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Energieversorgung

Volle Wanne

Energiespeicher werden in Zukunft immer wichtiger. Deutschland braucht dringend neue Stromspeicher, die auch ausgelastet werden.

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energlobe.de, Denny Rosenthal

Die Empörung war groß im Schwarzwaldverein. Nachdem die Schluchseewerk AG Ende 2008 angekündigt hatte, im baden-württembergischen Atdorf Deutschlands größten Stromspeicher zu bauen, witterten die Naturschützer einen Skandal. Die Region dürfe durch das geplante, 700 Millionen Euro teure Pumpspeicherkraftwerk „nicht bloß zum Objekt für die energiewirtschaftliche Ausbeutung“ werden, kritisierten sie.

Milliarden für neue Stromspeicher nötig

Diese Bedenken könnten zum Teil zerstreut werden durch eine Studie der Deutschen Energieagentur (Dena), die von der Schluchseewerk AG in Auftrag gegeben wurde. Deren Fazit: Angesichts des geplanten Ausbaus Erneuerbarer Energien sind zusätzliche Speicher für die Versorgungssicherheit unerlässlich. Laut Dena sind „in den kommenden Jahren zweistellige Milliardeninvestitionen notwendig“.

Das Stromangebot vor allem durch Wind- und Solaranlagen ist starken Schwankungen unterworfen. Diese werden bislang vor allem durch das schnelle An- und Abschalten konventioneller Kraftwerke ausgeglichen; das ist kostspielig und ineffizient. Speicher als Puffer können Flauten besser überbrücken und bei einem Überangebot das Netz entlasten. Die besonders wichtigen Pumpspeicherwerke bestehen aus zwei Staubecken in unterschiedlichen Höhenlagen, die durch ein Kraftwerk verbunden sind. Bei einem Stromüberschuss wird die Energie genutzt um Wasser hoch zu pumpen. Bei Bedarf wird es wieder abgelassen und treibt dabei einen Generator an.

"Speicher lösen fast alle Probleme"

Ohne neue Speicher sei das geplante Wachstum der Ökoenergien mittelfristig gefährdet, heißt es in einer aktuellen Analyse der Boston Consulting Group. Die Unternehmensberater argumentieren, dass die Kapazität der Speicher bis 2025 von derzeit sieben auf mindestens 28 Gigawatt gesteigert werden müsse. Zum Vergleich: Die 17 deutschen Kernkraftwerke haben zusammen eine installierte Leistung von rund 20 Gigawatt. „Die Politik ist sich des Problems noch kaum bewusst“, so die Autoren.

Wie wichtig solche Puffer sind, betonen Experten immer wieder. „Wäre Strom effizient speicherbar, wären fast alle Probleme auf den Strommärkten hinfällig“, sagt der Kölner Energieökonom Axel Ockenfels. Dazu zählt er hohe Preise und Preisausschläge, Marktmachtpotential der Produzenten und Unsicherheiten bei Investitionsentscheidungen.

Großbatterien noch unwirtschaftlich

Da die heutigen Speichertechnologien nur über wenige Stunden Ausgleichsleistung liefern können, werden neue Konzepte wie Druckluftspeicher entwickelt. Pumpspeicherwerke dürften auf absehbare Zeit aber weiter die wichtigste Rolle spielen, weil „Großbatterien wie Lithium-Ionen-Akkus momentan noch unwirtschaftlich sind“, erklärt Bettina Lenz, zuständige Abteilungsleiterin des Oldenburger Forschungsinstituts Next Energy.

Die Bedingungen für einen Zubau von Pumpspeicherwerken sind in Deutschland aufgrund topografischer Gegebenheiten und fehlender Akzeptanz in der Bevölkerung eher gering, meint die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Das Nachbarland Österreich besitze hingegen sehr große Potenziale. Diese würden von Deutschland aufgrund langer Transportwege und fehlender Infrastruktur aber nur bedingt genutzt. Einen Ausweg biete zumindest teilweise die Stromspeicherung in Elektroautos, die durch die Entwicklung eines dezentralen Energieversorgungssystems an Bedeutung gewinnen dürfte.

Unterauslastung treibt die Preise

"Unabhängig von der Speichertechnologie sollte auch der Aspekt der strategischen Speichernutzung berücksichtigt werden", sagt Kemfert. Es bestehe nämlich die Gefahr, dass Betreiber von Pumpspeicherwerken versuchen, die Auslastung der Kapazitäten gering zu halten, um die künftigen Preise in den besonders profitablen Spitzenlaststunden nicht allzu sehr zu dämpfen. Das hat Kemfert mit ihrem DIW-Kollegen Wolf-Peter Schill in einer Studie nachgewiesen. Nicht nur die Existenz von Speichern spielt demnach eine Rolle, sondern auch ihre Nutzung. Allerdings ergeben sich diese Probleme den Experten zufolge nur, wenn die Speicherkappazitäten in der Hand eines Unternehmens mit hoher Marktmacht liegen. In diesem Fall könne die Unterauslastung ein Hindernis für die großangelegte Integration Erneuerbarer Energien darstellen, schreiben die Autoren.

Wichtig sei deshalb genügend Wettbewerb. Die Regulierungsbehörde müsse Marktmacht auf dem Speichermarkt ausschließen. Da kommt eine Ankündigung des zuständigen Bundeskartellamts wie gerufen. Die Behörde will die Auslastung von Pumpspeicherwerken in ihrer aktuellen Untersuchung zum Stromgroßhandel berücksichtigen, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilte. Ergebnisse sollen im zweiten Halbjahr vorliegen. Noch habe die Behörde keine Anhaltspunkte für eine strategische Unterauslastung der Speicher.

Weitere Informationen:

Die Bedeutung zusätzlicher Stromspeicher für den Ausbau der Erneuerbaren Energien ist Thema einer Studie der Deutschen Energie Agentur. 

Wie Pumpspeicherwerke in Deutschland strategisch genutzt werden, um Strommengen und Preise zu beeinflussen, lesen Sie in der Studie von Claudia Kemfert und Wolf-Peter Schill. 

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014