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Mobilität

Ein Auto für Zehn

Car-Sharing findet immer mehr Nutzer. Es könnte auch die E-Mobilität entscheidend voranbringen.

Ein Auto für Zehn Ein Auto für Zehn
ENERGLOBE.DE, Denny Rosenthal

Teilnehmer des Car-Sharings vermehren sich kräftig – jährlich um bis zu 20 Prozent. Experten sehen durch das Angebot auch eine Chance für die Verbreitung von Elektroautos, denn die teuren Anschaffungskosten fallen dadurch weg. Franzosen und Schweizer machen es vor.

Die Bundesregierung will bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen bringen. Ein erhebliches Problem sind allerdings die hohen Anschaffungskosten bei E-Autos – denn sie kosten fast 10.000 Euro mehr als ein vergleichbares Modell mit Verbrennungsmotor. „Car-Sharing ist dabei eine kreative Möglichkeit, um die Kostenlücke zu schließen“, so der ehemalige SAP-Chef und Vorsitzende der Nationalen Plattform Elektromobilität, Henning Kagermann, gegenüber ENERGLOBE.DE. Der Think-Tank wurde vor über einem Jahr von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ins Leben gerufen und übergab Mitte Mai 2011 seinen Abschlussbericht an die Regierung.

Anschluss nicht verlieren

Deutschland ist der größte Car-Sharing Markt Europas. 2011 gibt es knapp 200.000 erfasste Fahrer, die sich ein Auto nur gelegentlich ausleihen – gut 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Auto verliert bei jungen, gut ausgebildeten Menschen als Statussymbol immer weiter an Wert. Dadurch wachsen mehr Nutzer für Car-Sharing nach. Bei absoluten Zahlen der Nutzer hat Deutschland die Nase eindeutig vorn. Aber umgerechnet auf die Einwohnerzahl ist die Schweiz mit rund 130.000 Nutzern sieben Mal besser. Um die neuen Mobilitätsvereine entscheidend voranzubringen, brauche man eine bessere Infrastruktur und innovatives Marketing, das die Bekanntheit in allen potenziellen Nutzerkreisen weiter steigert, sagt Willi Loose, Geschäftsführer des Bundesverbands Car-Sharing mit Sitz in Berlin. Darüber müsse man im Herbst mit der Kanzlerin reden, „sonst droht Deutschland den Anschluss an andere europäische Länder beim Thema Car-Sharing zu verlieren“.

Wann lohnt sich Car-Sharing?

Mittlerweile verzichten viele Stadtbewohner auf ein eigenes Auto. Sie leihen sich eines aus, wenn sie es brauchen. Bei einer jährlichen Fahrleistung von unter 12.000 Kilometern kann die Automiete billiger sein als der eigene Besitz, so Loose. Die durchschnittliche Fahrleistung liegt bei 12.000 bis 13.000 Kilometern pro Jahr, Zweitwagen eingerechnet. Als zweite wichtige Komponente komme jedoch die Nutzungsdauer hinzu, ergänzt Loose: „Es ist wichtig, dass man das Fahrzeug nicht täglich braucht, das Auto steht sonst zu lange ungenutzt herum.“

Auto-Experte Aswin Kumar von der international tätigen Unternehmensberatung Frost & Sullivan bestärkt Kagermann: „Car-Sharing bietet eine solide Ausgangsbasis für das Wachstum und die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen.“ Das Geschäftsmodell habe in den letzten Jahren erheblich an Akzeptanz gewonnen. Kumar geht davon aus, dass sich bereits in fünf Jahren europaweit 5,5 Millionen Nutzer rund 77.000 Fahrzeuge teilen werden. Allein der europäische Markt könne ein Volumen von über 2,6 Milliarden Euro erreichen.

Frankreich und Großbritannien fördern Car-Sharing

An vorderster Front dieses Trends steht laut Frost & Sullivan Frankreich. Die Regierung in Paris unterstützt aktiv die Car-Sharing-Initiative Autolib, ein Kunstwort, das aus den Begriffen Auto und Freiheit (liberté) zusammengesetzt ist. Im September 2011 soll das öffentliche Car-Sharing-System mit 1.000 Autostationen und 3.000 E-Autos starten. Auch die Regierung in Großbritannien sieht bei dem Thema großes Wachstumspotenzial und gibt öffentliche Mittel. Doch noch kommen 86 Prozent der Nutzer aus London. Für die Metropole selbst bedeutet das: Weniger Staus und mehr freie Parkplätze, denn ein geteiltes Auto ersetzt vier bis zehn eigene Fahrzeuge.

Car-Sharing wird vorerst verstärkt ein Stadtthema bleiben. Private Anbieter verleihen ihre Autos stundenweise an Kunden. Der einzelne Fahrer registriert sich als Mitglied und zahlt meist eine monatliche Gebühr. Für die Fahrzeugnutzung zahlt er dann pro Stunde und Kilometer. Damit spart er sich die Kosten für ein eigenes Fahrzeug – Fixkosten verteilen sich so auf viele Schultern, ebenso wie Reparaturkosten. Im Gegensatz zur Mitfahrgelegenheit sitzt man beim Car-Sharing selbst hinter dem Steuer.

Steigende Nutzerzahlen

Mehr als 120 Anbieter in 300 Städten und Gemeinden bieten Carsharing in Deutschland an – darunter große Autohersteller, Stadtwerke, Startups und ehrenamtliche Initiativen. Die Einnahmen der Anbieter in 2010 schätzt Unternehmensberater Kumar auf 110 Millionen Euro. Das car2go-Konzept vom Stuttgarter Autobauer Daimler Benz expandiert gerade nach Hamburg, nachdem es laut Konzernangaben erfolgreich in Ulm und dem US-Staat Texas getestet wurde. Mit einer Flotte von 300 Fahrzeugen gibt es erstmals Bedingungen für einen wirtschaftlichen Betrieb – Zahlen veröffentlicht Daimler bislang jedoch nicht. Der Konkurrent BMW setzt ebenfalls 300 Fahrzeuge in München und Berlin ein. Für die Drive-Now-Initiative holten die Münchener die Autovermietung Sixt mit ins Boot. Die Deutsche Bahn verleiht in Berlin und anderen Städten in Deutschland und der Schweiz nach Fahrrädern jetzt auch Fahrzeuge – knapp 60.000 Nutzer sind bereits registriert, Tendenz steigend.

Weitere Informationen:

Studie von Frost & Sullivan: Car-Sharing: Der Weg in eine grüne Zukunft

Im Interview mit ENERGLOBE.DE erörtert Kagermann weitere Möglichkeiten, um E-Mobility in Deutschland voranzubringen: „Baukasten für die Kanzlerin“

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014