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Editor's Choice

Vom Tisch des Chefredakteurs
Im Kern des Geschehens

Die US-Schieferrevolution und die arabischen Golfstaaten

Wer in diesen Tagen über den Wandel der globalen Energiemärkte schreibt, läuft Gefahr, aus dem Korrigieren nicht mehr hinaus zu kommen, ganz besonders nach dem für 2015 durch Goldman Sachs um 18 Prozent nach unten auf 74 US-Dollar pro Barrel korrigierten nordamerikanischen WTI-Öl-Preis und dem sich damit abzeichnenden Preiskrieg zwischen Saudi Arabien und der Schieferölbranche in den USA.

Kirsten Westphal, Marco Overhaus und Guido Steinberg, drei ausgewiesene Experten für Energiesicherheit und den Nahen Osten haben sich dennoch diesem Thema in ganz direkter Weise gestellt. Eine Studie, die sehr empfehlenswert ist:

„Die US-Schieferrevolution und die arabischen Golfstaaten

Wirtschaftliche und politische Auswirkungen des Energiemarkt-Wandels“

Summary: 

Die amerikanische Schieferrevolution hat tiefgreifende Folgen für die globalen Energiemärkte. Sie lässt die USA zum Selbstversorger werden, zugleich verschieben sich die Handelsströme von Öl und Gas stärker in den pazifischen Raum. Dabei bleibt der Persische Golf aber das Rückgrat der Weltölmärkte. Verflüssigtes Erdgas (LNG) aus der Region wiederum ist strategisch bedeutsam für einen globalen LNG-Markt und trägt dazu bei, die Energieversorgung auch in Europa zu diversifizieren.

Dank zunehmender Energiesicherheit gewinnen die USA an Handlungsoptionen in ihrer Politik gegenüber den Golfstaaten. Bei den dortigen Regimen herrscht große Verunsicherung, denn sie befürchten ohnehin, dass die Vereinigten Staaten sich aus der Region zurückziehen werden. Ein solcher Schritt zeichnet sich bislang zwar nicht ab, doch Europa muss sich auf eine stärkere Lastenteilung mit den USA einstellen, insbesondere was die Sicherung seiner Energieströme vom Persischen Golf angeht.

Die Entwicklungen auf den Energiemärkten haben nur langfristig und im Zusammenwirken mit politischen Faktoren das Potential, die Stabilität der arabischen Golfstaaten zu erschüttern. Kurz- und mittelfristig müssen diese Länder ihre eigene Energieversorgung sicherstellen und Exporte gewährleisten. Mit dieser Herausforderung sind sie zu einem schwierigen Zeitpunkt konfrontiert. Ihr bisheriges sozio-ökonomisches Entwicklungsmodell lässt sich in Zukunft jedenfalls nicht einfach fortschreiben.

Die geopolitischen Unwägbarkeiten in der Golfregion und die damit verbundenen Lieferrisiken bieten gute Gründe für die deutsche Energiewende. Zugleich erfordert die neue Energie-Landkarte mehr internationalen Dialog und verstärkte Kooperation. Ein Ansatz dafür wären unter anderem Energie-Partnerschaften mit den Golfstaaten.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014