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Editor's Choice

Vom Tisch des Chefredakteurs
Zweiter Gasvertrag zwischen Russland und China

Das Imperium schlägt zurück

Mit Bezug auf die aus dem Ukraine-Konflikt von amerikanischer und europäischer Seite erwarteten Unwägbarkeiten für die strategische Erdgasversorgung der EU wurde von Experten immer wieder betont, dass die zwischen Russland und China vereinbarten Gasliefermengen von jährlich bis zu 38 bcm (Milliarden Kubikmeter) aus den Lagerstätten im Osten Sibiriens kommen würden, nicht aus denen in Westsibirien, die Europa versorgen. Die darin implizierte Schlussfolgerung war, dass Russland für den Absatz der letztgenannten Mengen allein auf den europäischen Markt angewiesen sei, Europa nicht mit China konkurieren müsse und man damit im Westen einen Hebel habe, um Russland mit geringeren Abnahmemengen durch Diversifizierung der Bezugsquellen unter Druck zu setzen.

In einem erst kürzlich publizierten Transcript eines Gespräches zwischen Präsident Putin und Gazprom-Chef Miller, überrascht Miller mit der Mitteilung, dass man für den November in Peking die Unterzeichnung eines weiteren Gasliefervertrages mit China über jährlich 30 bcm - man rede auch über 60 und 100 bcm - plane. Neu: Dieses Gas soll aus Westsibirien kommen! Die "politische" Nachricht: Russland liefert gegenwärtig jährlich rund 160 bcm Gas in die EU und kann Ausfälle durchaus kompensieren:

"...

ALEXEI MILLER: We plan to sign a contract for a volume of 30 billion cubic metres for 30 years, though the talks have also looked at other figures for new contracts concluded for the western route. We are looking at the possibilities for supplying 60 billion cubic metres or up to 100 billion cubic metres of gas to China.

VLADIMIR PUTIN: As far as I know, the western route could be even easier to build and operate than the eastern route.

ALEXEI MILLER: This is certainly the case. The western route has two advantages. First, it would use the existing gas transport system in western Siberia, and second, western Siberia has no need to build gas chemical or gas processing facilities. In this sense, the amount of investment that would be needed for the western route is less than what is needed for the eastern route.

On the other hand, the potential is enormous. It is even greater than in Eastern Siberia and, without a doubt, we can increase the volume of gas supplies very quickly via the western route, depending on the growth in demand in the Chinese market.

..."

Um die russisch-chinesischen Beziehungen im Rahmen des Gasgeschäfts herunter zu spielen, bezeichnete die FT Putins Rolle darin nur als die eines "nützlichen Idioten" (useful idiot), inzwischen geht sie davon aus, dass die Sanktionen des Westen Russland geholfen haben, seine strategische "Paranoia" gegenüber China zu überwinden. 

Noch ist es eine politische Botschaft - deren Kenntnis ich hier empfehle - offen bleiben bislang sowohl die Frage nach dem Gaspreis für China als auch die Frage nach weiteren chinesischen Anteilen an russischen Rohstoffvorkommen.

 

 

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014