stromnetz eingespeist werden soll, deren Angebot stark fluktuiert. Der Verbrauch muss sich stärker an das Stromangebot anpassen.

Stromzähler werden intelligent

Voraussetzung für den Erfolg variabler Tarife ist die flächendeckende Einführung intelligenter digitaler Zähler, der Smart Meter. Sie messen den Stromfluss kontinuierlich und senden die Daten per Internet an den Versorger. Nebeneffekt: Der Kunde kann mit ihrer Hilfe die größten Stromfresser im Haushalt lokalisieren. Die bislang gängigen schwarzen Standard-Zähler mit Drehscheibe erfassen nur den gesamten Tagesverbrauch, aber nicht den genauen Lastgang. Deshalb wissen die Versorger derzeit nicht, wann jeder einzelne Kunde Strom benötigt – die Voraussetzung für individuelle Angebote.

Bis 2022 sollen die analogen Modelle laut EU nach und nach aus allen Kellern verschwunden sein. Allerdings entfällt die Austauschpflicht, wenn dies „technisch nicht machbar oder wirtschaftlich unzumutbar“ ist. Was das genau heißt, ist nicht abschließend geregelt. „Der enge Zeitplan und politische Druck haben dazu geführt, dass in der Fachwelt derzeit wohl kein anderes Thema so viel Aufsehen erregt wie Smart Metering“, heißt es bei der Bundesnetzagentur.

15 Kraftwerke lassen sich einsparen

Die Politik verspricht sich viel davon. Pilotprojekte praktisch aller großer Versorger haben gezeigt, dass die Kunden ihren Stromverbrauch im Schnitt um bis zu zehn Prozent senken konnten. Pro Jahr lassen sich so bis zu 300 Euro einsparen, hat der Branchenverband VDE berechnet. Möglich werden die günstigeren Tarife theoretisch, weil Unternehmen durch die gleichmäßige Verteilung des Verbrauchs Kostenvorteile erzielen, die sie an ihre Kunden weitergeben können. Laut einer Studie lassen sich dadurch während der Spitzenzeiten pro Jahr zehn bis 15 große Kohlekraftwerke einsparen. Zudem können Versorger den Strom nachts um bis zu 30 Prozent billiger einkaufen. Tarifliche Innovationen wie beim Mobilfunk bescheren ihnen Zusatzerlöse. „Smart Metering stellt die Energieversorger vor große Herausforderungen, bietet aber durch die Flexibilisierung der Tarife und Optimierung der Betriebsprozesse auch enorme Chancen“, sagt Ludwig Kohnen vom Energiekonzern EWE. Er ist Leiter der Geschäftsregion Cloppenburg-Emsland, wo der Konzern seinen intelligenten Zähler, die EWE Box, in 400 Haushalten getestet hat.

Branchenbeobachter erwarten zunächst aber nicht viele zusätzliche Angebote. Zahlreiche technische und wirtschaftliche Probleme behindern den Start. Unter anderem ist offen, wer die Einführungskosten schultern soll. „Die Versorger werden sich auf Minimallösungen beschränken, die gerade noch den gesetzlichen Anforderungen entsprechen“, sagt Florian Meister, Stromexperte bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Thorsten Storck vom Verbraucherportal Verivox bestätigt: „Günstigere Tarife werden auf breiter Front vorerst nicht möglich sein.“ Werden die angestrebten Einsparziele verfehlt, glaubt Meister, werde der Gesetzgeber früher oder später zusätzliche Tarife fordern. Dazu müsse er aber „auch die Rahmenbedingungen schaffen“.

Letztlich entscheidet der Kunde

Entscheidend wird vor allem sein, ob die Kunden ihr Verhalten ändern wollen. Um Smart Metern zum Durchbruch zu verhelfen, sollten Haushaltsgeräte automatisiert werden. Dann schalten sie sich selbstständig ein, wenn der Strom gerade günstig ist. Der Handlungsdruck ist dabei enorm. Denn die Messung aller Stromflüsse durch Smart Meter ist die Voraussetzung für die Modernisierung aller Stromleitungen zu einem intelligenten Netz, dem Smart Grid. Energieexperte Meister sagt lapidar: „Wenn sich Smart Meter nicht durchsetzen, müssen wir uns über Smart Grids keine Gedanken machen.“

Weitere Informationen: Zahlreiche Experten haben sich auf einem Fachkongress des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) im März zum Thema Smart Grid und Smart Meter geäußert. Ihre Einschätzungen finden Sie hier.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014