Sie benutzen einen veralteten Browser. Bitte updaten Sie Ihren Browser oder aktivieren Sie Chrome Frame um die Darstellung zu verbessern.

Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Eine Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten, befindet sich hier.

Wirtschaft: Nabucco, TAP, etc.

Einer wird gewinnen - Europa

Nachtrag zur Neutralität in einem finalen Vorspiel

Einer wird gewinnen - Europa Einer wird gewinnen - Europa

Herr Pflüger, hat es sie nicht überrascht, zeitgleich zum Erscheinen ihres Artikels von einem Working Group Paper der Europäischen Kommission zu lesen, in dem das Nabucco-Projekt im Ranking deutlich vor TAP rangieren soll?

Das hat mich überhaupt nicht überrascht, denn für die EU ist Nabucco schon seit langer Zeit das Synonym für die südlichen Gasimporte Europas, dadurch entstanden viele Kontakte und Bindungen. Nabucco hat lange Zeit Führungsarbeit geleistet, aber jetzt tritt auf der Zielgeraden der leichtere Sprinter, TAP, aus dem Windschatten. Manche haben das leider noch nicht zur Kenntnis genommen.
Die Entscheidung wird aber nicht in Brüssel nach geostrategischen sondern in Baku nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten durch das Shah-Deniz-Konsortium getroffen.

Hat sich aus ihrer Sicht die Haltung der EU-Kommission zu den beiden Projekten inzwischen in Richtung Neutralität verändert?

Energiekommissar Günther Oettinger hat mehrfach seine Neutralität hinsichtlich des jeweiligen Konsortiums unterstrichen. Es steht außer Frage, dass die EU sich neutral verhält. Für sie kommt es in erster Linie auf die Diversifizierung der Gasimporte Europas an. Die genaue Auswahl obliegt einer ökonomischen Entscheidung, in die sich die EU klugerweise nicht einmischt.

Welche Bedeutung messen Sie den in der vergangenen Woche gegebenen Empfehlungen des Adriatisch-Ionischen Rates, Albanien, Bosnien Herzigowina, Kroatien, Griechenland, Italien, Montenegro, Serbien und Slowenien für TAP zu?

Das ist eine wichtige Unterstützung für TAP. Durch meine Arbeit in Albanien habe ich selbst erlebt, wie sehr man in der ganzen Region große Hoffnungen auf TAP setzt, also nicht nur für Albanien sondern auch für die Stabilität im ganzen südlichen Balkan.

Welchen Unterschied würde es für die Versorgung Europas mit Kaspischem Erdgas aus Ihrer Sicht machen, wenn man sich für TAP oder für Nabucco entscheiden würde?

Noch einmal: Entscheidend ist die Diversifizierung der Gasimporte für Europa. Wir erwarten azerisches Gas, wir erwarten um 2017/18 LNG aus den USA und wir erwarten vielleicht auch Gas aus dem Nordirak. Hinzu kommt Gas aus dem östlichen Mittelmeerraum - Türkei, Zypern und Israel. Übrigens plant auch Katar, seine Erdgaslieferungen auszudehnen und erwägt deshalb gegenwärtig eine Strompreis-Indexierung seiner LNG-Exporte. Das sind die guten Nachrichten für europäische Gaskunden und bringt diejenigen unter enormen Druck, die glaubten, ihre Geschäftsmodelle auf Jahrzehnte hinaus mit hohen Gaspreisen festschreiben zu können.

Günther Oettinger betonte in den vergangenen Wochen bei offiziellen Anlässen immer wieder, dass es sich bei der Entscheidung durch das Shah-Deniz-Konsortium für Europa vor allem um einen ersten Schritt zur Öffnung des Südlichen Gaskorridors handeln würde. Sehen Sie darin auch die Möglichkeit, beide Projekte letztlich nicht nur als ein Entweder/Oder zu betrachten, sondern durchaus als ein Nacheinander?

Das ist absolut möglich, denn beide Konsortien haben sehr viel Aufwand und Geld in die Entwicklung ihrer Projekte investiert. Ich sehe durchaus die Möglichkeit, dass das Shah-Deniz-Konsortium einer Pipeline den sofortigen Zuschlag gibt und der anderen eine Perspektive für die kommenden Jahre.

Wie sehen sie die gegenwärtige Einstellung der Bundesregierung, die sich ebenfalls lange Zeit für das Nabucco-Projekt ausgesprochen hat?

Die Bundesregierung verhält sich bislang neutral. Allerdings bleibt nach dem Rückzug von RWE aus dem Nabucco-Konsortium nur noch ein deutsches Unternehmen übrig, Eon, dass Karten im Spiel hat – im TAP-Konsortium. Deshalb könnte ich mir gut vorstellen, dass die Bundesregierung eine vorsichtige Unterstützung von TAP ins Auge fasst. 

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014