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Studie

Kunden gegen E-Mobile

Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass sich die Masse der Deutschen in nächster Zeit kein Elektroauto kaufen will.

Kunden gegen E-Mobile Kunden gegen E-Mobile
energlobe.de, Denny Rosenthal

Dieses Ergebnis ist ernüchternd: Rund 81 Prozent der Deutschen können sich nicht vorstellen, in nächster Zeit ein Elektromobil zu kaufen, wie eine Studie der Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers (PwC) und des Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation ergibt. Zwar gibt es kaum einen Automobilhersteller, der derzeit kein strombetriebenes Vehikel entwickelt. Doch die Kunden scheinen nicht mitzuspielen.

Das ist keine gute Nachricht für die Bundesregierung: Sie will bis 2020 rund eine Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen fahren sehen. Der Leiter Automotive bei PwC, Felix Kuhnert, zieht Bilanz: „Gerade die deutschen Premiumhersteller müssen erkennen, dass es noch einige Zeit dauert, bis die Marktdurchdringung mit Elektromobilen geschafft ist.“

Reichweite zu gering und Preis zu hoch

Es war eine Überraschung für die Untersuchenden, dass die Skepsis gegenüber den neuen elektrischen Autos so groß ist. „Das Problem sind vor allem die kleine Reichweite und die verglichen mit einem benzin- oder dieselbetriebenen Fahrzeug hohen Anschaffungskosten“, berichtet Kuhnert. Die deutschen Autofahrer sind konservativ und nicht dazu bereit, auf ihre gewohnte Mobilität zu verzichten. Etwa 150 km weit kann ein Elektrowagen fahren, dann muss die Batterie sechs bis acht Stunden aufgeladen werden. An Stromtankstellen mangelt es zudem, die Infrastruktur fehlt bisher. Trotzdem hält Kuhnert Elektromobile nicht für überbewertet: „Fossile Energieträger sind nur begrenzt verfügbar – wir brauchen eine Alternative.“

Damit E-Mobile grün werden, muss sich allerdings der deutsche Strommix verändern. Derzeit produziert das Land seine Energie vor allem mit Kohle. „Bisher spart ein Elektroauto nicht mehr CO2 als ein verbrauchsarmer Benziner“, räumt Kuhnert ein.

E-Mobil-Käufer sind kaufkräftige, experimentierfreudige Stadtbewohner

Gerade hier gibt es nach den Ergebnissen der Studie aber die Möglichkeit, Kunden anzusprechen: Zwar ist den Konsumenten Umweltschutz weniger wichtig als Reichweite und Preis, aber immerhin 80 Prozent der Befragten würden eher ein E-Mobil kaufen, wenn es ausschließlich mit regenerativer Energie betrieben würde. „Die gut informierten Kunden dürften wissen, dass es noch nicht so weit ist“, so Kuhnert. Allerdings entsteht vor Ort weniger Smog und der Motorenlärm fällt weg.

Wie sieht also der potenzielle Käufer eines Elektromobils aus? Hannes Rose, der als Forscher des Fraunhofer-Instituts an der Studie beteiligt war, antwortet: „Zur Zielgruppe gehören trendbewusste, experimentierfreudige und kaufkräftige Stadtbewohner.“ Sie sind eher bereit, die hohen Anschaffungskosten in Kauf zu nehmen und etwas Neues auszuprobieren. Außerdem ist in Städten keine große Reichweite nötig, und das ist gut so. Denn bis die Batterieforschung diese Herausforderung meistert, wird es dauern: „In Preis und Reichweite werden Elektromobile herkömmliche Autos auch in zehn bis 20 Jahren nicht schlagen können“, prognostiziert Rose.

Carsharing für neue Zielgruppen

Hersteller und Politik müssen also Wege finden, die potenziell umweltfreundlichen Fahrzeuge trotzdem an den Kunden zu bringen. Neben neuen Designideen steht für Rose deshalb die Hürde des hohen Anschaffungspreises auf der Agenda. Die Idee der Forscher ist, dass sich die Kunden das Elektroauto gar nicht erst kaufen müssen: Das funktioniert etwa beim Carsharing, bei dem sich mehrere Bewohner einer Stadt oder Firmenmitarbeiter ein Auto teilen. Ein Angebot der Bahn ermöglicht auch Zugfahrern, am Bahnhof in einer fremden Stadt aufs Auto umzusteigen.

Der Unterschied zum Mietauto: Sind Nutzer erst einmal Mitglied, funktioniert die Buchung in beiden Fällen unkompliziert übers Internet oder Telefon. Entweder die Fahrer bekommen einen Schlüssel oder eine Chipkarte für alle Wagen des Anbieters oder sie schalten die Fahrzeuge via Barcode frei. „Solche Modelle stoßen schon mit fossil betriebenen Wagen auf rege Nachfrage“, berichtet Rose.

Wenig Wissen über Elektromobilität

Zu der so angepeilten Zielgruppe gehören zunächst Geschäftsreisende: Sie müssen ohnehin Flugzeug, Bahn und Taxi oder öffentliche Verkehrsmittel kombinieren. Carsharing-Angebote sind also eine gute Alternative zum Taxi. Die zweite Gruppe sind die 18 bis 29-Jährigen. „Sie sind heute weniger als noch vor einigen Jahren am Besitz eines Fahrzeugs interessiert, möchten aber trotzdem mobil sein“, erklärt Rose. Sie nutzen daher ähnlich wie die Berufsreisenden verschiedene Verkehrsmittel und stehen auch Neuerungen entsprechend aufgeschlossen gegenüber. „Wenn man den Elektroautos zusätzliche Privilegien wie freies Parken in der Innenstadt einräumt, steigt die Attraktivität weiter“, so Rose.

Solche Konzepte würden auch einem weiterem Problem begegnen: Der Unwissenheit. Nur neun Prozent der Befragten gaben an, gut über Elektromobile informiert zu sein. Deshalb müsse Aufklärungsarbeit geleistet werden, so das Fazit Roses: „Die wenigen Erhebungen zu Flottenversuchen, in denen Leute die Autos ausprobieren konnten, zeigen eine positive Rückmeldung.“

Bis die Deutschen reif für das Elektromobil sind, scheinen die Zeichen auf dem chinesischen Markt freundlicher zu sein: Hier könnten sich nach einer Untersuchung von Ernst & Young deutlich mehr Menschen vorstellen, sich ein strombetriebenes Auto zu kaufen. Und das, obwohl die Chinesen laut Studie noch weniger über E-Mobile wissen als die Deutschen. „Die meisten besitzen bisher kein Auto und wenn man von einem Fahrrad oder einem Elektroroller ausgeht, erwartet man weniger Reichweite von einem E-Mobil“, kommentiert PwC-Mann Kuhnert die Studie von Ernst & Young.

Weitere Informationen:

Pressemitteilung zur Studie von PwC/Fraunhofer-Institut: www.pwc.de

Internationale Studie zur Einstellung zu Elektroautos von Ernst & Young: www.ey.com

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014