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Geoengineering

Die kalte Schwefeldusche

Die Menschheit betreibt seit mindestens 150 Jahren Geoengineering - wenn auch ungeplant.

Die kalte Schwefeldusche Die kalte Schwefeldusche
energlobe.de, Denny Rosenthal

"Dem Ingenieur ist nichts zu schwör", heißt es im Volksmund. Warum sollte er nicht auch in der Atmosphäre seine Fertigkeiten unter Beweis stellen und der Erderwärmung mit einer Ladung Schwefel entgegenwirken können? Die Menschheit betreibt seit mindestens 150 Jahren Geoengineering, allerdings unfreiwillig. Abgeleitet ist der Begriff von der Vorstellung, dass der Mensch das Klima beeinflussen kann wie ein Ingenieur, der an einer technischen Anlage schraubt.

Um die Erderwärmung aufzuhalten, gibt es generell zwei technische Möglichkeiten: Erstens den Klimakiller CO2 aus der Luft herausfiltern. Die sogenannte CCS-Technik könnte das Treibhausgas von der Luft abtrennen und unterirdisch speichern oder Pflanzen wie Algen, die viel Kohlendioxid aufnehmen, können vermehrt gezüchtet werden. Zweitens könnte man einen riesigen Sonnenschirm in der Atmosphäre installieren, der die Reflexion der Erdatmosphäre erhöht. Dadurch würde mehr Sonnenwärme ins Weltall zurückgestrahlt.

Eine Eiszeit wäre billig

Der geplante Eingriff in die Atmosphäre ist alles andere als neu. Bereits 1965 unter US-Präsident Lyndon B. Johnson gab es Pläne, die Reflektivität der Erde zu stärken. Und der amerikanische Energieminister und Nobelpreisträger für Physik, Steven Chu, schlug im vergangenen Jahr vor, alle Häuser- und Fabrikdächer weiß zu streichen. Auch riesige Segel im Weltraum waren im Gespräch, die Schatten für die Erde spenden sollten. Der Rückstrahleffekt lässt sich theoretisch auf vielen Wegen erreichen.

Regelrecht tollkühn klingt die Idee, Schwefeldioxid in die Luft zu schießen. Aber die Natur hat ihrerseits bereits gezeigt, dass es funktioniert: Bei einem Vulkanausbruch auf den Philippinen 1991 senkte eine Wolke aus 20 Millionen Tonnen Schwefeldioxid die globale Temperatur um fast ein halbes Grad Celsius. Und auch die Kosten der Schwefeldusche sind nach Ansicht von Wissenschaftlern überschaubar. „Wir könnten zum Preis von 0,001 Prozent des Welt-Bruttosozialprodukts eine Eiszeit erzeugen“, errechnete David Keith von der University of Calgary in Kanada. Bei zehn US-Dollar pro Kilo Sulfat sei dies geradezu ein billiges Unterfangen.

Nebenwirkungen unbekannt

Die visionäre Methode der Abkühlung hat allerdings einen entscheidenden Haken: Sie ist vergleichbar mit einem Rennfahrer, der gleichzeitig auf das Gas- und Bremspedal tritt. Denn allen Bemühungen zum Trotz bliebe das CO2 nach wie vor in der Luft. Hinzu kommt, dass der Kühleffekt nicht lange anhält. Sobald keine Partikel von Schwefeldioxid mehr nachgeschossen werden, ebbt der Effekt ab. Der Planet würde sich also rasch wieder aufheizen.

Weitere Argumente gegen den Sonnenschirm in der Atmosphäre sind die weitgehend unerforschten Nebenwirkungen: So wird befürchtet, dass Niederschläge zurückgehen könnten, die Ozonschicht in Mitleidenschaft gezogen und insbesondere der Monsunzyklus beeinflusst würden. Eine verheerende Trockenheit in tropischen Regionen der Erde könnte die Folge sein.

Die Methoden des Geoengineering sind ohne Zweifel waghalsig. Es stellt sich zusätzlich die moralische Frage, ob der Mensch überhaupt so schwerwiegend in die Atmosphäre eingreifen darf. Allerdings sind auch die Bedrohungen durch den Klimawandel sehr ernst. Die Anstrengungen der Wissenschaftler werden deshalb nicht abreißen und sie werden weiter Ideen entwickeln. Schließlich ist auch für einen Geo-Ingenieur nichts zu schwierig.


Weitere Informationen:
Wikipediaeintrag von Steven Chu

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014