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Energieforscher

Der Coladosen-Visionär

DLR-Vorstand Wagner: E-Mobilität nicht zusätzlich mit Blei beschweren

Der Coladosen-Visionär Der Coladosen-Visionär
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Der Wissenschaftler Ulrich Wagner ist ein gefragter Mann. Er berät unter anderem die Bundesregierung bei der Ausarbeitung des Energieforschungsprogramms. Die Inhalte sind lange bekannt; jetzt geht es darum, die Akzente zu setzen. Seine persönlichen Präferenzen setzt er bei Batterieforschung, E-Mobility und Wüstenstrom.

Dieser Mann hat eine Vision: „Mein Traum ist ein Energiespeicher im Format einer Coladose mit dem Energieinhalt von zehn Litern Sprit“, sinniert Ulrich Wagner. Er ist Vorstand für Energie und Verkehr am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Diese Super-Batterie könnte zum Beispiel Elektroautos antreiben und die geringe Reichweite der Fahrzeuge deutlich erhöhen. „Aber das wird noch eine Weile dauern“, bedauert er wenig später.

Der große grauhaarige Mann mit dem sympathischen Lachen beschäftigt sich schon seit mehr als drei Jahrzehnten mit Energiespeicherung. Bereits während seiner Doktorarbeit an der TU München untersuchte er die Energieausbeute von Antriebsbatterien für E-Autos. Seit 1995 leitet er dort den Lehrstuhl für Energiewirtschaft und Anwendungstechnik. Momentan ist er jedoch von seiner Lehre in München beurlaubt, um sich ganz seiner neuen Aufgabe in Köln widmen zu können.

Viel unterwegs

Vor knapp einem Jahr wurde er als Vorstand beim DLR berufen. Für den Posten verließ er die bayerische Heimat, in Passau wurde er 1955 geboren. Aber bereits seit frühester Kindheit war er viel unterwegs. Als Diplomatensohn wuchs er an verschiedenen Orten der Welt auf: In Moskau, Antwerpen, Brüssel und Bogota ging er zur Schule. In Kolumbien verbrachte er fast vier Jahre. Dort begann er auch, Elektrotechnik zu studieren.

Ulrich WagnerWagner und rund 20 weitere Forscher beraten derzeit die Bundesregierung bei der Ausgestaltung des sechsten Energieforschungsprogramms. Mitte Mai will die Regierung das Programm mit allen Details vorstellen. „Die Politik hat die Energieversorgung als eines der zentralen Zukunftsthemen aufgegriffen, entsprechend ist nun das Energieforschungsprogramm“, so Wagner. Das Bundeswirtschaftsministerium hat dabei die Federführung unter den fünf beteiligten Ministerien. Die Kernbotschaften des Energieforschungsprogramms sind an das Energiekonzept angelehnt: Strom effizienter zu nutzen und zu speichern sowie die Erneuerbaren Energien auszubauen und in den Energiemix zu integrieren, sind die Schwerpunkte. Alles was da drin stehe, kenne man heute schon, so Wagner. „Es verschieben sich nur die Akzente.“

Was ist Desertec?

Mittelfristig kommt Europas Strom womöglich aus der Wüste. Desertec soll im Jahr 2050 rund 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs durch solarthermische Kraftwerke aus Nordafrika decken und hat seine Wurzeln in einer DLR-Studie von 2005. Dabei ist gar nicht klar, was sich hinter der Vision Desertec eigentlich verbirgt: ein Wirtschaftsprojekt, Entwicklungszusammenarbeit oder gar eine Art moderne Friedenspolitik. Die Technologien für die Kraftwerke sind dagegen bereits vorhanden und seit Jahren erprobt. Fragt man Ulrich Wagner nach einem Termin für den ersten Spatenstich, lacht er: „Wir können jeden Tag den Spaten irgendwo in den Sand stecken – aber vorher gilt es, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den nordafrikanischen Ländern sicher zu stellen. Und auf diesen Ebenen laufen die Verhandlungen auf Hochtouren.“ Eine bessere Stromversorgung vor Ort habe dabei eindeutig Priorität, bevor auch nur eine Kilowattstunde durch das Mittelmeer geschickt werde und Strom aus deutschen Kraftwerken durch Wüstenstrom ersetze, betont der DLR-Vorstand.

Unrealistisches Ziel für die E-Mobility

Ein weiteres Steckenpferd des Energieforschers ist die E-Mobilität. Im Energiekonzept hat die Bundesregierung das Ziel festgeschrieben, bis 2020 eine Million elektrisch betriebene Vehikel auf die Straße zu bringen. Eine Kennzahl, die sich auch Wagner wünschen würde; an die er aber nicht recht glauben kann: „Das hieße, von heute an jedes Jahr durchschnittlich 100.000 batteriebetriebene Fahrzeuge neu auf die Straße zu bringen.“ Und das sei eher unrealistisch. Dennoch hält er das Elektroauto für ein wichtiges Standbein unserer zukünftigen Mobilität.

Wagner selbst ist begeisterter E-Auto-Fan. Im letzten Jahr fuhr er regelmäßig einen elektrischen Zweisitzer eines Münchener Herstellers. „Ich fahre den sehr gern, das macht richtig Spaß“, so Wagner. Und sogleich empfiehlt er: „Den müssten Sie auch mal ausprobieren.“ Aber der Dienstwagen erfüllt nicht alle Anforderungen. Seine fünfköpfige Familie beansprucht mehr Platz, deshalb bevorzugt er privat ein Dieselfahrzeug.

Keine Subventionen für E-Autos

Er warnt ausdrücklich davor, das Thema E-Mobilität mit hundert Prozent Erneuerbare Energien zu verbinden oder die Fahrzeugbatterien als Speicher für das künftige Stromnetz einzuplanen, so wie es die Regierung macht. „Dadurch hängt man dann ein Bleigewicht nach dem anderem an das Thema.“ Laut Wagner sollte die positive Stimmung innerhalb der Bevölkerung für ein natürliches Wachstum genutzt werden. Zu hohe Erwartungen führten dazu, dass diese Stimmung kippe. Auch finanzielle Zuschüsse des Staates für Elektroflitzer lehnt Wagner ab. „Das Geld sollte lieber in die Forschung fließen, um die Autos zu verbessern und die Reichweiten zu erhöhen“, empfiehlt er. Nur so kann die Vision einer Super-Batterie in der Größe einer Coladose schneller erreicht werden. Dann könnte Ulrich Wagner endlich seine ganze Familie im E-Mobil herumkutschieren.

Weitere Informationen:

Ulrich Wagner im Videoclip zum Thema E-Mobility:
ENERGLOBE.DE

Zusammenfassung der DLR-Studie: „Solarthermische Kraftwerke für den Mittelmeerraum“

Homepage des DLR: www.dlr.de

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014