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Energiekonzept

Wenig Zug bei der E-Mobility

Die Regierung plant mit einer Million E-Autos in 2020 – doch Autoexperte Dudenhöffer hält das für unrealistisch.

Wenig Zug bei der E-Mobility Wenig Zug bei der E-Mobility
Jgrimm

E-Mobility ist ein Wirtschaftsfaktor und ein Mittel um die CO2-Emissionen zu reduzieren. Das Energiekonzept der Bundesregierung bestärkt deshalb das Ziel, bis 2020 eine Million E-Autos auf die Straße zu bekommen. Autoexperte Dudenhöffer sieht dieses Ziel in weiter Ferne – andere Länder setzten stärkere Anreize, um E-Leitmarkt zu werden.

Super-Ingo kennt mittlerweile jeder. Vor der Tages- und während der Sportschau wirbt der stiefeltragende Ruhrpottproll mit Lederjacke für Autostrom des Energieriesen RWE aus Essen. Aber Ingo wird einen langen Atem brauchen, denn E-Mobile und Tankstellen sind noch rar gesät. Die Regierung plant, bis 2020 eine Million E-Autos auf deutsche Straßen zu bekommen, zehn Jahre später sollen es fünf Millionen sein. So steht es zumindest im Energiekonzept der Bundesregierung. Grundlage dafür ist der Nationale Entwicklungsplan Elektromobilität, der am 3. Mai 2010 verabschiedet wurde.

Der renommierte Autoexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen hegt jedoch Zweifel an der schnellen Marktdurchdringung der Stromer bis 2020: „Nach unseren Berechnungen werden weniger als 600.000 E-Fahrzeuge auf deutschen Straßen fahren.“ Das Ziel werde aus vielen Gründen verfehlt. Vor allem fehle der Impuls von der Angebotsseite. Die deutschen Autohersteller lassen sich mit der Entwicklung Zeit, während die Konkurrenz aus Asien an ihnen vorbeizieht. Auch Industrieprojekte werden zu wenig gefördert, sodass nicht ausreichend E-Autos produziert und Akkus in Deutschland gefertigt werden.

Kaufanreize stärken

Derzeit bewegen sich 1.600 E-Mobile auf den Straßen. Dabei gibt es acht Modellregionen für Elektromobilität, in die 115 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II fließen. Selbst bei einer rasanten Steigerung käme Deutschland nur auf 290.000 reine Stromer, so Dudenhöffer. Zusammen mit den Hybrid-Fahrzeugen, die sowohl einen elektrischen als auch einen Verbrennungsmotor besitzen, könne eine Verdoppelung der Zahl erreicht werden – aber niemals eine Million Fahrzeuge.

Um die Revolution der E-Vehikels von oben auf die Straße zu tragen, plant die Regierung im Energiekonzept verschiedene Anreize. Mit einer besonderen Kennzeichnung sollen die Fahrzeuge künftig Busspuren mitbenutzen und kostenlos parken können. Diese Privilegien sollen die Anschaffung der E-Fahrzeuge attraktiver machen. Es ist jedoch unklar, ob die Gemeinden bereit sind, auf einen Teil ihrer Parkeinnahmen zu verzichten. Parallel soll mit dem Image des Nullemissionsfahrzeugs geworben werden, weil man in der Verknüpfung von E-Mobilität an Ökostrom einen attraktiven Kaufanreiz vermutet. Und der regenerative Strom wird immer mehr.

E-Autos als Stromspeicher

Mit dem starken Anstieg von Erneuerbaren Energien auf derzeit 16 Prozent werden Stromspeicher immer wichtiger. Denn an einem Tag ist Sonnen- und Windenergie im Überschuss vorhanden und an einem anderen herrscht Flaute. E-Autos können „langfristig als Stromspeicher zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage beitragen, zum Beispiel, indem sie in Starkwindzeiten geladen werden“, heißt es in dem Regierungspapier. Ein Auto allein kann jedoch nur wenig Energie aufnehmen, dafür wäre eine ganze Flotte nötig. Eine Million Fahrzeuge seien dabei eine relevante Größe. Die Kanzlerin sieht in Deutschland den künftigen Leitmarkt für E-Mobility. Dudenhöffer warnt jedoch davor, dass die Zeit davonläuft. Andere Länder wie die USA und China zahlten bereits Kaufprämien, um den Absatz anzukurbeln.

Aber E-Mobility ist nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein Mittel zur Senkung der CO2-Emissionen. Ein Fünftel der Emissionen fällt im Verkehrssektor an. Der Entwurf des Energiekonzepts sieht eine ambitionierte Ausgestaltung der CO2-Grenzwerte für Neufahrzeuge vor. Von rund 160 Gramm CO2 pro Kilometer soll sie auf weniger als ein Viertel im Jahr 2040 sinken. Die starke deutsche Autolobby wehrte sich in der Vergangenheit erfolgreich gegen eine zu ambitionierte Reduzierung. So auch diesmal: Aus dem verabschiedeten Energiekonzept wurden die konkreten Vorgaben gestrichen. Die deutschen Hersteller haben zu lange auf den Absatz von spritfressenden Ober- und Mittelklassewagen gesetzt. Vielleicht hat der Einstieg von Energieversorgern die Branche aufgeweckt. Denn „Autostrom tanken ist kinderleicht“, sagt Ingo im Werbespot mit aufgesetzter Sonnenbrille und braust davon.

Weitere Informationen:

Bericht der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften:
Wie Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität werden kann

Dudenhöffer-Bericht: Die Bedeutung der Elektromobilität für den Standort Deutschland und Defizite in der Förderung

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014