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News & Notes

Marginalien zu Meldungen und Berichten

ISIL, Kurdistan, Türkei … und sie schmuggeln doch!

ENERGLOBE erwähnte erst kürzlich die Kritik des türkischen Präsidenten Erdogan an der New York Times und an der Financial Times, weil sie über den Öl-Schmuggel aus dem Irak in die Türkei berichteten, durch den der ISIL seine Terroraktivitäten finanziere. Erdogan bestritt entschieden, dass irakisches Öl illegal in die Türkei gelange.

Ein neuer Bericht von IHS bestätigt allerdings diesen Schmuggel und schätzt ihn auch ab. Danach nimmt IHS an, ISIL sei in der Lage 50.000-60.000 Barrel Öl am Tag zu fördern und auf dem Schwarzmarkt zu einem durchschnittlichen Preis von 40 US-Dollar pro Barrel zu verkaufen, „meistens mit Lastkraftwagen auf Schmuggel-Routen an der türkischen Grenze“. 

Lockheed kündigt Kernfusion in der Damenhandtasche an

Bedenkt man die riesigen Ausmaße und den geringen Nutzen bisheriger Kernfusionsanlagen, dann braucht die Ankündigung von Lockheed Martin, in zehn Jahren einen Kernfusionsreaktor auf den Markt zu bringen, der auf einem Truck durch die Welt gefahren werden kann, die Anspielung auf die „Damenhandtasche“ nicht zu scheuen. Hinzu kommt, nach einem Bericht der Washington Post, dass dieser Fusionsreaktor in einer Fabrik gefertigt werden soll, anstatt ein riesiges Bauprojekt zu sein. 

Wie wundervoll … wäre da nicht die Erinnerung an eine Meldung, die vor einer Reihe von Jahren auch durch die Washington Post ging - die erfolgreiche „kalte Fusion“ als Erfüllung eines Menschheitstraums. Eine Fehlmeldung.

Preiskrieg: 74 US-Dollar pro Barrel Öl in Nordamerika für 2015 vorausgesagt

Die Investmentbanker von Goldman Sachs haben ihre Vorhersage des Preises für nordamerikanisches Erdöl (WTI) um 18 Prozent nach unten korrigiert - auf 74 US-Dollar pro Barrel für 2015. 

Seit Wochen wird viel darüber spekuliert, ob hinter dieser Entwicklung - besonders durch die weiter ungedrosselte Ölförderung in Saudi Arabien - eher marktstrategische oder geopolitische Absichten stehen, also der Kampf um den Erhalt von Marktanteilen oder die Schädigung der auf den Ölexport angewiesenen Staatshaushalte in Russland, Iran und Venezuela. Für von der FAZ (29.10.2014) zitierte Analysten steht auf jeden Fall fest: „Immer stärker zeichnet sich am Ölmarkt ein Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und der amerikanischen Schieferölbranche ab. Mit Spannung wird deshalb ein Treffen des Ölförderkartells Opec Ende November erwartet“.

Die einschneidende Bedeutung der von Goldman Sachs verkündeten Preiskorrektur auf 74 Dollar pro Barrel wird verständlich, wenn man bedenkt, dass die Rentabilität der US-Förderung von Öl durch Fracking gegenwärtig an einen Preis zwischen 75-78 Dollar pro Barrel gebunden ist und bei einem niedrigeren Preis herunter gefahren werden müsste, was die ganze Debatte um künftige amerikanische Ölexporte und den „Shale-Boom“ insgesamt in ein neues Licht stellen würde.

Schwer vorstellbar, dass man in solcher Situation in Riad geneigt ist, Markt und Geopolitik strikt auseinander halten zu wollen.

Das Unerwartete der Sanktionen: Gazprom reicht Rosneft die Hand

Von den europäischen Medien wenig bemerkt: Gazprom hat im Gasgeschäft seinem Konkurrenten Rosneft für Außenstehende vollkommen überraschend angeboten, für Bohrungen in der arktischen Kara See eine Bohrinsel auszuborgen, nachdem das ursprünglich als gemeinsames Projekt zwischen ExxonMobile und Rosneft geplante Vorhaben durch die Sanktionen von amerikanischer Seite gestoppt wurde. 

Reuters sieht darin einen Beweis für die gegenteilige Wirkung der Sanktionen, da die politische Führung Russlands noch enger mit den Energieunternehmen zusammen rückt. Von den Sanktionen hatte der Westen sich versprochen, diese Kreise auseinander bringen zu können, damit Russland die Richtung seiner geopolitischen Aktivitäten verändert.

Nebenbei: Wie sehr man bei Gazprom an neuen strategischen Optionen arbeitet, verdeutlichen auch solche mitunter widersprüchlichen und sich schnell gegenseitig ablösenden Verlautbarungen, wie die Ankündigung, den Bau des LNG-Terminals in Vladivostok zu verschieben und den Bau einer direkten Pipeline nach Japan zu erwägen, wovon die Moscow Times kürzlich berichtete.

Niedrige Gaspreise führen zu 6 Prozent mehr US Warenexport

In seinem aktuellen "Weltwirtschaftsausblick" (World Economy Outlook) gibt der Internationale Währungsfond an, das die USA ihre jährlichen Warenausfuhren allein durch die Preisunterschiede für US Erdgas im Vergleich zu Europa und Asien um 6 Prozent gesteigert haben.

Während dieser Wettbewerbsvorteil der USA in dem sehr exportorientierten Deutschland öffentlich bislang zumeist nur abstrakt debattiert wurde, sind 6 Prozent sehr konkret und ein deutlicher Schritt der USA nach vorn.

Europäische Kommission entwickelt Pläne für Gaslieferungen aus dem Iran

Nach dem von ENERGLOBE im Juli veröffentlichten Interview mit dem stellvertretenden iranischen Ölminister für internationale Beziehungen, Ali Majedi, über die Hoffnungen Irans, nach Beendigung der Sanktionen die wirtschaftlichen Beziehungen mit Europa neu beleben zu und Erdgas über die Türkei und die Trans Adriatic Pipeline (TAP) nach Europa liefern zu können, hat das Thema in den Medien deutlich an Bedeutung gewonnen. Reuters berichtete vor wenigen Tagen davon, das die Europäische Kommission in einem internen Papier ihrer Generaldirektion Außenpolitik Iran als wichtige Alternative zu russischen Gaslieferungen einstufe - nach der Zurücknahme der Sanktionen und dem Aufbau zusätzlich nötiger Infrastruturen für die Gaslieferungen.

Auf aktuelle Nachfrage von ENERGLOBE erklärte TAP dazu:

"Die Anteilseigner von TAP haben erklärt, unter den gegenwärtigen politischen Umständen kein iranisches Gas zu transportieren. Jede Form von unsanktioniertem Gas kann insofern transportiert werden, als Teilnehmer in der Buchungsphase eine gültige Bestellung eingereicht haben." (Übers. d. Red.)

 

 

400 Milliarden für den Aufbau der Ukraine veranschlagt

Mit Bezug auf ein Treffen des Think Tanks "Dialog-Europe-Russia" (DER) im August berichtet der Geopolitische Informationsservice (GIS) davon, dass während dieses Expertentreffens die Zahl von 400 Milliarden Euro zum Wiederaufbau der ukrainischen Wirtschaft, inklusive der Energiewirtschaft, genannt worden wäre.

So kritisch man solch Zahl gegenwärtig auch betrachten muss - aber es gibt im Gegensatz zum Beginn der Griechenland- und Südeuropakrise derzeit nicht viele belastbaren Zahlen zur Ukraine - so sehr verdeutlicht sie zumindest die finanzielle Dimension der Lage ... bis jetzt.

Zum Vergleich: Das erste Hilfspaket für Griechenland kostete die EU anteilig "nur" 80 Mrd. Euro von insgesamt 110 Mrd.

 

 

 

 

FT fordert Marx zurück an die ökonomischen Fakultäten

Nebenbei "auf-gelesen": In einem ausführlichen - traditionell nicht unterschriebenen - Kommentar der Redaktion zu den Missständen einer nur quantitativ orientierten globalen Ausrichtung der Ausbildung an ökonomischen Fakultäten, fordert die Redaktion der Financial Times die Rückkehr von Marx, Schumpeter und Hayek in die Vorlesungen.

Marx hätte dazu in seiner übliche Art wohl "recte" an den Zeitungsrand geschrieben.

Erdogan zu Öl-Schmuggel des IS in die Türkei

In scharfer Form hat sich der türkische Präsident Erdogan während seines New York Aufenthalts gegen Berichte von New York Times und Financial Times gewandt, sein Land lasse zu, das der Islamische Staat (IS) Öl aus den von ihm besetzten Gebieten in Syrien und dem Irak über alte irakische Schmugglernetze in die Türkei schmuggle, um mit den dort erzielten Erlöse seine Terroraktivitäten zu finanzieren. 

Wie undurchsichtig die Lage im Nordirak neben dem "geopolitischen Albtraum" einer Eroberung durch den IS wirklich ist, zeigt der Hinweis in den Berichten, nach dem die nordirakischen Schmuggelrouten von Kurden beherrscht werden und damit Kurden daran beteiligt sind, das Öl des IS - mit dem man in heftigen Kämpfen liegt - in die Türkei zu schmuggeln.

Atlantic Council und Brookings unter Beschuss

Der Beschuss, unter dem führende US-Think-Tanks durch die New York Times stehen, zeigt Wirkung. Atlantic Council, Brookings, CSIS - alle sind Think Tankes mit grossen Abteilungen zur Energiesicherheit - und weiteren 25 Institutionen wurde von der Times nach ausführlichen Recherchen am 7.9.2014 der Vorwurf gemacht, gegen das Gesetz über die Registrierung ausländischer Agenten (Foreigns Agents Registration Act, 1938) zu verstoßen, indem sie Gelder ausländischer Regierungen (68 Regierungen, u.a. Qatar und Norwegen) in Höhe von mindestens 92 Mio US-Dollar angenommen hätten, ohne diese zu deklariert zu haben, um sich nicht dem Verdacht aussetzen zu müssen, bezahlte Standpunkte in die US Politik einbringen zu wollen und ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit zu verletzen - Grundlage ihrer Zulassung für die Anhörungen vor dem US-Senat. Heute berichtet die Times über die einhelligen Meinungen unter Juristen sowie unter demokratischen und republikanischen Abgeordneten, dass diese Zuwendungen zu veröffentlichen sind. 

ENERGLOBE Exklusiv

Irans Spitzenpolitiker für Öl und Gas wird Botschafter in Deutschland

Berlin/Teheran/6. Juli 2014. Irans stellvertretender Öl- und Gasminister für internationale Beziehungen (Deputy Petroleum Minister for International Affairs), Dr. Ali Majedi, wird künftiger Botschafter der Islamischen Republik Iran in Deutschland. Das teilte Majedi dem Webmagazin ENERGLOBE/Energy and Geopolitics mit. Er rechne damit, seine Tätigkeit in Berlin im September aufzunehmen.

Im Exklusivinterview mit ENERGLOBE sprach Majedi in Teheran erstmals über seine bevorstehende Ernennung zum Botschafter in Deutschland. Für ihn sei es eine grosse Freude, nach Deutschland zu kommen, sagte Majedi, und er wolle sich als Botschafter hauptsächlich auf Fragen der künftigen wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Deutschland und der EU konzentrieren. 

Mit der Ernennung Majedis zum Botschafter schickt Irans Präsident Rouhani seinen führenden Politiker für die internationalen Öl- und Gasgeschäfte des Iran nach Deutschland. Deutschland habe eine Schlüsselstellung in der europäischen Wirtschaft und spiele eine bedeutende Rolle in den 5+1 Verhandlungen mit dem Iran, sagte Majedi weiter, und er sieht nach eigenen Worten gute Möglichkeiten, für eine engere Zusammenarbeit zwischen Iran und Deutschland, nachdem man von iranischer Seite mit Deutschland in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht habe.

Majedi verfügt über langjährige diplomatische Erfahrungen, zuletzt als iranischer Botschafter in Japan.

 

Das vollständige Interview mit Dr. Ali Majedi erscheint am 17. Juli auf ENERGLOBE.EU .

Noch einmal Verheugen

… und wenn Putin nicht allein in der Welt von Gestern lebt?

„Weil europäische politische Eliten nur noch in Kategorien wie prorussisch und proeuropäisch denken konnten und den Konflikt statt den Dialog mit Russland bevorzugten, haben sie - und nicht die Brüsseler Bürokraten - die schwerste Krise in Europa in diesem Jahrhundert mit ausgelöst.“

Dieser Satz, des einstmals mächtigsten EU-Industrie-Kommissars und vormaligen Verantwortlichen für die EU-Integration Osteuropas, Günther Verheugen, ist der paradigmatische Ansatz seiner auf Spiegel-Online gegen die Brüssel-Kritik Helmut Schmidts gerichteten Rechtfertigung. Folgt man dem Artikel noch einmal unter diesem Gesichtspunkt, so verliert sowohl die Kritik von als auch die an Schmidts Vorwürfen gegen Brüssel deutlich an Bedeutung. Vielmehr verweist Verheugen auf eine geistige Verfasstheit der politischen Führungen in Europa, die den Behauptungen, es sei allein Putin, der in der Welt von Gestern lebe, mit aller Klarheit widerspricht. Nebenbei: Damit bekommt vielleicht auch der bislang vorerst nur als Schnellschuss abgetane Vorschlag von Energieminister Gabriel, eine „Energie-KSZE“ zu begründen, eine neue Dimension - vielleicht gerade deshalb, weil es gar kein neuer Vorschlag ist. 

Bann im Aufbruch

Die Obama Administration beginnt ihr Schweigen zum Exportverbot von Öl zu beenden

Bislang hatte sich die Obama Administration immer in tiefes Schweigen gehüllt, wenn es um das Exportverbot von in den USA gefördertem Öl ging. Jetzt signalisiert die Administration auf Grund des extrem stark gestiegenen Fördervolumens im Inland offensichtlich ein Umdenken.

Während eines Treffens am Zentrum für globale Energiepolitik der New Yorker Columbia University erklärte John Podesta, Berater von Präsident Obama, vor kurzem erstmals, das man die gegenwärtige Ölproduktion sehr aktiv untersuche, um zu entscheiden, wie man diese Resource über „eine Variation verschiedener Mechanismen“ in den internationalen Warenverkehr bringen könne. 

LNG Invasion

US Energieminister Moniz nannte „die Zahl“: 100 Milliarden Kubikmeter LNG werde die USA künftig pro Jahr auf den Weltmarkt werfen

„Wenn wir 100 Milliarden Kubikmeter auf den LNG-Markt bringen, könnte das natürlich zu mehr Weltmarkt für LNG führen“, sagte US Energieminister, Ernest Moniz, kürzlich in einem Interview mit dem Branchendienst Platts in Rom.

Damit nannte er erstmals öffentlich eine Größenordnung künftiger US LNG-Exporte, deren Wirkung auf die Weltmärkte man sich veranschaulichen kann, wenn man sie mit dem jährlichen LNG-Export von Qatar - dem weltweit grössten LNG-Exporteur - vergleicht: 105 Milliarden Kubikmeter pro Jahr! Nebenbei: Der jährliche Gasbedarf Deutschlands beträgt 93 Milliarden Kubikmeter.

Schwimmender Joker

US-Shalegas verändert russische Gaspreise noch bevor es auf den Ozeanen ist

Für Europa sei die US-Shalgas-Revolution besonders für die jetzt kommenden Neuverhandlungen für auslaufende Verträge mit Gazprom wichtig, sagte der Chef-Ökonom der Internationalen Energie Agentur (IEA) Fatih Birol vor einem halben Jahr im Energlobe-Interview. Es werde dagegen viel länger dauern, bis LNG nach Europa komme. Litauen zeigt, das Birol richtig lag.

Während US-Energieminister Moniz gegenwärtig die Erwartungen der europäischen Politik bremst und betont, es werden zwar große Mengen an LNG aus den USA auf den Markt kommen, die aber schon für Asien gebucht seien, vermeldet Litauen einen ersten Erfolg. Litauen - zu 100 % von russischem Erdgas abhängig - hat sich für den Bau eines auf See schwimmenden LNG-Terminals entschieden und die FT berichtet, dass Litauens Premierminister, Algirdas Butkevicius, erklärt habe,  ein Geschäftsabschluss zwischen Litauens führendem Gasversorger Lietuvos Duos und Gazprom würde zu fallenden Gaspreisen führen: „Ich kann sagen, dass die Preise um mindestens 20 Prozent fallen werden“, zitiert ihn die FT.

(ENERGLOBE trifft dazu Ende Mai den Energieminister Litauens, Jaroslav Neverovic, zu einem Gespräch.)

In eigener Sache

„Energy and Geopolitics“

Ab Mai 2014 focusiert sich ENERGLOBE noch stärker auf die internationalen Themen von Energiesicherheit und Geopolitik. „News and Notes“ führt dazu Marginalien zu internationalen Medien und Studien zusammen, die in der Redaktion auffielen.

»ENERGIEAUSSENPOLITIK

IST ZWAR EIN LANGES WORT

ABER ES IST ZU RECHT

EIN WORT«

Außenminister Frank-Walter Steinmeier, 28.Mai 2014