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Experten stehen Rede und Antwort
13. Mai 2013

Ewald Woste

Ewald Woste Ewald Woste
Collage: Energlobe

Ewald Woste, Jahrgang 1960, leitet seit 2007 die Thüga AG und ist seit 2010 Präsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Im Video-Interview erläutert er ausführlich das Thüga-Modell für ein neues Marktdesign mit entsprechenden Kapazitätsmärkten. Was er nicht sagt ist, dass dieses Modell einen immer grösseren Konsens findet. So wurde es auch zum Ausgangsmodell für den Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und gewinnt immer mehr Unterstützung beim BDEW, für den er hier aber ausdrücklich nicht spricht, wenn er die Nachfragen von ENERGLOBE zum Interview beantwortet:

ENERGLOBE: Es gibt aus Berlin nicht nur, wie Sie sagten, starkes Interesse am Thüga-Modell für Kapazitätsmärkte, sondern auch Gegenwind: Aus dem Bundeswirtschaftsministerium vernimmt man zum Beispiel ablehnende Stimmen, denen das Modell zu kompliziert scheint, was Sie selbst als ein Problem gekennzeichnet haben. Ist "kompliziert" wie so oft in der Politik der Anfang für eine Projektbeerdigung?

Ewald Woste: Alle diskutierten Modelle sind komplexe, auf Annahmen beruhende Modelle. Einfach auszugestalten ist keines der Modelle. Die meisten Modelle schlagen getrennte Problemlösungen für das Vorhalten von gesicherter und ungesicherter Leistung vor, dabei werden die Wechselwirkungen aber nicht berücksichtigt. Wir halten dies für einen entscheidenden Nachteil und haben daher ein integriertes Modell entwickelt, das Wechselwirkungen der unterschiedlichen Erzeugungsformen berücksichtigt und sehr viele wettbewerbliche Elemente enthält. Vor allem bei der Entscheidung, wie viele „Bereitschaftskraftwerke“ vorgehalten werden müssen, ist es wichtig, dass wir die Nachfrageseite unmittelbar einbeziehen. In dem Moment, wo der Kunde über diese Leistungsvorhaltung nach dem Motto „Wer bestellt, bezahlt!“ entscheidet, entsteht aus dem Modell heraus ein höchst effizienter Markt für Handlungsalternativen. Und darum geht es in Summe: Wir brauchen eine Vielzahl von Akteuren unterschiedlichster Herkunft, um den Markt „Energiewende“ mit Lösungen zu füllen.

ENERGLOBE: Man hat den Eindruck, alles müsse jetzt sehr schnell gehen, Entscheidungen müssten möglichst gleich nach den Bundestagswahlen fallen, während es im Vorjahr hiess, man habe noch ein paar Jahre Zeit, um Entscheidungen treffen zu müssen. Was hat sich so drastisch verändert?

Ewald Woste: Die unternehmerische Situation der Kraftwerksbetreiber erodiert in einer Geschwindigkeit, mit der keiner gerechnet hat. Wir haben zwar bereits vor einigen Jahren in einem Strategieprojekt den preissenkenden Effekt der erneuerbaren Energien auf den Strom-Großhandelsmarkt analysiert. Wenn Sie sich aber die Preisentwicklung der letzten 12 Monate anschauen, dann ist der Großhandelspreis um über 20 Prozent eingebrochen. Im derzeitige Marktmodell werden nur jeweils in Abhängigkeit von der Nachfrage die Kraftwerke eingesetzt, die die niedrigsten variablen Kosten haben. Die variablen Produktionskosten der EE (hier PV und Wind) liegen in Summe deutlich niedriger als die der konventionellen Kraftwerke. Der Betreiber eines Kohle- oder Gaskraftwerks muss hingegen Brennstoff und CO2-Zertifikate für jede zu erzeugende Kilowattstunde kaufen. In der Folge gewinnen Anlagen, die auf erneuerbare Energien setzen, bei der Preisgestaltung – auch ohne gesetzlichen Einspeisevorrang – zunehmend die Oberhand. Dies führt dazu, dass sich der Betrieb von Kraftwerken, die wir aber für die Sicherstellung der Versorgung benötigen – nicht rechnet. Die Gefahr ist, dass aus dem heutigen Rentabilitäts- ein echtes Versorgungssicherheitsproblem entsteht.

ENERGLOBE: Immer wieder wird Europa und der europäische Energiebinnenmarkt für die deutsche Energiewende beschworen, aber wo spielt denn für das Thüga Modell Europa überhaupt eine Rolle. Werden die verschiedenen schon beschlossenen Kapazitätsmärkte in einer Reihe von EU- Ländern - zuletzt hat im vergangenen Dezember Frankreich seine Gesetze dazu verabschiedet - nicht eher die Re-Nationalisierung des EU- Binnemarktes vorantreiben, auch das Thüga-Modell?

Ewald Woste: Richtig ist, dass alle europäischen Länder, die in den letzten Jahren auf ein Marktdesign gesetzt haben, welches Kraftwerke nur über die produzierte Kilowattstunde vergütet, wieder Kapazitätsprämien eingeführt haben. Deutschland bildet in dieser Entwicklung eher das Schlusslicht. Derzeit versuchen alle Länder erst einmal ihre Problemstellung im eigenen Land zu lösen. Langfristig sollten wir uns aber nicht von der Idee einer europaweiten Lösung verabschieden, auch wenn dies derzeit nicht besonders nahe liegt.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014