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Wirtschaft: Russland, China, Erdgas

Wieviel Strategie und wieviel Geschäft?

Michael Schaefer zu russisch-chinesische Gaslieferungen

Wieviel Strategie und wieviel Geschäft? Wieviel Strategie und wieviel Geschäft?
Grafik: Energlobe

Herr Schaefer, aktuell mutmaßen us-amerikanische Medien, der vor wenigen Tagen abgeschlossene Gasliefervertrag zwischen Russland und China wäre auch ein Ausdruck eines Umdenkens in der politischen Führung Chinas. Ändert China gerade seine geopolitische Strategie?

Ich kann noch keine Ansätze zu einem solchen Strategiewechsel erkennen. China hat ein substantielles Interesse an guten Beziehungen sowohl zu Moskau als auch zu Washington und zu Europa. Natürlich aus ganz unterschiedlichen Gründen. China braucht Russland als Energielieferanten, der jetzt abgeschlossene Gasliefervertrag, der schon seit zehn Jahren verhandelt wurde, ist wichtig für die chinesische Energieversorgungspolitik.

China braucht aber nicht weniger die USA und Europa - einerseits wegen des Technologietransfers, der auch während der nächsten Jahrzehnte für China essentiell sein wird, und andererseits wegen des amerikanischen und europäischen Marktes, die beide viel wichtiger für China sind als der russische.

Im Kern der Vermutungen eines chinesischen Richtungswechsels im Verhältnis zu den USA steht die zunehmende Verlagerung der Interessensspähre der USA nach Asien - „the pivot to Asia“. Ist das eine berechtigte Sorge der Chinesen?

Auch hier würde ich vor zu schnellen Schlussfolgerungen warnen. China hat durchaus mit Unruhe den von der Obama-Administration angekündigten „pivot to Asia“ verfolgt; er wurde aber mittlerweile von amerikanischer Seite deutlich relativiert, man spricht jetzt in den USA von einem „rebalancing“. China hat prinzipiell kein Problem mit der Präsenz der Amerikaner in Asien. Was China aber nicht hinnehmen wird, ist ein transpazifisches Freihandelsabkommen der USA mit den ostasiatischen Staaten und der ASEAN (TPP), dass sich gegen China richtet. Entsprechende Überlegungen perzipiert Peking als Teil eines gegen China gerichteten "containment". Es wäre aus meiner Sicht in der Tat ein falsches Signal, wenn ein solches Abkommen nicht offen gehalten würde, d.h. wenn es nicht auch China offen stünde.

Wie sieht China die Rolle Russlands?

Historisch gesehen hatte China ein sehr schwieriges Verhältnis mit der Sowjetunion und auch das Verhältnis zum heutigen Russland ist nicht problemfrei. In der Ukraine-Frage sieht sich China vor einem Dilemma. Peking hat sich bei der Abstimmung im UN-Weltsicherheitsrat zur Ukraine-Krise der Stimme enthalten, das war eine klare Positionierung gegen Russland, da China die Sorge hat, dass die Abspaltung der Krim durch Russland zur Blaupause für separatistische Bewegungen in einigen chinesischen Landesteilen werden könnte.

Die wichtige Rolle Russlands als Energielieferant für China bleibt davon allerdings unberührt. Zehn Jahre lang hat man sich von russischer Seite den chinesischen Preisvorstellungen widersetzt, jetzt hat man offensichtlich unter dem Druck der europäischen Entwicklungen den Gasliefervertrag abgeschlossen und noch eine chinesische Beteiligung am Ölgiganten Rosneft angeboten, man spricht über 19 Prozent.

Was ist dieses Gasgeschäft dann für China: Teil einer geopolitischen Strategie oder einfach „business as usual“?

Zunächst einmal ist es ein wirklich wichtiges, weil langfristiges Energieversorgungsgeschäft. Dieses ändert aber absolut nichts an der chinesischen Linie, sich auf keinen Fall zu sehr von einem bestimmten Energielieferanten abhängig zu machen. China wird weiterhin alles versuchen, sich seine Energie- und Rohstoffimporte in alle Richtungen offen zu halten. Insofern ist das Gaslieferabkommen in erster Linie ein ganz normales Geschäft, zumal für die Realisierung des Vertrages enorme Investitionen notwendig sind, um die 4.000 Kilometer Gasleitungen zu verlegen, was mindestens vier bis fünf Jahre dauern wird.

Nebenbei bemerkt: Es handelt sich bei den vereinbarten Lieferungen um Erdgas aus Ost-Sibirien. Europa bekommt sein Erdgas aus Westsibirien. Beides hat also direkt wenig miteinander zu tun.

»DIE KRISE DER IDEE VON EINER WELTORDNUNG

(IST) DAS ULTIMATIVE INTERNATIONALE

PROBLEM VON HEUTE«

Henry Kissinger,„World Order”, August 2014